"Niemand ist größer als Werder": Fangruppe kritisiert Wontorra und Co.

Mit einem gegen die Werder-Führung gerichteten Schreiben hatte der TV-Moderator für Aufsehen gesorgt. Die Ultragruppierung "Infamous Youth" übt jetzt scharfe Kritik.

In der Ostkurve des Weser-Stadions sind mehrere Sitzschalen mit einem Aufkleber "Ultras" beklebt.
In der Werder-Fanszene hatte das Schreiben von Jörg Wontorra und Maria Yaiza Stüven Sanchez sowohl für Zustimmung als auch für Kritik gesorgt. Bild: Imago | Poolfoto

Läuft es gut, sind alle happy. Läuft es schlecht, gibt es böses Blut – was auch für die Werder-Familie gilt: Als den Bremern in der vergangenen Saison der Abstieg drohte, hagelte es Kritik an der Vereinsführung. Stimmen kamen aus vielen, bis dahin eher verborgenen Ecken. Und auch nun, da die Grün-Weißen wieder in akuter Abstiegsgefahr schweben, meldeten sich einige besorgte Werder-Anhänger und -Akteure lautstark zu Wort. Wie etwa TV-Moderator Jörg Wontorra, der zusammen mit der Fan-Vertreterin Maria Yaiza Stüven Sanchez die Klubbosse in einem öffentlichen Schreiben hart anging – wofür das Duo nun selbst in der Kritik steht.

Ultragruppierung "Infamous Youth" äußert sich

In ihrem Appell, in dem die beiden den Werder-Oberen ein "Zögern und Zaudern" attestierten, beriefen sich Wontorra und Stüven Sanchez auf die Unterstützung des Fan-Bündnisses "Kein-weiter-so". Den Umgang mit Trainer Florian Kohfeldt bezeichneten die Aufsichtsrats-Kandidaten als "unprofessionell und respektlos".

Für ihren Vorstoß erntete das Duo in den sozialen Kanälen sowohl Zustimmung als auch Ablehnung. Letzteres etwa bei der Ultragruppierung "Infamous Youth". In einem Gegenschreiben nannten die Werder-Anhänger die Kritik, die immer wieder von außen auf den Verein einprasselt, "harsch" und "unfundiert".

In erster Linie sind es Angriffe auf aktuelle Funktionär:innen, polemische Aussagen und platte Forderungen. Es werden 'Macher' gefordert, die Werder brauche. Aber was genau diese 'Macher' dann eigentlich umsetzen wollen, bleibt völlig offen.

Auszug aus einem Schreiben der Werder-Ultragruppierung "Infamous Youth"

Kritik von außen zur Unzeit

TV-Moderator und Werder-Aufsichtsratskandidat Jörg Wontorra lächelt.
TV-Moderator Jörg Wontorra hofft darauf, in den nächsten Werder-Aufsichtsrat gewählt zu werden. Bild: Imago | Nordphoto

Weiterhin stört sich die Ultragruppierung an der Behauptung, dass hinter Wontorra und Stüven Sanchez eine Sammlung von Fanfraktionen stehe. Zehn sollen es an der Zahl sein. Aber: "Auch nach ausdrücklichem Umhören in der aktiven Fanszene konnte uns keine einzige der zehn Fangruppen vorgestellt werden." Ebenso stieß der Zeitpunkt, in dem sich Wontorra und Stüven Sanchez an die Öffentlichkeit wandten, bei vielen grün-weißen Anhängern auf wenig Verständnis. Auch weil Werder das zum "Kohfeldt-Endspiel" ausgerufene Pokal-Halbfinale gegen Leipzig unmittelbar vor der Brust hatte. Störfeuer von außen seien in einer solchen Lage das Letzte, was der Verein brauche, lautete der Tenor. Ähnlich sieht es "Infamous Youth".

Die äußerst schwierige Situation, in der sich Werder Bremen aktuell befindet, für sich zu nutzen und damit weitere Unruhe in den Verein zu bringen, ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar. Niemand ist größer als Werder Bremen!

Auszug aus einem Schreiben der Werder-Ultragruppierung "Infamous Youth"

Weitere Nachfragen lehnten Wontorra und Stüven Sanchez ab

Die Möglichkeit, ihre Motive im Nachgang darzulegen, lehnten sowohl Wontorra als auch Stüven Sanchez ab. Auf Nachfrage des Sportblitz wollten sich beide nicht weiter zu ihrem Schreiben äußern. Zumindest nicht momentan. Stüven Sanchez begründete ihre Absage damit, dass es "zum aktuellen Zeitpunkt wichtig" sei, dass Verein und Mannschaft auf das "Wesentliche" fokussiert seien. Was ein wenig verwunderte. Schließlich hatte ihr und Wontorras Appell bereits da hohe Wellen geschlagen.

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Autor

  • Helge Hommers Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 28. April 2021, 18:06 Uhr