Werder wieder vor weniger Zuschauern – wie macht es der Rest Europas?

Werder muss in Zukunft mit noch weniger Stadion-Zuschauern rechnen

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Gegen Aue am Freitag (18:30 Uhr) vergeben die Bremer nur Dauerkartenplätze, weitere Beschränkungen könnten folgen. Zwei Nachbarländer setzen schon wieder auf Geisterspiele.

Wenn Werder am Freitagabend gegen Erzgebirge Aue spielt, wird das Debüt von Ole Werner als Coach der Bremer aufgrund der angespannten Corona-Lage vor teilweise leeren Rängen im Weser-Stadion stattfinden. Mit dem Bremer Senat hat Werder sich am Mittwoch darauf geeinigt, dass nur mit einer Dauerkarte Einlass gewährt wird. Im freien Verkauf werden keine Tickets angeboten. Maximal 27.000 Zuschauer können das Spiel somit im Weser-Stadion sehen. Auf dem Treffen von Bund und Ländern am Donnerstag soll dann eine bundesweit einheitliche Lösung gefunden werden.

Es muss zumindest eine ganz stark reduzierte Zuschauerschaft sein. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man sich darauf verständigt, dass es keine Zuschauerinnen und Zuschauer für die nächsten Wochen gibt.

Bremens Bürgermeister, Andreas Bovenschulte, blickt in eine Kamera.
Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Eine Rückkehr der Geisterspiele im gesamten Land ist also nicht ausgeschlossen. Einige Länder in Europa sind zu dieser Lösung bereits zurückgekehrt, andere hingegen spielen nach wie vor vor vollen Rängen. Ein Überblick.

England

Fans im Liverpooler Stadion schauen auf das Spielfeld.
Die Stadien in England können – wie hier die "Anfield Road" in Liverpool – nach wie vor voll besetzt werden. Bild: Imago | Pa Images

Bei den Engländern darf weiterhin in voll besetzten Stadien gespielt werden. Nach den Regeln der Premier League müssen Stadionbesucher einen Impf- oder Genesenenstatus nachweisen oder einen Coronatest vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Die Entscheidung darüber, wer ins Stadion darf und wer nicht, liegt letztlich bei den Klubs selbst. Auch für die noch im Dezember beginnende Darts-Weltmeisterschaft in London darf die volle Anzahl von Tickets verkauft werden. Nachdem das Turnier 2020 ohne Publikum stattfinden musste, dürfen damit bis zu 3.000 Zuschauer im Alexandra Palace feiern. Dass sich die Fans bei ausgiebigem Bierkonsum Gedanken über Masken oder Sicherheitsabstand machen, scheint eher unwahrscheinlich.

Italien

Die Stadien dürfen nach Angaben des Fußballverbands FIGC bislang zu 75 Prozent gefüllt sein. Am 6. Dezember treten jedoch weitere Regelungen in Kraft, die die Regierung von Mario Draghi schon Ende November beschlossen hatte. Ab dann gilt für die Fans die 2G-Regel. Es darf nur noch ins Stadion, wer nachweislich geimpft oder genesen ist. Bezüglich einer Impfpflicht für die Fußball-Profis gab es bislang keine weiteren Vorstöße. Das sei "ein sehr sensibles Thema", sagte ein FIGC-Sprecher. Verbandspräsident Gabriele Gravina hatte zuvor eine Impfpflicht ins Spiel gebracht. Nach einer Sitzung des Verbandsvorstandes sagte er, diese Option sei im Kampf gegen Corona möglich. Etwa vier bis fünf Prozent der Profis hätten noch keinen gültigen Impfnachweis. Unter anderem, weil sie ein nicht in der EU anerkanntes Vakzin erhalten hatten

Spanien

Trotz steigender Corona-Zahlen gibt es keine spezifischen Einschränkungen für Sportveranstaltungen. Geisterspiele im Fußball sind nicht geplant. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei knapp 120. Der Corona-Pass (3G-Regel) wird jedoch für den Besuch von Restaurants, Nachtlokalen und größeren Veranstaltungen in Innenräumen in immer mehr Regionen des Landes Pflicht. Dies dürfte auch den Hallensport betreffen. Sieben von 17 Gemeinschaften, die in etwa deutschen Bundesländern entsprechen, haben dies bereits beschlossen, nur drei eine solche Maßnahme vorerst ausgeschlossen. Angesichts einer Impfquote von fast 80 Prozent dürfte eine Pflicht zur Vorlage eines Corona-Passes aber keine dramatischen Folgen haben.

Frankreich

Die Ligue 1 blickt mit Sorge auf die steigenden Infektionszahlen. Seit Freitag greift in den Stadien wieder eine Maskenpflicht, eine Diskussion über reduzierte Zuschauerzahlen aber gibt es noch nicht. Wie die Regierung kürzlich erklärte, solle die Bevölkerung vor einer Verbreitung des Virus geschützt werden, Training und Wettkämpfe im Sport aber sollten aufrechterhalten werden. Eine Maskenpflicht gilt auch für Sportlerinnen und Sportler in den Arenen, sobald sie den Sport nicht ausüben.

Niederlande

Davy Klaassen und zwei weitere Spieler von Ajax Amsterdam in einem leeren Stadion.
Werders Ex-Spieler Davy Klaassen muss mit Ajax Amsterdam in den Niederlanden bereits wieder in leeren Stadien spielen. Bild: Imago | Pro Shots

Nach der Verhängung eines Teil-Lockdowns hat am 14. November das vorerst letzte Fußballspiel vor Zuschauern stattgefunden. Wettkämpfe dürfen seitdem generell nur ohne Publikum ausgetragen werden. Dies gilt sowohl für den Amateur-, als auch den Profisport. Seit einer Verschärfung der Maßnahmen, die am Sonntag in Kraft trat, müssen alle Sportstätten zwischen 17 Uhr und 5 Uhr geschlossen bleiben – davon ausgenommen sind Training und Wettkämpfe im Profisport. Der niederländische Fußballverband KNVB appellierte an die Regierung, auch im Bereich der Amateure Ausnahmen zu erlauben. Rund 1,2 Millionen Amateure hätten sonst unter der Woche kaum Trainingsmöglichkeiten.

Schweiz

Bei großen Sportveranstaltungen gilt die 3G-Regel. Die Regierung hat aber eine Verschärfung vorgeschlagen, die schon nächste Woche in Kraft treten könnte: Dann müssten in Innenräumen wie Eishockeyhallen Masken getragen werden. In Fußballstadien gilt die 3G-Regel ab 1.000 Zuschauern. Diese Grenze soll auf 300 gesenkt werden. Eine Entscheidung wird für den Freitag erwartet.

Tschechien

Seit der Ausrufung des Corona-Notstands am 26. November dürfen nur noch maximal 1.000 Zuschauer und Teilnehmer in Sportstadien sein. Es gilt die 2G-Regel. Nur für die Profis reicht auch ein Test. Für Amateurwettbewerbe gibt es eine Begrenzung auf 100 Menschen im Stadion. Trotz der finanziellen Einbußen haben sich die Profi-Verbände für eine Fortsetzung sowohl der Fußball- als auch der Eishockey-Saison entschieden. An der Entscheidung der Regierung gab es aber auch Kritik. Vikoria-Pilsen-Trainer Pavel Vrba sagte, die Einschränkungen für Geimpfte erschienen ihm "unlogisch".

Polen

Seit Juni dürfen auf den Zuschauertribünen der Stadien 50 Prozent der Plätze vergeben werden. Geimpfte werden bei dieser Obergrenze nicht mitgezählt. Da es in Polen jedoch keine rechtliche Grundlage dafür gibt, dass Veranstalter Besucher zum Vorzeigen eines Impfnachweises zwingen können, ist diese Regelung eher Theorie. Für kleinere Sportveranstaltungen gelten seit dem 1. Dezember neue Begrenzungen. Zu Wettkämpfen und Sportereignissen, die außerhalb von Stadien oder anderen Anlagen stattfinden, dürfen maximal 250 Personen zusammenkommen.

Dänemark

Die Geisterspiele sind seit Beginn des Lockdowns am 22. November im Fußball zurück. Auch andere Veranstaltungen im Spitzensport wie zum Beispiel im Tennis gehen nur noch ohne Zuschauer über die Bühne. Alle Sporthallen sind geschlossen. Ausnahmen gibt es für Spitzensportler und den Behindertensport. Sport im Freien ist möglich, wobei die Ausübung nur mit Personen aus eigenen Haushalt sowie dem Lebenspartner und engsten Angehörigen stattfinden darf. Die Maßnahmen sind zunächst bis zum 12. Dezember befristet. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass es auch danach bei den Geisterspielen bleibt.

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 1. Dezember 2021, 18:06 Uhr