Wie viele Blackouts will sich Werder noch leisten?

Wieder bescherten kollektive Aussetzer Werder die siebte Pleite in Folge. Die Abstiegsangst wächst, nur drei Spiele bleiben. Kann Kohfeldt die Wende noch schaffen?

Christian Groß, Maximilian Eggestein und Philipp Bargfrede stehen nach der Niederlage konsterniert auf dem Spielfeld.
Frust pur bei Werder Bremen nach der siebten Niederlage in Folge. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz ist auf einen Punkt zusammengeschrumpft. Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Es scheint, als würde Werder momentan nur noch die Minuten runterzählen. Die mageren 270 Minuten, die den Bremern bleiben, um den drohenden Abstieg irgendwie zu verhindern. Oder jene ärgerlichen Minuten, die den Gegnern zuletzt ausreichten, um sie durch klassischen K. o. auf die Bretter zu schicken. In Dortmund hatte Werder binnen 16 Minuten die Partie verschenkt, in Berlin reichten Unions Joel Pohjanpalo 17 Minuten für den Hattrick zum Bremer Genickbruch.

"Schlecht" war das Wort, das nach dem 1:3 am Samstag am häufigsten fiel, um den Bremer Auftritt zu beschreiben. Und das war zwar selbstkritisch, aber noch milde ausgedrückt. Schließlich hatte Werder wie ein Absteiger gegen Union gespielt – und schon wieder einen Blackout gehabt.

Das war ein 15-Minuten-Blackout. Wenn wir dann 3:0 hinten sind, ist es schwierig. Wir müssen dafür sorgen, dass wir als Mannschaft, als Einheit dagegen gehen. Das ist das Wichtigste. Aber wir können das. Wir haben das letztes Jahr gezeigt und wir können das auch dieses Jahr. Aber wir müssen jetzt richtig dagegenhalten.

Werder-Kapitän Niklas Moisander bei Sky

Kohfeldt übernimmt die Verantwortung

Den 15-Minuten-Blackout hatte auch Kohfeldt so gesehen und sich darüber geärgert. Erst zwei Gegentore binnen drei Minuten, dann setzte Pohjanpalo 14 Minuten später mit dem dritten Treffer den entscheidenden Nackenschlag. K. o., obwohl die erste Halbzeit zumindest defensiv kaum etwas zugelassen wurde von den Bremern.

Immer die gleichen Fehler, immer die gleichen Beteuerungen, es doch beim nächsten Mal besser machen zu wollen und zu müssen. Doch es passiert nicht und Werder rennt die Zeit davon. Drei Spiele noch, aus denen die Bremer eigentlich zwei Siege mitnehmen müssen. Nach dem Auftritt in Berlin wirkt das schier unmöglich. Werder spielte in der zweiten Halbzeit auf einmal völlig verunsichert und kopflos. Keiner der Führungsspieler war in der Lage das Spiel während des kollektiven Blackouts nach dem 0:1 zu beruhigen und Schlimmeres noch zu verhindern.

Ich trage die Verantwortung und deshalb setze ich mir diesen Hut als Erster auf. Aber die 15 Minuten nach der Halbzeit waren desolat. Das sind gestandene Bundesligaprofis auf dem Platz. Da darfst du solche Fehler nicht machen. Aber am Ende bin ich für die Leistung verantwortlich und die war schlecht.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Nichts ist mehr ausgeschlossen

Es ehrt Kohfeldt zwar, dass er sich einmal mehr vor seine Mannschaft stellte. Doch blieb es am Samstag fraglich, ob sich Sportchef Frank Baumann am Sonntag noch immer schützend vor ihn stellen würde.

Die Bremer schienen nach der Niederlage wie in Schockstarre, der Blackout wirkte nach. Und irgendwie schien in der Verzweiflung plötzlich nichts mehr ausgeschlossen. Nicht mal ein Trainerwechsel. Für den Verein geht es finanziell ums Überleben, ein Abstieg wäre wirtschaftlich katastrophal. Drei Spiele noch, gegen Leverkusen, Augsburg und Gladbach. Für jeden Gegner geht es noch um etwas. Jeder weitere Blackout der Bremer lässt den Abstieg näher rücken. Werder muss reagieren. Wie man es tun wird, ist jedoch offen.

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Ist Werder noch zu retten? "Wenn Trainerwechsel, dann jetzt"

Video vom 24. April 2021
Stephan Schiffner im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. April 2021, 19:30 Uhr