Kommentar

Kohfeldts Wechsel nach Wolfsburg ist ein Win-Win für alle

Ex-Werder-Trainer Florian Kohfeldt schaut lächelnd die Tribüne hoch.
Florian Kohfeldt: Neuanfang bei den Wölfen. Bild: Imago | Michael Weber

Mit Kohfeldt landete Werder in der 2. Liga, nun heuert er bei einem Champions-League-Team an. Von der Verpflichtung profitieren alle Seiten, meint Redakteur Helge Hommers.

Knapp vier Monate ist es her, da war Florian Kohfeldt der "Trainer-Verlierer der Saison". Den wenig schmeichelhaften Titel verliehen dem Ex-Werder-Coach knapp 250 Bundesliga-Spieler in einer Umfrage des "Kicker". Die Ehrung schien verdient, hatte Kohfeldt doch mit einer unfassbaren Pleitenserie ein einstiges Schwergewicht krachend zum Abstieg in die 2. Liga geführt. Nun aber, während die Bremer im grauen Mittelmaß des Unterhauses vor sich hindümpeln, heuert Kohfeldt beim VfL Wolfsburg an – womit er, man glaubt es kaum, künftig einen Championsligisten coacht.

Kohfeldt galt als verbrannt

Ex-Werder-Trainer Florian Kohfeldt schaut nachdenklich über den Platz.
War einst die große Werder-Hoffnung: Florian Kohfeldt als frisch gebackener Bremen-Trainer im November 2017. Bild: Imago | Eibner

Nach seinem Aus an der Weser galt Kohfeldt vielen Beobachtern als verbrannt. Die Vorstellung, das Werder-Eigengewächs könne eines Tages die Geschicke eines anderen Klubs verantworten, schien absurd. Dass Kohfeldt bald im feinen Anzug in der Königsklasse am Seitenrand gestikuliert, wirkt daher auf den ersten Blick auch eher merkwürdig. Doch das ist es nicht. Ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Sein Wechsel nach Wolfsburg ist ein Win-Win für alle – sowohl für seinen neuen als auch für seinen Ex-Klub ebenso für Kohfeldt selbst.

In Wolfsburg mag man sich daran erinnert haben, dass Kohfeldt einst der DFB-Trainer des Jahres war. Dass er ein Medienprofi ist, der ansteckenden Optimismus ausstrahlt, der attraktiven Offensivfußball präferiert, der markige Ansagen en masse im Ärmel hat und über große Eloquenz verfügt. Alles Eigenschaften, die ein Klub wie Wolfsburg mit Kusshand nimmt. Denn einer wie Kohfeldt steht einem Verein, der immer noch als seelenloses Fußballkonstrukt gilt, gut zu Gesicht.

Werder spart sich Kohfeldts Gehalt

Bei den "Wölfen" kann Kohfeldt fortan zeigen, was er auf dem Kasten hat, wenn er über einen wirklich starken Kader verfügt. Er kann nachträglich untermauern, dass er tatsächlich der Top-Trainer ist, den man an der Weser in ihm gesehen hat. Zudem hat er es nicht weit zu seiner Familie, die in Bremen lebt, sollte ihn das Heimweh packen. Kurzum: Starberater Marc Kosicke, zu dessen Klienten auch Kohfeldt zählt, hat wieder einmal ganze Arbeit geleistet.

Doch auch in der Geschäftsstelle des Weser-Stadions mag der eine oder andere Verantwortliche gejubelt haben, als Kohfeldts Wechsel fix war. Schließlich sparen die Bremer, die seinerzeit den Vertrag des Trainer-Wunderknaben voreilig bis Sommer 2023 verlängert hatten, künftig rund 1,5 Millionen Euro an Gehaltskosten. Geld, das Werder nun wieder in seinen Kader investieren kann – oder eher: muss, sofern die Bremer ihren Ex-Coach eines Tages wieder im Weser-Stadion begrüßen wollen. Denn anders als für Kohfeldt ist es für die Grün-Weißen noch ein weiter Weg zurück in die Bundesliga.

Audio vom 26. Oktober 2021
Ex-Werder Coach Florian Kohfeldt steht an der Seitenlinie.
Bild: Imago | Poolfoto
Bild: Imago | Poolfoto

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Autor

  • Helge Hommers Redakteur und Autor