Infektionen, Geisterspiele, Trainingslager: Corona macht Werder Sorgen

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Vier Spieler sind in Quarantäne, die wichtigen Zuschauereinnahmen wackeln und das Trainingslager in Spanien steht auf der Kippe – Werders Aussichten sind trübe.

Eigentlich soll bei Werder nach den turbulenten Wochen mit dem neuen Trainer nun endlich wieder Ruhe einkehren. Doch Ole Werner merkte bei seinem Arbeitsbeginn am Montag schnell, dass nicht nur die sportliche Lage der Bremer schwierig ist, sondern Corona Werder immer größere Sorgen bereitet.

Als der 33-Jährige am frühen Nachmittag das erste Mal auf dem Trainingsplatz vor dem Weser-Stadion seine neuen Spieler um sich versammelte, da fehlten eben nicht nur Spieler wie Kapitän Ömer Toprak und Felix Agu, die individuell arbeiteten. Mehr noch fehlten Werner vier Spieler, die sich allesamt in Quarantäne befinden.

Weiser wohl nicht geimpft

Nachwuchs-Hoffnung Fabio Chiarodia und wohl auch Niklas Schmidt haben sich mit Corona infiziert und sind in häuslicher Isolation – ebenso wie Mitchell Weiser, über den Werder aber kein Wort über eine mögliche Infektion verlor. Daher ist davon auszugehen, dass Weiser als ungeimpfte Kontaktperson eingestuft wurde. Sportchef Frank Baumann wollte das am Montag weder bestätigen noch dementieren.

Wir haben immer gesagt, dass wir uns zum Impfstatus einzelner Personen nicht äußern. Mitchell ist erstmal nicht dabei. Aber wir gehen davon aus, dass er Ende der Woche wieder ins Training einsteigen kann.

Werder-Sportchef Frank Baumann

Bisher waren die Bremer recht glimpflich in puncto Corona-Fälle davongekommen, doch in den "vergangenen 14 Tagen hat es uns immer mal erwischt", erklärte Baumann: "Wir müssen damit umgehen. Die Zahlen insgesamt gehen hoch, deshalb erhöht sich natürlich auch das Risiko für uns."

"Sind vor Ansteckungen nicht gefeit"

Man habe die Spieler in der vergangenen Woche noch einmal besonders sensibilisiert, so Baumann weiter, sich weiterhin an die Hygienemaßnahmen zu halten. Bei der Arbeit und im Privaten. "Die Spieler halten sich dran, aber trotzdem sind wir vor Ansteckungen nicht gefeit", erklärte der Sportchef.

Dass neben Co-Trainer Danijel Zenkovic und Nicolai Rapp nun drei weitere, wenn auch nicht Stamm-Spieler, fehlen, ist für Werder eine wachsende sportliche Schwächung. Und das in der Phase, in der Werner den Neustart einläuten will und in der die Bremer im Tabellenmittelfeld festhängen. Weitere positive Fälle sind möglich, Sicherheit gibt es dieser Tage nicht.

Bald wieder Spiele vor leeren Rängen?

Und so ist derzeit auch nicht klar, ob dem gesamten Profi-Fußball erneute Geisterspiele bevorstehen. In Leipzig wird bereits wieder vor leeren Rängen gespielt, in Baden-Württemberg sind ebenfalls Spiele ohne Publikum geplant. Für Werder wäre es finanziell ein herber Rückschlag und würde die laut Finanzchef Klaus Filbry "durchfinanzierte Saison" wieder ins Wanken bringen. Denn Filbry hatte mit einer durchgehenden, bestimmten Anzahl von Zuschauern gerechnet. Erneute Geisterspiele waren nicht eingeplant.

Natürlich sind die Zuschauereinnahmen für uns ein sehr wichtiger Faktor. Wie jeden anderen Klub würde es uns auch treffen, wenn wir wieder Geisterspiele erleben müssten.

Werder-Sportchef Frank Baumann am Montag

"Verantwortung ist uns bewusst"

Beim nächsten Heimspiel am kommenden Freitagabend gegen Erzgebirge Aue hat Werder die Zuschauerkapazität um 25 Prozent verringert. Darauf einigte sich der Klub mit Bremens Innensenator Ulrich Mäurer, der die Unterbrechung der Fußball-Bundesliga gefordert hatte.

Die Verantwortung ist uns allen bewusst und wir sind im engen Austausch mit der Politik. Und wir haben mit reduzierten Zuschauerzahlen eine vernünftige und verantwortungsvolle Lösung gefunden.

Werder-Sportchef Frank Baumann am Montag

Doch Experten sehen mit wachsender Sorge, welche Wirkung volle Fußball-Stadien auf die Bevölkerung mitten in der vierten Corona-Welle hat. Baumann argumentierte jedoch mit der hohen Impfquote im Land Bremen und erklärte: "Bisher war der Fußball für keine relevanten Infektionen verantwortlich."

Trainingslager in Bremen statt Spanien?

Doch auch den Werder-Verantwortlichen ist klar, dass die letzte Entscheidung nicht bei ihnen liegt und man sich im Zweifel den Anordnungen der Politik wird fügen müssen. Und so ist auch das in der Winterpause geplante Trainingslager in Spanien nun in der Schwebe.

"Da werden wir die Pandemie-Entwicklung abwarten", erklärte Baumann, "und wenn es dann Reisebeschränkungen gibt, müssen wir eine andere Lösung suchen." Die Alternative hieße dann im winterlichen Bremen statt im sonnigen Süden zu trainieren. "Wir haben hier auch gute Bedingungen", fügte er hinzu. Doch wünschen würden sich die Grün-Weißen, mit dem neuen Trainer Werner das Trainingslager in Spanien durchzuziehen. Momentan ist das ein frommer Wunsch.

Gute Laune bei Werners erstem Werder-Training

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 29. November 2021, 18:06 Uhr