Kommentar

Werders Wischiwaschi: Kohfeldt droht jetzt ein unwürdiges Kaugummi-Aus

Die Bremer hätten eine klare Entscheidung fällen müssen, sagt unser Redakteur Karsten Lübben. "Werder muss auch Werder bleiben" ist für ihn krachend gescheitert.

Florian Kohfeldt steht auf dem Trainingsplatz und schaut auf den Boden.
Florian Kohfeldt bleibt Werder-Coach. Das Bekenntnis zu ihm gilt vorerst aber nur für ein Spiel. Bild: Imago | Nordphoto

Diskussionen um den Job von Florian Kohfeldt gab es bereits in der vergangenen Saison zuhauf. Und normalerweise gäbe es nach der Entscheidung vom Montagabend wohl erneut zwei unterschiedliche Pole. Die einen empfänden es als furchtbar naiv, dass die Bremer trotz der sportlichen Talfahrt an ihrem Coach festhalten und möglicherweise blindlings den Abstieg in Kauf nehmen. Andere wiederum würden loben, dass die Verantwortlichen an der Weser eben nicht die Nerven verlieren, sondern ihrer vollen Überzeugung folgen und an Kohfeldt festhalten.

Franka Baumann trägt ein weißes Hemd und läuft über das Vereinsgelände von Werder Bremen.
Sportchef Frank Baumann hat sich bereits mit Alternativen für Florian Kohfeldt beschäftigt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Doch dieses Mal ist das anders, denn aus voller Überzeugung geschieht hier nichts mehr. Durch die Hängepartie vom Samstagabend bis zum späten Montagnachmittag haben die Gremien Kohfeldt öffentlich demontiert. Sportchef Frank Baumann gab am Montagabend in einer Medienrunde zu, sich bereits mit Trainer-Alternativen beschäftigt zu haben. Zugleich erklärte er, dass in den Gremien auch Mitglieder für einen Trainerwechsel plädiert hätten. Der Rückhalt im gesamten Klub ist also nicht mehr gegeben – und Kohfeldts ohnehin angekratztes Standing durch das Schauspiel der vergangenen Tage vollauf ramponiert.

Leipzig-Spiel ist ein vergiftetes Geschenk

Werder hätte eine klare Entscheidung fällen müssen. Entweder wäre dies die sofortige Trennung von Kohfeldt oder das klare Bekenntnis zu ihm gewesen. Raus kam eine Wischiwaschi-Lösung. Kohfeldt darf bleiben, aber erstmal nur für ein Spiel. Der Coach erhält gewissermaßen also ein Ultimatum. Das stärkt ihm weder in der Kabine noch in der Öffentlichkeit den Rücken. Vielmehr ist es ein vergiftetes Geschenk, denn der Gegner am Freitag im Halbfinale des DFB-Pokals ist mit RB Leipzig ein absolutes Topteam. Da stehen die Chancen auf eine verbesserte Leistung noch einmal schlechter als gegen einen Kontrahenten auf Augenhöhe.

Kohfeldt droht durch diese Entscheidung bei Werder jetzt ein unwürdiges Kaugummi-Aus. Nach bald 20 Jahren Vereinszugehörigkeit hätte er das in dieser Form nicht verdient. Ein Ende mit Schrecken wäre für alle Beteiligten besser gewesen als ein Schrecken ohne Ende. Möglicherweise herrscht intern tatsächlich noch das Fünkchen Hoffnung, mit Kohfeldt den Turnaround zu schaffen. Vielleicht mangelte es auch schlichtweg an einer machbaren Alternative, die kurzfristig bei Werder hätte übernehmen wollen.

"Werder muss auch Werder bleiben" ist gescheitert

Klar ist bereits jetzt, dass das von Aufsichtsratschef Marco Bode nach der vergangenen Saison proklamierte "Werder muss auch Werder bleiben" krachend gescheitert ist. In der Bremer Schicksalsgemeinschaft müssen spätestens nach der Saison zwingend Veränderungen her. Und dies nicht allein auf der Position des Trainers.

Kohfeldt bleibt Werder-Coach – zumindest vorerst

Video vom 26. April 2021
Werder-Trainer Florian Kohfeldt erscheint nach der Vertrauensfrage in Berlin beim Reservistentraining.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 27. April 2021, 18:06 Uhr