Werder und die "K-Frage": Wie gut ist Coach Kohfeldt wirklich?

Der Werder-Trainer besitzt in Bremen quasi eine Jobgarantie. Doch was hat Florian Kohfeldt dem Verein in den vergangenen dreieinhalb Jahren tatsächlich gebracht?

Werder-Trainer Florian Kohfeldt breitet die Arme aus.
Werder-Trainer Florian Kohfeldt hat zuletzt mit seiner Mannschaft in der Bundesliga sechsmal in Serie verloren. Bild: Imago | Comsport

Werder-Coach Florian Kohfeldt spaltet die Fußballfans. Inzwischen selbst jene, die es mit den Grün-Weißen halten. Andernorts fragen sich viele Beobachter schon seit Langem, warum Bremens Trainer trotz der anhaltenden sportlichen Misere an der Weser noch so hoch gehandelt wird. Doch für viele Fans der Bremer ist Werder nicht nur ein Klub, der Spiele und Titel gewinnen soll, sondern elementarer Bestandteil ihres Lebens. Sie wollen sich mit dem Verein und seinen Protagonisten vor allem identifizieren können.

Der bodenständige, stets höfliche und häufig humorvolle Kohfeldt macht ihnen dies äußerst leicht. So leicht, dass selbst dann Jubel erklang, als der Coach nach einem maximal nervenaufreibenden Fast-Abstieg verkündete, bei Werder weiterzumachen. Mittlerweile aber mehren sich die Fan-Stimmen, die eine Trennung von Kohfeldt fordern. In Corona-Zeiten zwar nicht unterlegt mit einem Pfeifkonzert im Weser-Stadion, dafür aber in den sozialen Kanälen.

Baumann hält an Kohfeldt fest

"Werder neigt zur Idealisierung des Trainers", sagte Philipp Köster vor rund einem Jahr im Interview mit buten un binnen. Der Chefredakteur der "11Freunde" attestierte dem Klub eine ungesunde Fixierung auf der Trainerposition. Dem kann auch aktuell kaum widersprochen werden. Denn obwohl die Bremer wieder tief in den Abstiegsstrudel geraten sind, sprach Sportchef Frank Baumann seinem Trainer auch nach der 0:1-Pleite gegen Mainz zum wiederholten Mal das uneingeschränkte Vertrauen aus.

Hütter hat Eintracht Frankfurt weiterentwickelt

Außer Acht gelassen wird bei Kohfeldt aber häufig die sportliche Bewertung. Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren hält der Trainer am Osterdeich das Steuer. Dreieinhalb Jahre, in denen es Licht und Schatten gab. Der 38-Jährige dirigierte den Klub fast in den Europapokal und fast in die 2. Liga, er ließ begeisternden Offensiv- und pragmatischen Ergebnisfußball spielen. Den Klub führte er dabei zweimal ins Halbfinale des DFB-Pokals. In der Bundesliga allerdings fuhr Kohfeldt in 122 Spielen im Durchschnitt eher magere 1,24 Punkte ein. Mit dem gleichen Punkteschnitt wurde Viktor Skripnik 2016 entlassen.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt und Frankfurt-Coach Adi Hütter sprechen vor einem Spiel miteinander.
Während Adi Hütter (links) mit Frankfurt die Champions League im Blick hat, kämpfen Werder und Florian Kohfeldt um den Klassenerhalt. Bild: Imago/Fotostand

Werders einstiger Wunschkandidat Adi Hütter schnitt da deutlich besser ab. Der Österreicher war im Herbst 2017 der Favorit der Bremer, sagte Sportchef Frank Baumann aber ab und ging im Sommer 2018 stattdessen nach Frankfurt. Dort holte er durchschnittlich 1,58 Punkte pro Bundesliga-Partie und führte den Klub ins Halbfinale der Europa League. Klappt es vor seinem Wechsel nach Mönchengladbach im Sommer noch mit dem Einzug in die Champions League, wäre ihm am Main ein Husarenstück gelungen.

Hütter hat in Frankfurt also das gehalten, was die Fans in Bremen sich von Kohfeldt einst versprachen. Auch weil die Eintracht über Jahre die deutlich besseren Transfers getätigt und den Kader somit verbessert hat. Die Bremer verpflichteten hingegen die häufig verletzten Ömer Toprak und Niclas Füllkrug. Die hochgelobten Leonardo Bittencourt und Davie Selke bekam Kohfeldt nicht dauerhaft in die Spur. Wer es mit Werder hält, kann wohl nur froh sein, dass es zumindest mit den einstigen Wunschkandidaten Nabil Bentaleb und Michael Gregoritsch am Ende nicht geklappt hat.

Grausiger Ergebnisfußball

Kohfeldt und Kruse plaudern locker am Rande des Trainings.
Den Abgang von Ex-Kapitän Max Kruse (links) haben Werder und Florian Kohfeldt nie wirklich kompensieren können. Bild: Andreas Gumz

Lange dauerte es, bis Kohfeldt in Bremen verstanden hatte, dass sein offensiver Ansatz ohne seinen einstigen Unterschiedsspieler Max Kruse nicht mehr funktionierte. Selten war die Performance eines ganzen Teams so abhängig von einem einzigen Spieler. Vor dieser Saison erfolgte dann die komplette Kehrtwende. Der neue, oft grausam anzuschauende Ergebnisfußball war zunächst verhältnismäßig erfolgreich, ist bei sechs Niederlagen in Folge aber auch an seine Grenzen gestoßen. Wieder stecken die Bremer tief im Abstiegskampf. Und selbst wenn der Klassenerhalt erneut gelingen sollte, stellt sich die Frage: Was ist auf diesem Weg mit Kohfeldt denn eigentlich Werders Perspektive in der Bundesliga?

Schon jetzt ist klar, dass mehrere Leistungsträger den Klub nach der Saison verlassen werden. Adäquaten Ersatz werden die Bremer nicht auftreiben können. Auch der prinzipiell löbliche Weg der Förderung von Talenten schlägt bisher fehl, denn als nachhaltiger Spielerentwickler hat Kohfeldt sich noch nicht erwiesen. Maximilian Eggestein ist unter ihm zum soliden Bundesligaspieler gereift – für höhere Ambitionen reicht es bislang nicht. Milot Rashica brachte Kohfeldt die wichtige Defensivarbeit bei und formte ihn zu einem der spannendsten Offensivspieler der Liga – ehe der Stern des Kosovaren wieder abstürzte.

Bei der Förderung von Talenten hapert es

Vor der Saison schrieb Kohfeldt sich die Förderung junger Spieler auf die Fahnen. Geklappt hat sein Vorhaben bisher nur bedingt. Joshua Sargent spielt häufig, überzeugt jedoch noch zu selten. Romano Schmid spielt selten, macht mit seiner Spielfreude aber zumindest Hoffnung auf bessere Zeiten. Felix Agu setzte immerhin erste Akzente, Jean-Manuel Mbom scheint hingegen noch das Rüstzeug für die Bundesliga zu fehlen.

Werders Spieler laufen geknickt über den Platz.
Werders junge Wilde um Joshua Sargent (links) und Felix Agu (rechts) wissen bislang nur selten zu überzeugen. Bild: Imago | Sven Simon

Bisher ist Kohfeldt ein Trainer, der in Bremen gut ankommt und Werder nach außen als Sympathieträger auch gut repräsentiert. Als Coach, der Werder nachhaltig in bessere Zeiten führt, hat er sich in den vergangenen dreieinhalb Jahren nicht erwiesen. Dafür mangelt es an der fußballerischen Weiterentwicklung. Trotzdem taucht sein Name stets auf, wenn ein ambitionierter Klub einen neuen Trainer sucht. Sind die Möglichkeiten bei Werder mittlerweile also so klein geworden, dass selbst ein Trainer wie Kohfeldt nicht mehr rausholen kann? Oder ist Kohfeldts Werkzeugkasten als Trainer zu spärlich gefüllt, sodass er Werder nicht voranbringen kann? 

Diese Fragen lassen sich für beide Seiten wohl erst klären, sobald sie sich eines Tages getrennt und im Anschluss etwas Neues ausprobiert haben. Dass Kohfeldt bis dahin an der Weser noch eine Erfolgsgeschichte schreibt, erscheint aktuell aber nur noch schwer vorstellbar.

Werders Baumann: "Kohfeldt ist in dieser Situation der Richtige"

Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor
  • Helge Hommers Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 23. April 2021, 18:06 Uhr