Kommentar

Werder braucht im Abstiegskampf mehr "Gib mich die Kirsche!"

Jetzt ist nicht die Zeit für tiefschürfende Analysen, sagt unser Sportreporter Mathias Arians. Stattdessen sollten die Bremer sich die Legende Lothar Emmerich zum Vorbild nehmen.

Video vom 22. April 2021
Reporter Mathias Arians bei einem Kommentar. Im Hintergrund ist ein Bild vom Weserstadion zu sehen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Jetzt haben wir den Salat. Vier Spieltage vor Ende der Saison und schon wieder diese Abstiegsangst. Die Angst vor dem Gang in die 2. Liga – sie ist akut und zum Greifen nahe.

Natürlich könnten wir jetzt analysieren: Mit einer Serie von zuvor fünf Niederlagen ist das Selbstbewusstsein für eine so wichtige Partie wie am Mittwoch gegen Mainz logischerweise nicht das Allergrößte. Und ja, Werder hatte trotzdem mehr Ballbesitz als der Gegner. Und Werder hatte auch mehr Torschüsse und ein Treffer wurde nach umstrittenem Eingriff des Video-Schiedsrichters aberkannt. Alles richtig. Aber im Ernst: Unverdient war diese Niederlage nicht. Mainz – eine Mannschaft, die fußballerisch sicher nicht mehr Potenzial hat als Werder – hat seine Möglichkeiten brutal effizient auf den Platz gebracht. Defensiv entschlossen und kompromisslos, vorne mit dem Mut und dem Zutrauen in das eigene Können. Das reichte an diesem Abend gegen Werder.

Tiefschürfende Analysen müssen warten

BVB-Spieler Lothar Emmerich
Grammatikalisch nicht so treffsicher wie auf dem Platz: Lothar Emmerich erzielte für den BVB 115 Tore in 183 Bundesligaspielen. Bild: Imago | Rust

Ob Werder einen neuen Trainer braucht? Klar diese Frage kann angesichts der nunmehr erneut bedrohlichen Abstiegssorgen gestellt werden. Genauso wie die Fragen nach der Arbeit der Scouting-Abteilung, der Kaderzusammenstellung, der Talentförderung und der Finanzen. Aktuell aber geht es meines Erachtens um etwas Anderes. Tiefschürfende Analysen müssen warten. Was jetzt zählt, sind Punkte.

Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an den Dortmunder Nationalspieler Lothar Emmerich. "Gib mich die Kirsche!" – sein grammatikalisch nicht ganz einwandfreier Ausspruch ist noch heute unvergessen. Die Bremer Mannschaft sollte diesen Satz in der Schlussphase der Saison verinnerlichen. Emmerich wollte den Ball. Er wollte Tore schießen. Er wollte Verantwortung übernehmen! Bei ihm waren es der Instinkt, die Freude am Spiel, die Lust auf den Erfolg.

Die Bremer benötigen Kreativität

Es wäre Werder zu wünschen, wenn eine solche Haltung endlich auf dem Platz erkennbar wäre. Endlich einfach tun, was das Spiel in seinem Kern erfordert – nämlich Fußball wirklich zu spielen. Taktische Vorgaben sollten auch mal selbstbewusst abgestreift werden, wenn es notwendig erscheint. Nur so entsteht Kreativität – und damit ja vielleicht auch die Lust an der Verantwortung. Also, in diesem Sinne: Nehmt euch die Kirsche! Am besten schon am Samstag in Berlin.

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Autor

  • Mathias Arians Moderator

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 22. April 2021, 18:06 Uhr