Trotz Rang 3: Warum Boris Herrmann weiter Chancen auf den Sieg hat

Selbst wenn der Solo-Segler hinter seiner Konkurrenz das Ziel erreicht, könnte er dank einer Zeitgutschrift die Vendee Globe gewinnen. Wir erklären, warum das so ist.

Boris Herrmann segelt auf seiner Seaxplorer.
Mit seiner Seaxplorer liegt Boris Herrmann aktuell auf dem dritten Rang. Dennoch ist der Sieg weiterhin möglich. Bild: Imago | PanoramiC

In Segler-Kreisen wird die Vendee Globe oft mit der Besteigung des Mount Everest verglichen. Ähnlich wie beim Erklimmen des höchsten Berges der Welt sind die körperlichen Strapazen, denen sich die Teilnehmer aussetzen, extrem. Das Risiko, dass im Kampf gegen die Gezeiten etwas Unvorhergesehenes passiert, ist folglich hoch. Wenig überraschend kam es auch bei der diesjährigen Regatta zu einem Schreckmoment, als der Segler Kevin Escoffier Ende November nach einem Wassereinbruch seine Yacht verlassen musste.

Die Rennleitung schlug Alarm und kommandierte mehrere Konkurrenten Escoffiers, die sich in seiner Nähe befanden, in Richtung der Unfallstelle. Auch der gebürtige Oldenburger Boris Herrmann war an der Suche nach dem Franzosen beteiligt. Aus dem Wasser gezogen wurde Escoffier schließlich von seinem Landsmann Jean Le Cam – rund zwölf Stunden, nachdem er sich bei fünf Meter hohem Wellengang in seine Rettungsinsel begeben hatte. Die Erleichterung im Feld war groß.

Helfer-Trio bekommt Zeit gutgeschrieben

Für die Suche nach Escoffier hatten die Beteiligten des Rettungstrupps jeweils für mehrere Stunden von ihrem ursprünglichen Kurs abweichen müssen. Während ihre Konkurrenten also weiterhin auf der schnellsten Route unterwegs waren, fuhren Herrmann und Co. einen Umweg. Dementsprechend wuchs mit jeder Welle, die sie in Richtung ihres in Notlage befindlichen Mitstreiters eilten, ihr Rückstand auf den Rest des Feldes. Einen Nachteil im Kampf um die Positionen erlitten sie dadurch allerdings nicht. Denn alle von ihnen bekommen die Zeit, die sie infolge der Rettung verloren haben, nach Ende der Regatta von der Rennleitung gutgeschrieben.

Der Weltumsegler Boris Herrmann, in seinem Segelschiff in die Kamera guckt.
Nimmt zum ersten mal an der Vendee Globe teil: Solo-Segler Boris Herrmann. Bild: Radio Bremen

Betroffen sind von der Regel insgesamt drei Segler. Neben Herrmann und Le Cam erhält auch der aktuell fünftplatzierte Yannick Bestaven eine Zeitgutschrift. So darf Herrmann nach der Ankunft im Zielhafen Les Sables-d'Olonne an der französischen Atlantikküste sechs Stunden von seiner Rennzeit abziehen. Bei Bestaven sind es zehn Stunden und 15 Minuten und bei Le Cam sogar 16 Stunden und 15 Minuten – was in der Endabrechnung bedeutende Auswirkungen haben könnte.

Herrmann, der aktuell auf Rang Drei fährt, hält im Schlussspurt des Rennens also noch ein Ass im Ärmel. So könnte der Globe-Debütant nach seinen vor ihm liegenden Mitstreitern Charlie Dalin und Louis Burton ins Ziel fahren, aber dennoch das Rennen schneller als das Duo beenden. Die Zeitgutschrift macht es möglich. Die Chancen, dass dieses Szenario eintritt, sind sogar recht hoch. Inzwischen gilt daher auch der fünftplatzierte Bestaven als Herrmanns ärgster Konkurrent auf den Gesamtsieg – auch wenn der Franzose mit hoher Wahrscheinlichkeit erst nach dem 39-Jährigen ankommt. Möglich, dass die Zeitgutschrift Bestaven am Ende den Titel beschert.

Ankunft im Zielhafen am Mittwochabend

Am Mittwochabend werden die ersten Segler den Zielhafen in Les Sables-d'Olonne erreichen. Der Gesamtführende Dalin wird vermutlich als Erster ab 19 Uhr eintreffen. Herrmanns Ankunft erfolgt Schätzungen nach frühestens um ein Uhr nachts. Nach rund zweieinhalb Monaten auf See wird Herrmann sich also vermutlich auch nach Ende der Regatta noch ein wenig gedulden müssen, bis er Gewissheit hat, mit welcher Position er sein Vendee Globe-Debüt abschließen wird.

Es ist aufregender, als ich es will oder brauche. Ich bin wie ein Kind an Weihnachten. Ich weiß nicht, ob ich jemals so aufgeregt gewesen bin.

Solo-Segler Boris Herrmann

Segler Boris Herrmann kämpft bei der Vendee Globe um den Gesamtsieg

Video vom 25. Januar 2021
Boris Herrmann schaut während einer Video-Nachricht an Bord der "Seaexplorer" in die Kamera.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Helge Hommers Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, der Morgen, 27. Januar 2021, 8:45 Uhr