Bei Werders Tischtennis-Assen ist vieles in der Schwebe

Video vom 2. September 2021
Tischtennis-Profi Mattias Falck verdreht sich leicht bei einer Rückhand.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Sechs Spiele in drei Wochen: Werders Bundesliga-Team ist gerade gefordert, aber Vizeweltmeister Mattias Falck kämpft nach Olympia-Blues und Knieproblemen um seine Form.

Die Trainingsgruppe arbeitet fleißig im kleinen, abgeteilten Teil der Werder-Halle am Peterswerder, es wird ordentlich geschwitzt. Vier Tische sind am Donnerstag für die Tischtennis-Profis um Trainer Cristian Tamas aufgebaut, das Tempo der Schläge ist hoch, die Stimmung gut.

Die Erleichterung nach dem ersten Saisonsieg am vergangenen Dienstagabend gegen Bergneustadt ist bei allen spürbar. "Das war wirklich sehr wichtig nach dem schwierigen Bundesliga-Start für uns", sagt Mattias Falck im Gespräch mit dem Sportblitz, "für mich war es auch ein schwerer Sommer, das haben wir jetzt gebraucht."

Olympia-Blues und Knieprobleme bei Falck

Dieser Sommer hat Spuren hinterlassen, das ist Falck anzusehen. Der Olympia-Blues mit dem frühen Aus und die hartnäckige Entzündung im Knie hängen ihm immer noch nach.

Das Aus in Tokio kam schneller, als ich erwartet hatte. Natürlich hatte ich mir als einer der höchstgesetzten Spieler mehr erhofft. Als ich dann wieder Zuhause war, war es okay.

Werder-Profi Mattias Falck im Gespräch mit dem Sportblitz

Doch drei Niederlagen bei drei Siegen in der Bundesliga zeigen, dass eben noch nicht alles wieder okay ist. Dabei ruhen auf den breiten Schultern des hochgewachsenen Schweden eigentlich Werders Hoffnungen. Der Weltranglistenneunte und Vizeweltmeister gehört zur Tischtennis-Elite, ein bisschen ist es so, als würden Roger Federer oder Rafael Nadal in der Bundesliga spielen.

Werders Tischtennis-Star Falck kriegt Ronaldo zum Geburtstag

Video vom 2. September 2021
Mattias Falck lächelt beim Interview mit dem Sportblitz, im Hintergrund trainieren zwei Werder-Spieler.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Die neue "WTT"-Serie macht es der Bundesliga schwer

Tischtennis-Profi Mattias Falck mit hängendem Kopf, während sein Gegner Omar Assar jubelnd hinter ihm hochspringt.
Raus nach einem Match: Für Mattias Falck waren die Olympischen Spiele viel zu früh beendet. Bild: DPA | TT Sport / Pontus Lundahl

In der Tischtennis-Welt ist natürlich alles einige Nummern kleiner, aber dass sich der Weltverband ITTF zunehmend den Tennis-Sport zum Vorbild nimmt, macht Topspielern wie Falck und Vereinen wie Werder Bremen das Leben inzwischen schwer. Mitten in einer Pandemie entschied man sich, eine Super-Serie, die "World Table Tennis"-Tour zu installieren, ähnlich der Masters-Serie im Tennis. Die Besten der Besten sollen und müssen bei diesen Turnieren antreten, das Problem ist nur: Der Kalender ist immer noch weitgehend leer, die Tischtennis-Welt hängt komplett in der Luft.

Bis zum Dezember gibt es in der Bundesliga drei Mal vierwöchige Phasen, die vom Weltverband für die Serie geblockt wurden. "Bisher steht aber gar nicht fest, ob dann überhaupt internationale Turniere stattfinden werden", sagt Werder-Trainer Tamas. Optimale Planung geht anders. "Was ab November ist, wissen wir noch gar nicht", fügt Falck hinzu, "alles ist offen und passiert sehr kurzfristig."

Hammerprogramm zum Saisonauftakt

Der Schwede ist es eigentlich gewohnt, jede Woche woanders zu spielen, sich mit den besten Gegnern zu messen. Dass das – auch pandemiebedingt – nicht regelmäßig stattfindet, ist Falck anzumerken. Er braucht viele Matches, um sein Level zu halten und sich Selbstvertrauen zu holen. Dass er trotz nur einer Trainingswoche die Bronzemedaille bei der EM holte, war der Lichtblick dieses trüben Sommers.

Auch die Trainingspausen, die Falck aufgrund seiner Kniebeschwerden seit Monaten immer wieder einlegen musste, lassen ihn nur schwer seinen Rhythmus finden. "Seit ich die zweite Cortison-Spritze bekommen habe, wird es jetzt jeden Tag besser", sagt Falck. Ausgerechnet in dieser Phase muss Werder in der Liga zum Auftakt sechs Spiele in drei Wochen absolvieren – eben wegen jener Vier-Wochen-Blöcke der ITTF. An den ersten beiden Spieltagen fehlte mit Kirill Gerassimenko zudem die Nummer zwei im Bremer Team aufgrund einer Corona-Quarantäne. Der Kasache meldete sich gegen Bergneustadt stark zurück.

Gegen Ochsenhausen wird's nicht leichter

Doch gegen die ungeschlagene Mannschaft von Ochsenhausen wird die Aufgabe für Werder am Sonntag kaum leichter. "Die Ausgangslage ist für uns nicht optimal", sagt Trainer Tamas, "aber wir haben uns ein paar taktische Mittel überlegt, um sie zu knacken." Zwei Einzel-Siege von Falck würden in jedem Fall helfen.

Am kommenden Dienstag wird der Schwede 30 Jahre alt, einige Wünsche wären da sicher noch offen. Und während der Vizeweltmeister nach dem Training geduldig mit seinen Teamkollegen die zig Bälle vom Hallenboden einsammelt, wird er sich vielleicht insgeheim ein paar Ballkinder gewünscht haben. Die Tischtennis-Welt ist eben doch eine ganz andere als die Tennis-Welt.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Instagram anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 2. September 2021, 18:06 Uhr