Interview

Tanz-Coach Albanese: "Haben Platz 1 nicht sicher"

Bremer Grün-Gold-Club leidet unter schlechten Trainingsbedingungen

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Die russischen Teams fehlen am Samstag bei der EM der Lateinformationen. Umso mehr ist der Bremer Grün-Gold-Club Favorit in Wien. Doch Trainer Roberto Albanese bremst.

Das vergangene halbe Jahr hatte es in sich für die Bremer Erfolgs-Lateinformation. Der Grün-Gold-Club holte die deutsche Meisterschaft, wurde Weltmeister und gewann zuletzt souverän die Bundesliga-Saison.

Doch statt einer verdienten Pause wartet auf die Tänzerinnen und Tänzer am Samstag in Wien mit der Europameisterschaft direkt das nächste Highlight, ein weiterer Kraftakt. Aufgrund des Ukraine-Krieges fehlen die russischen Formationen Duet Perm und Vera Tyumen, scheinbar wird das Turnier ein Selbstläufer für das Bremer Team.

Doch Trainer Roberto Albanese warnt im Interview mit Sportblitz, denn seine Mannschaft ist noch auf der Suche nach der perfekten Form – und hat zudem mit schwierigen Trainingsbedingungen zu kämpfen.

Herr Albanese, ist Ihre Mannschaft bereit für die EM am Samstag?
Wir sind für das, was wir als Anspruch haben, noch nicht da, wo ich es gerne haben möchte. Die Durchgänge sind noch nicht konstant genug, es treten immer wieder Fehler auf. Man muss aber auch zur Verteidigung sagen, dass die Saison seit Juli letzten Jahres geht und wir eigentlich die ganze Zeit nur am Machen sind.
Pose der Lateinformation des Grün-Gold-Clubs zur Choreografie "Emozioni" bei der WM in der Stadthalle.
Strahlende Weltmeister: Im vergangenen Dezember holte Grün-Gold zum 11. Mal den WM-Titel nach Bremen. Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich
Das klingt, als bräuchten Sie und Ihre Formation eine Pause...
Normalerweise hätten wir jetzt schon mal die Pause nach der Liga-Saison gehabt, die wir auch gebraucht hätten. Aber das war nicht der Fall. Deswegen war es in den letzten vier Wochen schwierig, die Mannschaft wieder richtig anzutreiben und wachzurütteln. Alle waren in so einem 'Ja, wir kriegen das hin, ist Europameisterschaft'-Modus. Aber jetzt kommen wir so langsam ganz gut aus der Kurve.
Inwiefern hat sich das Team im Vergleich zur WM verändert?
Wir haben seit zwei Monaten schon viele neue eingebaut, damit sie A-Team-Luft schnuppern. Dafür haben wir auch viel Zeit gebraucht. Damit sie früh merken, wo die Reise für sie hingeht. Das haben wir dieses Jahr schon sehr viel früher als sonst gemacht, weil dadurch schon mehr Druck entsteht. Und alle, die neu reinkommen, nicht erst im Juli merken, was sie im November leisten müssen, sondern jetzt schon. Viele sind überrascht gewesen, was sie hier abliefern müssen.
Pose der russischen Lateinformation Duet Perm bei der WM in Bremen zur Choreografie "Children of Africa".
Die russischen Formationen Duet Perm (Bild) und Vera Tyumen dürfen aufgrund des Ukraine-Krieges nicht in Wien antreten. Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich
Die beiden russischen Formationen nicht dabei sind – hat Ihr Team jetzt Platz eins schon sicher?
Nein, wir haben nicht Platz eins sicher. Es ist sportlich gesehen schade, dass die russischen Mannschaften nicht dabei sind. Das steht für mich auf einem anderen Blatt Papier. Für uns wird es sicherlich ein schwieriges Turnier, weil alle von uns erwarten, dass wir super, 'outstanding' sind und dementsprechend muss sich die Mannschaft auch ganz anders fokussieren für dieses Turnier. Trotz alledem haben wir WM-Finalisten dabei und dieses Mal wird es eine andere Medaillenordnung geben.
Wer sind am Samstag die größten Konkurrenten?
Ich denke, dass die Bremerhavener und die Österreicher nach wie vor die stärksten Konkurrenten sein werden. Aber wir müssen im Moment sehr an uns denken und nicht so sehr an die Anderen. Dass wir dann sehr solide und überragende Leistungen über die drei Runden hinlegen werden.
Die Lateinformation des Grün-Gold-Clubs Bremen zeigt während des Trainings ihre neue Choreographie "Emozioni".
Helligkeit wird überschätzt: Die Grün-Gold-Formation muss derzeit ohne Licht in der Delfter Straße trainieren. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Ihre Trainingsbedingungen in der Delfter Straße sind alles andere als weltmeisterlich. Nun ist auch noch das Licht defekt.
Ach, wenn man hier im Winter schon bei minus zehn Grad trainiert hat, dann geht es im Sommer auch ohne Licht. Das geht schon... Aber wir können nicht mehr machen, als es anzumerken und weiterzuleiten. Und wenn wir das wiederkommen und es gibt immer noch kein Licht, können wir leider nichts machen.
Gibt es eine Reaktion der Stadt zu den Hallenbedingungen?
Dazu möchte ich eigentlich schon nichts mehr sagen. Wir sind froh, dass wir nach wie vor eine Halle mit einer Tribüne haben. Jetzt haben wir halt kein Licht, dann trainieren wir eben ein bisschen im Dunkeln. Aber wichtig ist, dass wir trainieren.

(Das Interview führte Pascale Ciesla, aufgezeichnet von Petra Philippsen)

Tanz-Coach Albanese: "Dann trainieren wir eben im Dunkeln"

Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Pascale Ciesla

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 24. Mai 2022, 18:06 Uhr