Segler Herrmann und die Kollision auf See: Wie konnte das passieren?

Am Freitagmorgen rätselte Weltumsegler Boris Herrmann immer noch, wie es zum Unfall mit dem Fischkutter kommen konnte. Der gebürtige Oldenburger hat zwei Theorien.

Segler Boris Herrmann auf den letzten Kilometern der Weltumseglung auf seiner "Seaexplorer".
Für den gebürtigen Oldenburger Boris Herrmann reichte es nach der Kollision kurz vor dem Ziel am Ende nur zum fünften Platz bei der Vendee Globe. Bild: Imago | Panoramic

Geschlafen hatte Boris Herrmann "wunderbar", in der ersten Nacht seit 80 Tagen, in der "sich mein Bett nicht bewegt hat und ich nicht aufpassen musste – das war die größte Erlösung nach der langen Anspannung", erzählte der Weltumsegler am Freitag im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. In der Nacht zuvor hatte der gebürtige Oldenburger jedoch weit größere Unruhe erlebt. "Seinen größten Albtraum" nämlich, der Herrmann auch einen Tag nachdem er die Vendee Globe – die härteste Regatta für Einhand-Segler – mit dem fünften Rang beendet hatte, noch nicht losgelassen hat.

Denn wie es in Zeiten von GPS und moderner Radartechnik dazu kommen konnte, dass Herrmann 85 Seemeilen vor dem Ziel mit einem Fischkutter kollidierte und damit um seine Siegchancen bei der Vendee Globe gebracht wurde, gibt Herrmann immer noch Rätsel auf. Der 39-Jährige vermutet, dass beim spanischen Schiff "Hermanos Busto" zum Zeitpunkt der Kollision das Automatische Identifikationssystem (AIS) ausgeschaltet war. Kapitän Jose Zaldumbide bestritt diesen Vorwurf in der "Süddeutschen Zeitung" nun vehement und betonte, das AIS sei immer aktiviert gewesen.

Das war es eindeutig nicht, das können wir ja in unseren Daten sehen. Das machen die Fischer auch ganz oft – keine Vorwürfe an irgendjemanden, man steht ja auch in Konkurrenz zueinander und will nicht immer seine Fangposition verraten.

Weltumsegler Boris Herrmann im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF

Auch Herrmanns Radar erkannte den Fischkutter nicht

Blick auf die technische Ausrüstung mit Radar und Trackingsystem von Weltrumsegler Boris Herrmann.
Bestens technisch ausgerüstet: Weltumsegler Boris Herrmann konnte sich in den 80 Tagen auf See stets auf sein Equipment verlassen – bis zur Kollision. Bild: Radio Bremen

Bei dem Zusammenstoß mitten in der Nacht war Herrmanns Yacht "Seaexplorer" so stark beschädigt worden, dass er nur noch mit geringer Geschwindigkeit ins Ziel segeln konnte. Niemand war verletzt worden und der Fischkutter habe nach Aussage des Kapitäns nur "ein paar Lackschäden" abbekommen. Herrmann hatte zum Zeitpunkt der Kollision geschlafen, glaubt aber nicht, dass er es hätte verhindern können, wenn er wach gewesen wäre. Er habe sich auf seine Instrumente verlassen. Auch auf das Radar.

Das ist ein Riesen-Pech. Das Radar hat den ganzen Tag gut funktioniert. Bei der Annäherung ans Land habe ich das bei mehreren Schiffspassagen vorher beobachtet und die Alarme haben immer rechtzeitig ausgelöst. Daher war ich sehr zuversichtlich.

Weltumsegler Boris Herrmann im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF

Herrmann will weiter Ursachenforschung betreiben

Herrmann hat noch eine zweite Theorie zur Kollisionsentstehung, doch sehr wahrscheinlich ist die in seinen Augen nicht. "Es ist auch möglich, dass die Annährung mit diesem Fischerschiff genau in so einem blöden Winkel war, dass meine beiden Segel zusammen eine Art Abdeckung für meinen Radar gebildet haben, dass es das Schiff nicht erfasst hat", erklärte Herrmann. Obwohl sich der Skipper mit dem verpassten Sieg abgefunden hat und die enorme Freude über das überstandene Abenteuer überwiegt, wird sich Herrmann mit dieser Kollision noch weiter beschäftigen.

Ich kann es mir nicht wirklich erklären, aber wir werden uns das nochmal ein bisschen genauer anschauen.

Weltumsegler Boris Herrmann im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF

Weltumsegler Herrmann: "Es war einfach großes Pech"

Video vom 29. Januar 2021
Weltumsegler Boris Herrmann im Skype-Interview mit Tagesthemen-Moderatorin Karen Mioska.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 28. Januar 2021, 18:06 Uhr