Erst die Tour, dann zu Olympia: Lennard Kämna träumt vom Doppelpack

Montag startet der Bremer Radprofi bei der Katalonien-Rundfahrt in die Saison. Ein erster Gradmesser, wo der Tour-Etappensieger von 2020 steht. Schließlich hat er noch viel vor.

Video vom 21. März 2021
Lennard Kämna bei der Tour de France 2020
Bild: DPA | Augenklick/Roth
Bild: DPA | Augenklick/Roth

Lennard Kämna war lange da, wo viele Deutsche gerne wären: auf Mallorca. Hier hat sich der 24-Jährige die letzten zwei Wochen allein auf seine erste Rundfahrt der Saison vorbereitet. Davor war er mit seinem Team Bora-hansgrohe schon im Höhentrainingslager in der spanischen Sierra Nevada und im Januar am Gardasee. Man kommt rum als Radprofi in der Weltspitze. "Seit Anfang Februar war ich nicht mehr in Deutschland", erzählt Kämna im Videointerview mit dem buten un binnen Sportblitz.

In der Wärme und den Bergen trainiert es sich eben besser als im nassen und kalten Bremer Flachland. Auch wenn Mallorca coronabedingt gar nicht so ist, wie Kämna es kennt. "Es ist halt super leer. Auf der einen Seite ist das fast ein bisschen traurig, aber auf der anderen Seite total schön für mich, weil die Straßen leer sind. Ich muss mir keine Sorgen machen, dass ich von einem Auto umgefahren werde, weil so gut wie keins kommt."

Kapitän in Katalonien

Jetzt wo die Touristen wieder vermehrt kommen, ist Kämna weg. Denn ab Montag wird es ernst für den Bremer. Bei der Katalonien-Rundfahrt, ein Sieben-Tages-Rennen, geht er als Leader, als Kapitän, an den Start. Das heißt: Das Team fährt für ihn, für eine bestmögliche Platzierung im Gesamtklassement. "Top Ten wäre schon echt toll", sagt Kämna – schließlich trifft er dort auf Weltklassefahrer wie Richard Carapaz, Adam Yates, Nairo Quintana oder Steven Kruijswijk.

"Ich habe das die letzten Jahren nicht so oft gehabt, dass ich als Leader in ein Rennen gegangen bin oder zumindest von Anfang an klar war, dass ich freie Fahrt habe. Ich freue mich auf jeden Fall drauf und werde versuchen, das Beste daraus zu machen und mich zu zeigen", so Kämna. Und ganz alleine ist er dabei nicht, denn auch sein Teamkollege Wilco Kelderman hat eine Führungsrolle in der insgesamt siebenköpfigen Mannschaft.

Voller Fokus auf die Tour de France

Kämnas neue Rolle in Katalonien: Wohl auch eine erste Übung, um ihn auf eine Zukunft als Rundfahrer der großen Rennen vorzubereiten. Seit langem wird Kämna als der deutsche Rundfahrer der Zukunft gehandelt – doch dafür, das hat er immer wieder betont, braucht es noch Zeit. Auch wenn er als einziger Deutscher und als einziger seines Teams im vergangenen Jahr eine Etappe bei der Tour de France gewinnen konnte, eine Drei-Wochen-Rundfahrt als Kapitän zu bestreiten, ist eben doch etwas anderes. Einen Etappensieg aber will er wieder schaffen, gerne schon in diesem Jahr.

Es ist einfach schön, wenn man dran denkt, dass man das schon geschafft hat. Das gibt immer ein bisschen Hoffnung und Zuversicht, dass man das nochmal schaffen könnte, und man in der Lage ist, mit den Besten mitzuhalten.

Lennard Kämna, Bremer Radprofi, über seinen Etappensieg 2020
Lennard Kämna steht an der Weser
Lennard Kämna freut sich über die Konkurrenz im eigenen Team – denn seine Kollegen pushen ihn weiter als er selbst es schaffen würden, erzählt der Bremer. Bild: Radio Bremen | Simon Brauer

Als Kapitän soll in diesem Jahr Wilco Kelderman das Team Bora-hansgrohe anführen, das hat Teamchef Ralph Denk schon gesagt. Die Taktik wird vermutlich aber dennoch so flexibel sein, dass auch Kämna seine Chancen bekommt. Der Niederländer Kelderman ist in dieser Saison neu zur Mannschaft gestoßen, ein erfahrener und erfolgreicher Rundfahrer. Mit ihm ist Kämna schon beim Team Sunweb zusammen gefahren. Das funktioniert. Kelderman ist fünfeinhalb Jahre älter als Kämna, war vergangenes Jahr Dritter beim Giro D’Italia. Große Konkurrenz aber auch großer Ansporn für Kämna. "Es ist sehr wichtig in einem Team, dass man eine gewisse interne Konkurrenz hat. Jetzt im Trainingslager war es auf jeden Fall eine Bereicherung mit einem Max Schachmann und einem Kelderman zu trainieren, weil die einen hier und da weiter pushen als man es selbst machen würde im Training. Und im Radrennen sehe ich da auch nur positive Effekte. Wir sind dann zu zweit, wenn es gut läuft, kann man im Finale taktisch anders agieren und hat mehr Chancen."

Erst die Tour, dann Olympia?

Drei Wochen Etappenjagd bei der Tour und dann gleich weiter nach Tokio zu den Olympischen Spielen. "Das wäre schon schön für mich", sagt Kämna. Bisher stand Tokio nicht zwingend auf seiner To Do-Liste für 2021 – nun juckt es den Bremer dann doch in den Beinen, auch weil Fahrer der Tour de France laut Kämna wohl nicht in Quarantäne müssen, wenn sie nach Tokio reisen. "Natürlich ist das eine richtig starke Belastung, erst die Tour de France zu fahren und eine knappe Woche später das Olympiarennen. Und man muss ja auch sehen, ob man da nominiert wird und mitkommt."

Klar ist, der Bremer will weiter nach oben klettern in der Weltelite des Radsports. Die erste Chance sich zu beweisen hat er ab Montag in Katalonien.

Autorin

  • Maike Albrecht Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 21. März 2021, 19:30 Uhr