Vom Dorfverein zur Handballhochburg? Verden schnuppert Bundesliga-Luft

Video vom 28. September 2021
Die Handballer der A-Jugend von der HSG Verden-Aller stellen sich im Kreis auf.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Früher sorgte der TSV Verden in der 2. Handball-Bundesliga für Aufsehen. Nun mischen die A-Jugendlichen der HSG Verden-Aller im Konzert der Großen mit.

Anfangs hielten die Handballer der HSG Verden-Aller noch gut mit. Nach einer Viertelstunde zwangen sie ihren Gegner, den großen HSV Hamburg (Handball Sport Verein Hamburg), beim Stand von 6:6 sogar zur Auszeit. Anschließend aber machte der Favorit kurzen Prozess, sodass der Außenseiter aus der Reiterstadt am Ende deutlich unterlag. Zwar waren die A-Jugendlichen nach der 24:39-Heimniederlage am Samstag auch im dritten Saisonspiel ohne Chance, trotzdem überwog der Stolz. Denn Bundesliga-Luft zu schnuppern, das ist für den Underdog immer noch ein wahrgewordener Traum.

Wir sind ein Dorfverein und auch wenn wir nicht immer die größten Chancen haben, ist es einfach schön.

Louis Beyer, Kapitän der A-Jugend-Handballer von der HSG Verden-Aller

TSV Verden spielte früher in der 2. Bundesliga

Zuschauer der HSG Verden-Aller applaudieren während eines Spiels.
Unterstützung für die HSG-Talente: Die Heimspiele der A-Jugendlichen in der Aller-Weser-Halle sind oft gut besucht. Bild: Radio Bremen

Handball auf hohem Niveau gehört in Verden zur guten Tradition. Als etwa die TSV Verden in den 1980er-Jahren sechs Jahre lang in der 2. Bundesliga auflief, war die Aller-Weser-Halle oft ausverkauft. An die alten Zeiten als Handballhochburg knüpfen nun die A-Jugendlichen der HSG an: Vollkommen überraschend qualifizierte sich das verschworene Team, das seit Jahren zusammenspielt und gemeinsam gewachsen ist, für die Bundesliga. "Das ist ein bezauberndes Gefühl", sagt Torhüter Niklas Kriege. "Wir haben das, was wir immer wollten, geschafft und jetzt leben wir unseren Traum."

In Gruppe 2 treffen die Verdener unter anderem auf den Nachwuchs der TBV Lemgo und des THW Kiel. Bundesliga-Reserven, die – so wie auch der HSV – über eigene Internate verfügen oder mit Sportschulen kooperieren. Möglichkeiten, die man in Verden nicht hat. "Das sind nicht die Gegner, mit denen wir uns messen müssen", sagt Trainer Sascha Kunze. "Tatsächlich steht eher der Traum, Bundesliga zu spielen im Vordergrund, denn das ist schon ganz, ganz viel wert."

Bundesliga zu spielen ist "viel wert"

Sascha Kunze, Trainer der HSG Verden-Aller, gibt ein Interview.
Ist stolz auf sein Team: HSG-Trainer Sascha Kunze. Bild: Radio Bremen

Kein Wunder also, dass der HSG in den Duellen mit den Großen gerade in der Schlussphase oft die Puste ausgeht. "Die Breite im Kader ist natürlich schon entscheidend", sagt auch HSV-Trainer und Ex-Nationalspieler Stefan Schröder. "Gerade im athletischen Bereich fehlt das ein oder andere, weil die Zeiten in Verden einfach nicht da sind, um so etwas zu trainieren."

Bei der HSG gibt man sich daher keinen Illusionen hin, sondern weiß um die Rolle des klaren Underdorgs. Stattdessen genießt der Verein einfach den Moment.

Allein, dass so viele Menschen zu uns in die Halle kommen und auch Spaß daran haben, ist eine tolle Erfahrung.

Lasse Blatt, Spieler der A-Jugend-Handballer von der HSG Verden-Aller

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Autorinnen und Autoren

  • Maike Albrecht Redakteurin und Autorin
  • Helge Hommers Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 29. September 2021, 18:06 Uhr