BSV vor Pokal-Hit: Mini-Kabine, Kribbeln und etwas Münchener Freiheit

Video vom 24. August 2021
Spieler des Bremer SV mit Kamerateams bei der Begehung des Weserstadions vor dem Pokal-Spiel.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Heute Abend wartet das Spiel ihres Lebens auf die Amateure des Bremer SV. Doch der Fünftligist zittert nicht vor den Bayern – er hat richtig Bock auf das Duell im Weser-Stadion.

Das Wichtigste hatten sie im Gepäck: den silbernen Henkel-Pott, ihre Trophäe für den Sieg des Bremen-Pokals – der musste am Dienstagnachmittag natürlich unbedingt mit ins Weser-Stadion.

Schließlich war es ja dieser Pokal, der den Amateur-Kickern des Bremer SV nun den größten Pokal-Abend ihres Fußballer-Lebens bescheren wird. 1. Runde im DFB-Pokal gegen Bayern München, unter Flutlicht vor fast 10.000 Zuschauern, weltweit im Fernsehen übertragen.

Das ist ein Highlight, ein Bonusspiel, nicht unser tägliches Brot in der Bremen-Liga – das wollen wir in vollen Zügen genießen. Und hoffentlich sagen wir nach dem Spiel: 'Was für ein mega Erlebnis!'

BSV-Coach Benjamin Eta

Ein bisserl Münchener Freiheit bleibt

Und da fuhren sie also vor, vor der Ostkurve, in ihrem professionellen Event-Mannschaftsbus, auf dem das Motto dieses Pokal-Abenteuers aufgedruckt ist: "Solang man Träume noch leben kann." Der Songtitel der 80er-Jahre Kultband Münchener Freiheit ist nicht zufällig gewählt.

Die Band hatte den neckischen Spaß des kleinen Bremer Klubs nach der Auslosung mitgemacht und wäre vor dem Spiel zu einem Konzert in die Hansestadt gekommen. Doch durch die Spielverlegung nach den Corona-Fällen beim BSV musste die Band absagen. Das Motto aber bleibt.

"Der erste Eindruck ist bombastisch!"

BSV-Profi Sebastian Kmiec im Weserstadion bei einem TV-Interview.
BSV-Spieler Sebastian Kmiec zählt zu den erfahrendsten Kickern von Trainer Benjamin Eta. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Und so machten die BSV-Kicker dann auch erst einmal große Augen im weiten Rund des Weser-Stadions – und stiefelten direkt auf den Rasen, der Werder Bremen eigentlich fast heilig ist und außerhalb von Spieltagen tunlichst nicht betreten werden darf. Nun aber tummelten sich Spieler, Vereinsvertreter und Kamarateams auf dem satten Grün und die ersten Kicker witzelten schon: "Unser Rasen am Panzenberg ist schöner."

Umschauen, genießen, alles aufsaugen und sich schon mal an all das Drumherum gewöhnen, was die Amateur-Fußballer am Mittwochabend um 20:15 Uhr hier erwarten wird.

Der erste Eindruck ist bombastisch, das kennen wir so in der Bremen-Liga natürlich nicht. Als Bremer träumt man davon, in diesem Stadion zu spielen und jetzt ist es morgen soweit. Man kriegt sofort Bock, will die Schuhe direkt anziehen und loslegen.

BSV-Spieler Sebastian Kmiec im Gespräch mit dem Sportblitz

"Wettkampf mit denen, die man aus dem Fernsehen kennt"

Dass die Bayern ohne das Star-Trio aus Robert Lewandowski, Leon Goretzka und Manuel Neuer anrücken, stört die Bremer nicht. Torwart Malte Seemann glaubt jedenfalls nicht, dass er dadurch weniger zu tun haben wird: "Auch wenn Lewandowski nicht kommt, der einer der Besten der Welt ist. Egal, auch die Ersatzspieler der Bayern sind Granaten und die geben Vollgas." Aber sich von vornherein geschlagen geben, das kommt für die Fünftligisten nicht in Frage. Sie haben nichts zu verlieren und wollen diesen besonderen Moment in ihrem Fußballer-Leben bestmöglich mitnehmen.

Man freut sich auf einen Wettkampf mit denen, die man sonst aus dem Fernsehen kennt. Die aus dem obersten Regal, mit denen kann man sich messen. Wir werden uns an den kleinen Sachen erfreuen, die Zuschauer nach einem guten Zweikampf, einem guten Pass mitnehmen und versuchen, uns daran hochzuarbeiten.

BSV-Spieler Sebastian Kmiec im Gespräch mit dem Sportblitz

Mini-Kabinen statt Werder-Umkleide

Doch in einen Genuss kommen die Bremer Kicker am Mittwoch nicht: Während die Bayern in Werders Gäste-Kabine logieren werden, bleibt die Werder-Kabine tabu. Die Profis haben dort ihre persönlichen Sachen liegen, auch fürs Training. Räumen kam nicht infrage, also müssen sich die BSV-Spieler dort umziehen, wo es sonst die Einlauf-Kids tun.

Und das in vier Kabinen statt einer, sonst reicht der Platz nicht. "Die Kabinen sind ganz klein, da müssen wir uns mit unserer am Panzenberg nicht verstecken", sagte Kmiec mit einem Augenzwinkern: "Aber die Kabine ist nebensächlich, wir freuen uns einfach wahnsinnig auf dieses Spiel." Und egal, wie dieses Spiel auch ausgeht, irgendwann am Mittwochabend wird sicherlich "Solang man Träume noch leben kann" aus den BSV-Umkleiden dröhnen.

Blick auf den Event-Mannschaftsbus des Bremer SV vor dem Weserstadion mit der Aufschrift "Seit 1962 nicht in der Bundesliga".
Humor hat der kleine Amateur-Klub jedenfalls: Die Busaufschrift "Seit 1962 nicht in der Bundesliga" spricht ganz dafür. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. August 2021, 19:30 Uhr