Rechnerei im Abstiegskampf: Wie stehen Werders Chancen?

Abgerechnet wird am Ende, heißt es so schön. Doch im Kampf um den Klassenerhalt laufen längst die Rechenspiele. Wie viele Punkte reichen den Bremern zur Rettung?

Philipp Bargfrede und Kevin Möhwald sitzen im Gepäckfach des Werder-Mannschaftsbusses und unterhalten sich.
Reicht es noch für Werder? Kavin Möhwald (rechts) und Philipp Bargfrede wissen jedenfalls, dass ihre 30 Punkte nicht ausreichen werden für den Klassenerhalt. Bild: Imago | Matthias Koch

Die Lage ist mal wieder prekär für viele Klubs im Saisonendspurt, Werder ist da keine Ausnahme. Die Abstiegsangst ist auch an der Weser groß. Fieberhaft wird nun allerorts hin und her gerechnet, dazu werden komplizierte Algorithmen ausgeknobelt, als gäbe es eine mathematische Formel zum Fußball-Glück.

Doch so einfach ist das nicht, im Gegenteil, die Lage ist dieses Mal besonders kompliziert. Und das liegt vor allem daran, weil Abstiegskandidat Hertha BSC bis zum 29. April in Quarantäne bleiben muss und dadurch nicht bloß drei Endspiele, sondern ganze sechs Partien noch offen hat. Hertha kann im Idealfall also weitere 18 Punkte sammeln, Werder maximal neun. Was sagt es da aus, dass die Berliner gerade Tabellen-17. sind? Wir entwirren mal den Zahlensalat.

Das Restprogramm der Abstiegskandidaten

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Noch ist keiner gerettet

Werder-Torwart Jiri Pavlenka im gelben Trikot hockt enttäuscht mit dem Rücken zum Fotografen auf dem Rasen.
Enttäuschung pur bei Werder-Keeper Jiri Pavlenka nach der siebten Niederlage in Folge bei Union Berlin. Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Von Rang zwölf bis 17 ist noch niemand gerettet, Schalke aber als 18. bereits abgestiegen. Mainz steht derzeit mit 34 Punkten und dem Nachholspiel gegen Hertha von den Zitterkandidaten am Besten da: 17 von 21 möglichen Punkten haben die 05er in den vergangenen sieben Spielen geholt – bei Werder waren es im gleichen Zeitraum null. Dazu noch der furiose Sieg gegen die Bayern, mit diesem Aufschwung sollte kaum noch etwas schief gehen.

Die Augsburger stehen mit 33 Punkten da, haben jetzt Trainer Heiko Herrlich durch Markus Weinzierl ersetzt – der soll den Klassenerhalt festzurren. So wird das Duell gegen Werder aber wohl vor allem für die Bremer am vorletzten Spieltag ein Schicksalsspiel. Ausgang: offen.

Köln mit Rückenwind, Bielefeld beißt

Aufsteiger Bielefeld schien zuletzt das Momentum auf seiner Seite zu haben, drei Partien in Folge spielte man zu Null, doch dann setzte es eine 0:5-Klatsche gegen Gladbach. Mit 30 Zählern ist die Arminia auf Rang 15 punktgleich mit Werder und trotz des Rückschlags mental in besserer Verfassung als die Bremer. Eine Klatsche schüttelt sich sicher leichter ab, als eine Serie von sieben Misserfolgen.

Und dann sind da ja noch die Kölner auf dem Relegationsplatz und bei den läuft es seit dem Trainerwechsel zu Friedhelm Funkel nun auch richtig rund. Nach zwei Siegen binnen vier Tagen sind die "Geißböcke" wieder obenauf und haben ein deutlich freundlicheres Restprogramm als Werder. Ein Punkt trennt Köln noch von den Bremern und der Trend spricht klar für den FC.

Wie viele Punkte braucht Werder?

Die Frage bleibt nun, wie die Hertha ihr Mammutprogramm mit sechs Partien innerhalb von 20 Tagen stemmt nach zwei Wochen Corona-Quarantäne. Der Vorteil: Die Berliner spielen noch gegen direkte Konkurrenz aus Mainz, Bielefeld und Köln und gegen die abgestiegenen Schalker. Reichlich Gelegenheit, noch fleißig Punkte gegen den Abstieg zu sammeln.

Werder hatte jüngst noch 40 Punkte angestrebt für den sicheren Klassenerhalt, doch das ist sieben Niederlagen her und eine Zahl wie aus einer anderen Welt. Maximal 39 Punkte können die Bremer erreichen, das dürfte utopisch sein. Trainer Florian Kohfeldt hatte kürzlich geschätzt, dass Werder noch zwei Siege braucht, um nicht abzusteigen. Aber selbst die sind gegen drei Gegner, für die es ebenfalls noch um etwas geht, nur schwer machbar.

Sogar mit einem Sieg und einem Unentschieden könnte es eng werden, dem Relegationsplatz zu entgehen. Und sollten Bielefeld, Köln und Hertha ins Rollen kommen, was angesichts der Ausgangslage gut möglich ist, wären die Bremer gekniffen. Werder hat sein Schicksal zwar noch selbst in der Hand, aber einfach schlechte Karten.

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 25. April 2021, 19:30 Uhr