Streit um den Bremen-Marathon schwelt weiter

Video vom 26. Mai 2021
Teilnehmer des 14. Bremen-Marathons aus der Vogelperspektive
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Zwei Bewerber, nur eine Veranstaltung: Wer den Bremen-Marathon am 3. Oktober austragen darf, ist offen. Doch der geschasste Utz Bertschy scheint chancenlos zu sein.

Es kann nur einen geben – nur einen Bremen-Marathon und nur einen Veranstalter, der ihn am ersten Oktober-Wochenende ausrichtet. Um das größte, alljährliche Laufspektakel der Stadt ist ein Streit entbrannt – zwei Veranstalter kämpfen um ein Event. Aber der Verlierer scheint schon festzustehen.

Fünf Wochen ist es her, dass der Bremer Leichtathletik-Verband (BLV) gemeinsam mit der SWB, dem Hauptsponsor des Marathons, ein Schreiben veröffentlichte: Darin wurde bekanntgegeben, dass man die Zusammmenarbeit mit dem langjährigen Veranstalter Utz Bertschy beendet habe, da dieser nicht mehr tragbar für Partner und Sponsoren sei. Bertschy sei über die Jahre immer wieder Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen. Nun sei das Maß voll.

700 Anmeldungen – ohne Genehmigung

Läuferinnen und Läufer beim 15. Bremen-Marathon
Drei Streckenlängen werden angeboten: Marathon, Halbmarathon und zehn Kilometer. Start und Ziel ist der Bremer Marktplatz. Bild: Oliver Soller

Der BLV soll nun nach Wunsch der SWB den Bremen-Marathon ausrichten, alle großen Sponsoren der Veranstaltung und das Organisationsteam sind weiterhin an Bord und auch die zuständigen Bremer Ämter und Behörden scheinen das Konzept des Verbands-Vizepräsidenten Matthias Reick zu befürworten. Bertschys Ruf als schlechter Geschäftsmann hat sich dagegen längst herumgesprochen.

Doch Bertschy war 15 Jahre lang der Macher des Marathons, gilt als Unikat der Laufszene und will sich nicht mit dem Aus abfinden. Im Gegenteil. Er hat sich ebenfalls für die Austragung am 3. Oktober beworben und über das alte Internetportal des Bremen-Marathons bereits 700 Anmeldungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern samt Gebühren generiert – ohne Erlaubnis.

Wir müssen jetzt schauen, dass diese 700 ihr Geld zurückbekommen. Ich gehe davon aus, dass das Geld an seine Gläubiger geht.

BLV-Vizepräsident Matthias Reick gegenüber dem Sportblitz

Bertschy kann noch keine Sponsoren benennen

Läuferinnen und Läufer beim 15. Bremen-Marathon
Der Bremen-Marathon ist auch bei Hobby-Läufern jedes Jahr sehr beliebt. Bild: Oliver Soller

Auch der BLV hat zwei Gläubigerverfahren gegen Bertschy laufen, der weiter davon ausgeht, gute Chancen zu haben, den Zuschlag zu bekommen. "Es geht am Ende um das tragfähigere Konzept. Wir haben 15 Jahre Erfahrung. Der BLV hat 15 Jahre begleitet und geguckt", sagte Bertschy im Gespräch mit dem Sportblitz. Er sei dabei, Sponsoren zu überzeugen und "sehr zuversichtlich". Benennen kann er jedoch bisher niemanden. Reick betont dagegen: "Wir können das verlässlichere Angebot auf den Tisch bringen."

Das Amt für Straßen und Verkehr, das Ordnungsamt (für die Sperrung des Marktplatzes), das Gesundheitsamt (für das Hygienekonzept) und nicht zuletzt die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport, Anja Stahmann, müssen grünes Licht geben. Der Oktober-Termin ist bei der Stadt Bremen bereits geblockt, der Wunsch ist da, das Laufspektakel weiter stattfinden zu lassen. Beim Verband glaubt man indes nicht, dass Bertschys Pläne zur erneuten Durchführung des Marathons tatsächlich realistisch sind.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Bertschy mit verschiedenen Gläubiger-Verfahren und fehlenden Großsponsoren so schnell eine Organisation aufbauen kann, die diesen Marathon wie gewohnt durchführt.

BLV-Vizepräsident Matthias Reick gegenüber dem Sportblitz

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Autorinnen und Autoren

  • Yannick Lowin Redakteur und Autor
  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 26. Mai 2021, 18:06 Uhr