Segler Herrmann schleppt sich als Vierter ins Ziel – und wird Fünfter

Bei seinem Vendee Globe-Debüt verpasst der gebürtige Oldenburger nur knapp eine Platzierung auf dem Podium. Kurz zuvor erlitt er seinen bislang "größten Alptraum".

Video vom 28. Januar 2021
Boris Herrmann steht bei der Zieleinfahrt mit ausgebreiteten Armen und einer Deutschland-Flagge in der Hand an Deck seiner "Seaexplorer".
Bild: Imago | Panoramic
Bild: Imago | Panoramic

Segler Boris Herrmann hat sich trotz der Kollision mit einem Fischerboot einen starken vierten Platz bei der Vendee Globe erkämpft – nachdem der Franzose Jean Le Cam bei der Ankunft am Donnerstagabend noch eine 16-stündige Zeitgutschrift bekam und sich auf Rang vier schob, beendet Herrmann die Vendee Globe als Fünfter.

Der gebürtige Oldenburger überquerte am Donnerstag um 11:19 Uhr vor Les Sables-d'Olonne/Frankreich die Ziellinie mit einer Rennzeit von 80 Tagen, 14 Stunden, 59 Minuten und 45 Sekunden. Herrmann hielt Leuchtfackeln in beiden Händen, die Beschädigungen an seinem Boot waren deutlich zu erkennen. 

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Nach seiner Ankunft drückte Herrmann erst einmal seiner kleinen Tochter Marie-Louise einen dicken Kuss auf die Stirn und zog seine Frau Birte ganz dicht an sich heran. Dann hing sich der 39-Jährige eine Deutschland-Flagge um die Schultern und ließ den Champagner-Korken knallen. "Ich bin absolut glücklich mit dem Rennen, mit dem Resultat, mit allem", sagte Herrmann, die großen Glücksgefühle hatten den schweren Schock vom Vorabend offensichtlich verdrängt.

Den Sieg bei der wohl härtesten Regatta der Welt hatte sich in der Nacht der Franzose Yannick Bestaven gesichert, während der unverletzte Herrmann nach dem schweren Zwischenfall und dem Verlust der Chance aufs Podium um die Beendigung seines Rennens kämpfte.

Am Mittwochabend befand sich Herrmann 85 Seemeilen vor dem Ziel, er besaß damit bei seinem Vendee-Debüt theoretisch sogar noch Chancen auf den Sieg. Bis es auf einmal krachte. "Plötzlich sah ich eine Wand neben mir, die Schiffe verhakten sich, ich hörte Männer rufen", berichtete Herrmann später von Bord seiner Yacht "Seaexplorer". Der Unfall mit dem spanischen Trawler "Hermanos Bustos", der ihn aus dem Schlaf riss, sei sein bisher "größter Albtraum" gewesen. Er sei "bitter enttäuscht". So etwas habe er auf See noch nie erlebt, resümierte der enorm erfahrene Herrmann.

Boris Herrmann blickt aufs Meer.
Beendete seine erste Vendee Globe als Vierter: Boris Herrmann. Bild: Boris Herrmann Racing

Herrmann fragte sich, weshalb seine Alarmsysteme nicht angesprungen waren: "Aber das Wichtigste ist, dass niemand verletzt wurde." Sein Boot wurde dagegen deutlich beschädigt, unter anderem am Bug und am Tragflügel. Besonders kritisch sei gewesen, dass eine Leine riss, die den Mast seitlich sichert, teilte sein Team mit. Herrmann habe in den Stunden nach der Kollision "fieberhaft" daran gearbeitet, das Boot fahrtüchtig zu halten. Im Zielort feierte unterdessen Bestaven, dessen Siegerzeit 80 Tage, drei Stunden, 44 Minuten und 46 Sekunden betrug. Er kam erst als Dritter hinter seinen Landsmännern Charlie Dalin und Louis Burton in Les Sables-d'Olonne an, profitierte aber von einer Zeitgutschrift für die Rettungsaktion des schiffbrüchigen Teilnehmers Kevin Escoffier. Auch Herrmann wurden mit Ankunft sechs Stunden gutgeschrieben.

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 28. Januar 2021, 18:06 Uhr