Debüt für den Kosovo: Eisbären-Talent Zenelaj erfüllt sich einen Traum

Mit 14 Jahren kam Denis Zenelaj alleine aus dem Kosovo nach Bremerhaven. Nun, vier Jahre später, hat er den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft.

Video vom 14. März 2021
Denis Zenelaj behauptet den Ball im Spiel gegen die Kirchheim Knights.
Bild: Imago | Foto2press
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Denis Zenelaj hat schon deutlich mehr erlebt als die meisten seiner Altersgenossen. Vor allem hat der 18-jährige Nachwuchsspieler der Eisbären Bremerhaven früh gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen. Ganz allein kam er 2017 aus der kosovarischen Hauptstadt Pristina nach Deutschland. Sein Traum: Basketball-Profi werden.

Diesem Traum ist er einen großen Schritt näher gekommen. Erst kam er Ende Oktober beim 91:75-Sieg gegen die Kirchheim Knights erstmals für die Profis der Eisbären für einige Minuten zum Einsatz. Und Ende Februar durfte er dann in den Kosovo reisen, um bei zwei Worldcup-Qualifikationsspielen des Kosovo dabei zu sein. Gegen Luxemburg wurde der Shooting Guard zum Ende hin eingewechselt. "Ich kann das nicht beschreiben, das war unglaublich. Ich war sehr happy und emotional", erzählt Zenelaj euphorisch im Gespräch mit dem Sportblitz. Daran ändert auch nichts, dass er bei seinem Debüt nur für 25 Sekunden auf dem Parkett stand und sein Team mit 88:99 verloren hatte. Er ist glücklich über die gemachten Erfahrungen und will sich nun in der Nationalmannschaft etablieren. Der Nationaltrainer hat ihm bereits in Aussicht gestellt, ihn im Sommer zu den Lehrgängen einzuladen.

Zenelaj musste früh erwachsen werden

Im Kosovo ist Basketball fast so ein Volkssport wie Fußball. So erfolgreich wie Kroatien oder Serbien, die in der Weltspitze mitspielen, ist die kosovarische Nationalmannschaft noch nicht. Kein Wunder: Erst seit sechs Jahren, seit 2015, ist sie offiziell anerkannt. Schließlich ist der Kosovo selbst erst seit dem Jahr 2008 unabhängig.

"Basketball war meine erste Liebe", sagt Zenelaj, der als Elfjähriger angefangen hat. Dass er in Deutschland bessere Chancen hat, Basketball zum Beruf zu machen, war der Grund, warum es ihn nach Bremerhaven verschlagen hat. Ein ehemaliger Nachwuchstrainer der Eisbären hatte ihn einst bei einem Jugend-Turnier im Kosovo entdeckt und den Kontakt hergestellt.

In Bremerhaven lebt er im Internat des Klubs in einer Zweier-WG. Seine Trainer, Lehrer und Mitspieler halfen ihm, schnell die deutsche Sprache zu lernen. "Nach einem Monat haben sie gesagt: 'Okay, Denis hat Englisch-Verbot. Jetzt nur noch auf Deutsch'", erinnert er sich mit einem Lächeln auf den Lippen. Jetzt macht er sein Fachabi – auf deutsch.

Denis Zenelaj schaut während des Interviews in seiner Küche lachend in die Kamera.
Denis Zenelaj lebt im Internat der Eisbären in einer Zweier-WG. Dort muss der 18-Jährige sich auch um den Haushalt kümmern. Bild: Radio Bremen

Doch Zenelaj musste nicht nur die Sprache lernen, sondern auch viel schneller selbstständig werden als Gleichaltrige. Kochen, Wäsche waschen und den Haushalt schmeißen – um all das musste er sich früh selbst kümmern. So manches Mal gab seine Mutter ihm dabei zu Beginn per Videoanruf wichtige Tipps. Auch heutzutage erfolgt die Kommunikation mit der Familie im Kosovo fast täglich über das Smartphone. "Die Trennung war sehr hart. Wir haben sehr lange darüber nachgedacht", blickt sein Vater zurück", aber wir haben uns darauf konzentriert, dass er eine bessere Zukunft hat, wenn er in Deutschland spielt." Wenn nicht gerade Corona ist, besuchen sich Denis und seine Familie zwei- bis dreimal im Jahr.

Eisbären-Coach May sieht sein Potenzial

Ob und wann er den Sprung in den Profikader schafft? Ungewiss. Klar ist, dass Eisbären-Coach Michael May den 18-Jährigen auf dem Zettel hat. Schon oft hat Zenelaj bei den Profis mittrainiert. Sein Kurzeinsatz im Herbst dürfte nicht sein letzter sein. May sieht Zenelajs Stärken dabei vor allem in der Offensive. In der Defensive hingegen müsse er sich noch verbessern. "Das Potenzial ist da. Er muss noch lernen und wachsen, aber wenn er hart arbeitet, ist alles möglich. Es liegt nur an ihm", sagt May. Der Sprung vom Nachwuchs- in den Herrenbereich ist groß, aber für Denis Zenelaj sicher nicht unmöglich.

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Autoren

  • Maike Albrecht Redakteurin und Autorin
  • Karsten Lübben Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit sportblitz, 14. März 2021, 19:30 Uhr