Dieser Herbst wird leichter: Bremer Corona-Regeln bleiben aber wichtig

Ein Schulkind mit dicker Jacke und Mütze steht an einem geöffneten Fenster und sieht hinaus.
Wie wird sich die Corona-Pandemie in diesem Winter entwickeln? (Symbolbild) Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Die Sorge wächst vor einem Anstieg der Infektionen. Bremer Experten erklären, warum die Lage besser ist als vor einem Jahr – manche Maßnahmen aber bleiben sollten.

Der Winter kommt und das soziale Leben verlagert sich nach drinnen. Manch ein Mediziner sorgt sich über einen eventuellen Anstieg der Corona-Fälle, andere fordern einen zeitnahen "Freedom Day", das Ende aller Corona-Maßnahmen.

Wie schätzen Bremer Experten die Lage ein? Schließlich ist das kleinste Bundesland deutscher Impfmeister: 80,4 Prozent der Einwohner haben laut Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) bereits die erste Spritze bekommen, 77,1 Prozent sind vollständig geimpft. In den vergangenen Wochen hatte es zudem Zweifel an der Genauigkeit der bundesweiten Impfquote des RKI gegeben, die nach eigenen Angaben sogar etwas höher liegen könnte.

Epidemiologe: Zahlen könnten steigen, Folgen aber weniger schwerwiegend sein

Doch vor einer Aufhebung aller Schutzmaßnahmen warnt der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb. "Es ist davon auszugehen, dass die Zahlen noch mal hochgehen werden", sagt der Forscher mit Blick auf die Erfahrung des vorherigen Jahres. Jedoch nicht in allen Gruppen im gleichen Maß. Da die Über-60-Jährigen inzwischen weitgehend geimpft seien, dürfte die Zahl der schwerwiegenden Infektionen niedriger sein als im Vorjahr.

Menschen, die älter als 60 Jahre sind, sind inzwischen weitgehend geschützt. Daher sind weniger schwerwiegende Folgen zu erwarten als im letzten Winter.

Hajo Zeeb, Epidemiologe

Schüler, Jüngere und Geimpfte, selbst wenn sie sich infizieren, neigten schließlich dazu, nicht so schwer zu erkranken. Auch hier könne es jedoch Ausnahmen geben.

"Nicht sofort alle Schutzmaßnahmen fallen lassen"

Um gut durch den Winter zu kommen, sei für den Forscher ratsam, nicht alle Maßnahmen fallen zu lassen. Als Beispiele nennt er das Tragen von Masken und die Abstandsregeln.

Wichtig sei auch, Impfungen weiterhin durch Impfmobile anzubieten und die Menschen von den Vorteilen zu überzeugen, sagt Zeeb. Denn die Tatsache, dass die Infektionszahlen vor ein paar Monaten hochgegangen seien, es aber keinen weiteren Anstieg gegeben habe, gibt Grund zur Hoffnung. Das könnte bedeuten, dass der Anstieg möglicherweise langsamer verlaufe und Bremen gut aufgestellt sei, sagt er.

Wir haben die ganze Zeit ein Plateau. Das zeigt, dass die Impfung einen Einfluss hat und lässt hoffen, dass es nicht zu einem exponentiellen Wachstum kommt.

Der Epidemiologe Hajo Zeeb im Interview.
Hajo Zeeb, Epidemiologe

Geno: "Lage vergleichsweise entspannt"

Momentan ist die Lage auf den Corona-Stationen des Klinikverbundes Geno "vergleichsweise entspannt", wie eine Sprecherin bestätigt.

Wir haben im Klinikverbund derzeit 24 Patientinnen und Patienten, die wegen einer Covid-19-Erkrankung bei uns behandelt werden. Neun davon müssen intensivmedizinisch versorgt werden. Zum Vergleich: In der zweiten Welle haben wir bis zu 150 Patientinnen und Patienten zeitgleich versorgt.

Karen Matiszick, Geno-Sprecherin

Wie die Lage im Winter aussehen werde, sei noch reine Spekulation. "Wir möchten uns nicht an Spekulationen beteiligen", so die Sprecherin.

Virologe: Impfquote spielt bei Hospitalisierung eine Rolle

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer pflichtet ihr bei: "Klar ist, dass Aussagen dazu im Augenblick nur Spekulationen sind – keine Vorhersagen". Es sei durchaus möglich, dass die Zahl der Neuinfektionen im Winter wieder steigen könnte, und daher auch die Zahl der Hospitalisierungen. Wie hoch hänge allerdings von vielen Faktoren ab. "Die Impfquote spielt eine Rolle, was die Hospitalisierungsrate anbelangt."

Möglich sei, dass sie niedriger bleibe als im Vorjahr, allerdings könnte auch die Zahl der Impfdurchbrüche steigen. Noch seien zudem etwa 150.000 Menschen im Land Bremen nicht vollständig geimpft, wenn die Maßnahmen gelockert würden, könnte es sein, dass sich mehrere binnen kurzer Zeit infizierten.

Wichtig ist das, was wir gelernt haben, weiterhin anzuwenden. Vor allem das Wissen um die Gefahren in Innenräumen im Vergleich zu draußen. Die Anzahl der Personen je nach Raumgröße anzupassen, das Lüften, das Abstandhalten und auch die Art der Aktivitäten zu bedenken.

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer.
Andreas Dotzauer, Virologe

Dass Infektionen jetzt vermehrt in der Gruppe der Neun- bis 19-Jährigen stattfinden, könnte bedeuten, dass man verstärkt auf diese Gruppe achtet. Zum Beispiel in den Schulen. "Dass man besonders auf Lüften, Abstände und Aktivitätenauswahl denkt. Und vielleicht die Zeiten, in denen Schüler und Schülerinnen ein- und ausgehen oder Pause machen, entzerrt."

Die Anzahl der Infizierten sei bundesweit gerade deutlich höher als vor einem Jahr. Durch die höhere Anzahl an Geimpften seien die Symptome jedoch bei vielen nicht so ausgeprägt. Was aber wiederum dazu führen könnte, dass Infizierte von ihrer Infektion nichts wissen und das Virus weitertragen.

Wir haben große Erfahrung gesammelt darüber, wie man sich verhalten sollte. Gleichzeitig merkt man eine gewisse Sorglosigkeit wegen der Impfung.

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer.
Andreas Dotzauer, Virologe

Daher sei auch möglich, dass die Infektionszahlen wieder steigen. Ob das tatsächlich so eintreten wird und welche Folgen das haben könnte, hänge am Ende jedoch von vielen Faktoren ab.

Rückblick: Wie lief Bremens erster Tag mit Corona-Warnstufe 0?

Video vom 14. Oktober 2021
Ein Schild, dass auf die 3 G Regelungen hinweist.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen um 6, 18. Oktober 2021, 18 Uhr