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Angst vor Delta-Variante in Bremen: Welcher Impfstoff hilft wie gut?

Macht die Delta-Variante alle Corona-Anstrengungen zunichte?

Symbolbild eines Corona-Virus in einer 3-D-Darstellung.
Bild: Imago | Isai Hernandez
Bild: Imago | Isai Hernandez

Die hochansteckende Mutation wird immer häufiger nachgewiesen. Tendenz stark steigend. Experten sagen, wie gut eine Erstimpfung schützt und was Sie noch wissen sollten.

Der Sommer ist da, die Impfungen gehen voran und die Inzidenzwerte sinken. Das heißt, die Ansteckungen durch die noch dominierende Alpha-Variante des Corona-Virus gehen deutlich zurück. Und fast wäre man über den Berg, wenn da nicht die neue Corona Mutante "Delta" aufkreuzen würde. Sie breitet sich gerade rasant aus und scheint auch Bremen einen Strich durch die Rechnung machen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) hat sich der Anteil der in Indien erstmals auftauchenden Delta-Variante an Neuinfektionen innerhalb einer Woche fast verdoppelt. Er liegt inzwischen bei 30 bis 50 Prozent. Laut Virologen soll diese neue Mutante deutlich ansteckender sein als die anderen Corona-Virus-Varianten.

Hier die Antworten auf die drängenden Fragen zum Thema.

Welcher Impfstoff wirkt gut gegen die Delta-Variante?
Die einmalige Impfung mit dem Impfstoff von Johnson und Johnson bietet laut Hersteller einen hohen Schutz gegen die Delta-Variante des Coronavirus. Das hätten zwei aktuell durchgeführte Studien mit 28 Teilnehmern gezeigt. Wer mit dem Vakzin geimpft ist, ist nach Angaben des US-Unternehmens für mindestens acht Monate immun gegen das Virus. In Bremen sind bereits mehr als 20.000 Menschen mit dem Impfstoff von Johnson und Johnson geimpft.

Was die anderen Impfstoffe betrifft, geht es laut Virologen, Immunolgen und Ärzten in erster Linie nicht darum, welchen Impfstoff man wählt, sondern, ob man vollständig geimpft ist. Die Erstimpfung reiche nicht aus, um gegen die Delta-Variante immun zu sein. "Bei der Delta-Variante liegt nach bisherigen Daten bei den mRNA-Impfstoffen und dem Impfstoff von AstraZeneca nur in ungefähr 33 Prozent der Fälle ein Schutz vor Erkrankung nach der ersten Impfdosis vor. Erst nach der zweiten Dosis wird bei diesen Impfstoffen ein hoher Immunschutz erreicht, der dann mit einer Effektivität von 80 bis 95 Prozent mit dem Schutz gegen eine Infektion mit der Alpha-Variante vergleichbar ist", so Andreas Dotzauer, Virologe an der Bremer Universität.

Vor diesem Hintergrund wird aktuell darüber diskutiert, ob es sinnvoll ist, den Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfung zu verkürzen.
Vollständig geimpfte mit jeweiligem Impfstoff 195.102 19.532 17.520 20.648 Biontech Moderna Astra-Zeneca Johnson & Johnson
Vollständig Geimpfte im Land Bremen, Stand (30.06.2021), Quelle: Robert Koch-Institut

In Bremen sind etwas mehr als 250.000 Menschen schon vollständig geimpft. Die allermeisten mit dem Impfstoff von Biontech. Mindestens einmal geimpft sind schon mehr als 430.000 Menschen in Bremen.

Welche Auswirkung hätte die Verkürzung des Abstandes zwischen Erstimpfung und Zweitimpfung auf den Impfschutz?
Generell gilt: Je größer der Abstand, desto besser die Wirkung des Impfstoffes. Da sich aber die Delta-Variante rasant ausbreitet, könnte mit der Verkürzung des Abstandes zwar schnell ein besserer Impfschutz als nur durch die erste Impfung erreicht werden – allerdings geht das zu Lasten der Qualität des Schutzes und verkürzt die Wirkungsdauer insgesamt. Das zeigen Studien. "Bei Mix-Impfungen mit zuerst AstraZeneca und dann Biontech hat man beobachtet, dass bei einer Verkürzung des Impfabstandes wahrscheinlich eine schwächere Immunantwort erfolgt", sagt Dotzauer.

Mühlenfeld zum Beispiel würde es von der individuellen Risikoanalyse seiner Patienten abhängig machen, ob er die Impfabstände verkürzt. "Ich würde gucken, ob mein Patient beziehungsweise meine Patientin Medikamente einnimmt, ob er oder sie in einer besonders gefährdeten Umgebung lebt, wo er oder sie sich schnell anstecken kann", so Mühlenfeld.

Fazit: Zwar scheint eine schnellere Zweitimpfung den Impfschutz zu verringern, doch kann laut Bundesgesundheitsministerium der Abstand individuell mit den Impfärztinnen oder -ärzten angepasst werden – im Rahmen des zugelassenen Zeitraums von vier bis zwölf Wochen.
Was muss ich bis zur zweiten Impfung beachten, wenn ich erst einmal geimpft bin?
Mühlenfeld empfiehlt grundsätzlich – auch Vollgeimpften – weiterhin die AHA-Regeln einzuhalten: Masken tragen, Abstand-, Kontakt- und Hygieneregeln einzuhalten. "Entscheidend ist, dass keiner glauben sollte, dass er zu 100 Prozent geschützt ist –  auch wenn er vollständig geimpft ist und einen guten Impfstoff gewählt hat. Jeder Körper ist individuell und entwickelt eine unterschiedliche Immunantwort", so Mühlenfeld.

Dotzauer empfiehlt vor allem nicht vollständig geimpften Menschen, die Kontaktzeiten so kurz wie möglich zu halten und den Abstand zu anderen Menschen auf zwei Meter zu vergrößern. Auf Reisen in Gegenden, wo der Anteil der Delta-Variante hoch ist, sollte verzichtet und größere Menschenansammlungen gemieden werden.

Wie die Delta-Variante die Urlaubsplanung der Bremer beeinflusst

Video vom 28. Juni 2021
Ein Mann mit Glatze und Brille steht vor einem Reisebüro und wird interviewt.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Necla Süre Redakteurin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 29. Juni 2021, 10:10 Uhr