Wie Bremer diese 9 Streitfallen beim Familienfest umgehen können

Zwei Frauen streiten sich am Weihnachtsbaum
Bild: DPA | Christin Klose

Das Geschenk ist Mist? Einsam bei den Eltern des Partners? Erwartungen anderer nicht erfüllt? Streit an Weihnachten passiert. Das rät ein Familientherapeut.

In Filmen wird uns gezeigt, wie glücklich und harmonisch Weihnachten sein kann. Realität ist das bei vielen Bremern und Bremerhavenern aber so nicht. Und schon Tage vor dem großen Fest steigt bei vielen die Sorge, vor einem möglichen Familien-Krach unterm Tannenbaum. Familientherapeut Heiko Hinrichs kennt das, wie er sagt: "Weihnachten setzt viele unter Stress – vor allem, wenn wir Themen nicht ansprechen. Das können ungeklärte Dinge aus der Kindheit sein, unausgesprochene Erwartungen oder die immer gleichen sensiblen Themen, die man am liebsten Tod schweigen würde."

Damit es gerade an Weihnachten nicht knallt, gibt der Bremer Therapeut Tipps. So knistern dann hoffentlich nur die Kerzen am Baum – und nicht gleich die ganze Luft.

1 Absprachen treffen und einhalten

Jeder hat sein individuelles Weihnachten im Kopf. Das fängt beim Weihnachtspulli an, geht über das Geschenkpapier und hört beim selbstgemachten Essen auf. Um all diese Vorstellungen zu vereinen, hilft es, sie im Vorfeld anzusprechen. Wer möchte was essen? Gibt es Geschenke oder nicht? Welchen Dresscode erwarten die Einladenden und welchen Baumschmuck die Besucher? Kurze Abfragen helfen, die eigenen Erwartungen mit denen der Gastgeber abzustimmen.

2 Allein in der Familie des Partners

Driving home for Christmas...Doch was, wenn es nicht das eigene Elternhaus ist und man sich einsam fühlt? Das komme öfters vor, sagt Therapeut Hinrichs: "Gerade wenn Söhne zu ihren Müttern nach Hause kommen, verwandeln sie sich manchmal in den kleinen Jungen von früher." Als Partnerin fühle man sich in der fremden Familienkostellation partnerlos.

Das muss man ansprechen, am besten vor dem Fest. In so einer Situation sollte man als Paar auftreten. Auch wenn es nicht zu einem Streit kommt, so sind doch die Diskussionslager fair. Es ist allerdings wichtig, da die eigenen Bedürfnisse vorab zu formulieren, auch wenn es nur klitzekleine sind. Wie, dass man auch gerne Rotwein zur Forelle trinken möchte.

Oder größere: Wie, dass man nicht alleine mit der fremden Familie gelassen werden möchte. Da helfe schon ein unauffälliges Signal: "Den Partner an die Hand nehmen, ihn festzuhalten und sich beim Essen nicht auseinandersetzen zu lassen", so Hinrichs.

3 Die Tabu-Themen-Liste

Wer sich eher selten mit der Familie und den dazugehörigen Tanten und Onkel, Cousinen und Cousins trifft, hat dafür sicher einen Grund. Das können unangebrachte Fragen sein, traumatisierende Erlebnisse, die zu negativen Erwartungen führen. Und einfach die Angst, dass alle wieder fragen, warum man im 12. Semester Kunst studiert und nicht wie die Nachbarstochter was Richtiges gelernt habe. Da hat jeder seine eigenen wunden Punkte und Tabu-Themen, erklärt Hinrichs und gibt gleich eine Lösung: "Man kann im Vorfeld ansprechen, was eben nicht angesprochen werden soll – sei es die berufliche, finanzielle oder private Situation, das Hobby oder die politische Einstellung." Das nehme den Druck raus.

Ein anderer Weg ist es, die Fragen direkt zu Beginn anzusprechen. Bei einer Frau, die ohne Freund zur Familie fährt, könne das so aussehen: 'Hallo, schön euch alle wieder zu sehen und gleich vorweg: Nein, ich bin noch nicht verlobt und die Hochzeit ist auch nicht in Planung und außerdem bin ich nicht schwanger. Aber einen Begrüßungssekt würde ich nehmen." Damit sind die Themen ein für alle Mal vom Tisch.

4 Streitthema: Smartphone

Zwei Jugendliche in Ingelheim am Rhein spielen mit ihren Handy, im Hintergrund die Eltern, die den Weihnachtsbaum schmücken
Die einen können nicht ohne, die anderen nervt es: das Smartphone. Bild: Imago | epd

Die einen wollen den saftigen Braten nicht kalt werden lassen, die andern ihn fotografieren. Dieser Generationenunterschied kann gelöst werden, wenn man ihn anspricht. "Einfach sagen, dass man eben noch ein Foto sucht, was man zeigen möchte oder eine Nachricht an den Freund schicken mag, dann weiß der andere, dass der Kontakt noch da ist und fühlt sich nicht ignoriert", schlägt Hinrichs vor.

Eine Regel gilt aber: Beim Essen sollte das Handy zur Seite gelegt werden.

5 Geschenk gefällt nicht – und nu?

Trotz abgesprochenen Erwartungen kann es dazu kommen, dass etwas nicht stimmt. Dann die besorgte Nachfrage: "Alles gut bei dir?" Familientherapeut Hinrichs sagt: "Lügen hilft nicht. Denn: Mütter (und die meisten anderen Familienmitglieder auch) wissen genau, wenn auch den großen Kindern das Essen oder Geschenk nicht gefällt." Man könne sich einfach ehrlich für die Geste des Schenkens bedanken und sich über das Beisammensein freuen. Beim Essen könne man einfach nur das essen, was einem schmecke, als Kompromiss.

6 Frische Luft schnappen

Wenn die Formulierungen harscher werden, die Zwischentöne offensichtlicher und man merkt, dass sich Oma immer wieder in die Kindererziehung einmischt, so dass man kurz davor ist, den Baumschmuck durch die Wohnung zu pfeffern, dann hilft: Durchatmen und das am besten an der frischen Luft.

Das Wohnzimmer zu Lüften kann schon Wunder bewirken oder eben der Spaziergang in der kühlen Winterluft. Vielleicht ja mit der Lieblingscousine oder den Patenkindern.

7 Im Streit Gemeinsamkeiten suchen

Zerbrochene Christbaumkugel
Manchmal geht auch etwas zu Bruch beim Familienstreit. Bild: Imago | imagebroker/Bahnmüller

Trotz Tabu-Themen-Liste, formulierter Regeln und Bedürfnissen kommt es zum Knall? "Das ist eine hoch emotionale Situation in der die Beteiligten", sagt Hinrichs. "In dem Moment reagiert man nicht vernünftig, sondern instinktiv." Beteiligte können das kaum stoppen, sagt Hinrichs. Andere könnten aber deeskalierend wirken und Gemeinsamkeiten der Kontrahenten suchen und so was sagen wie: "Ihr seid beide so Dickköpfe, das muss in der Familie liegen." Das bringe die Streitenden aus dem Konzept und oft zum Lachen, verrät Hinrichs.

Man könne sich aber auch auf den Streit vorbereiten – falls es jedes Jahr ums selbe Thema geht. Welche Sätze will ich sagen, welche Punkte sind mir wichtig und wie kann ich sie formulieren, ohne den anderen zu verletzen? Dann ist der Streit etwas überlegter und man komme schneller zum Punkt und zum Nachtisch.

8 No-Go's zum Schluss

"Wenn ich merke, dass dem anderem ein Thema unangenehm ist, sollte ich das besser nicht ansprechen", erklärt der Familientherpeut das absolute No-Go in Familienkreisen. Da kündige sich der Konflikt sonst gerade zu an. Auch bei abwertenden Kommentaren sei das so, das ende schnell im Stress und Streit. Da aber jeder unterschiedlich sensibel ist, hilft nur eins: Sagen, was einen stört oder vor dem großen Familien-Zoff wieder fahren.

Wer schon im Vorfeld weiß, dass es knallt, der kann auch einfach sagen, er komme gerne zum Raclette, aber nicht zum Rotwein am Baum. Da weiß jeder, woran er ist und die persönliche Abgrenzung funktioniert ohne zerbrochene Teller.

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Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Bremen Eins am Morgen, 21. Dezember 2021, 10:10 Uhr