"1.500 Seelen, vier Gemischtwarenläden und unheimlich viele Kühe"

Zwei junge Frauen und ein Hund stehen auf einem weiten Feld.
Als Dorfkinder wollten Mona und Charlotte irgendwann zurück aufs Land. Bild: privat

Charlotte* und Mona* sind während der Corona-Pandemie aufs Land gezogen. In einem Podcast berichten sie mit etwas Humor über das Leben in einem kleinen Dorf.

"Januar 2021, ganz Niedersachsen ist von Schnee bedeckt und wir, Charlotte*, Mona* und der Hund Rio, spazieren euphorisch über die weißen Felder: Wir haben gerade den Mietvertrag für unsere neue Wohnung in einem kleinen Dorf im Landkreis Verden unterschrieben. Mindestens drei Jahre lang haben wir über dieses Projekt diskutiert, ohne zu wissen, wie ernst wir es wirklich meinten und ob wir, beide ehemalige Dorfkinder, den Schritt zurück aufs Land wagen würden.

In mehreren Großstädten hatten wir seit über 15 Jahren nicht nur spannende Kultur, sondern, als junge Lesben, auch Schutz gefunden. Aber selbst das reichte uns plötzlich nicht mehr. Vor allem landschaftlich wollten wir etwas anderes.

Charlotte und Mona, sind als Dorfkinder zurück aufs Land gezogen

Die vielen Wege des Bremer Bürgerparks hatten wir alle tausendmal durchstreift, das Gras des benachbarten Bundeslands war einfach grüner. Die Pandemie hat uns die Entscheidung leichter gemacht: Seit fast einem Jahr konnten wir das städtische Leben sowieso nicht mehr wie zuvor genießen, überall war es uns zu eng geworden. Also gingen wir.

Wenn schon, denn schon! Wir wollten Ruhe, wir wollten Exotik: Unser neues Dorf zählt circa 1.500 Seelen, ganze vier Läden für den Alltagsbedarf und unheimlich viele Pferde und Kühe. Wir wollten unserem Hund – und auch uns selbst – eine bessere Lebensqualität ermöglichen. Und nun ja, nach so vielen Jahren in der Stadt war Neugier tatsächlich ein großer Teil unserer Motivation, das Ganze haben wir uns als ein aufregendes Abenteuer vorgestellt.

Sechs Monate später sind wir immer noch sehr begeistert von unserem neuen Wohnort. Aufregend ist es nicht mehr, eine gewisse Normalität hat sich etabliert und an manchen Tagen ist es sogar langweilig, aber auf eine schöne, entspannte Art, wie ein langer Urlaub.

Unser Luxus ist es, wenn wir rausgehen wollen, die Wahl zwischen mehreren Wäldern zu haben. Und wir nehmen seit kurzem Reitunterricht – praktisch vor unserer Haustür.

Charlotte und Mona, sind als Dorfkinder zurück aufs Land gezogen

Ein paar Nachteile gibt es natürlich auch. Die Ruhe genießen wir in der Regel nur abends; tagsüber ist es einfach laut, aber auf eine andere Art als in der Stadt. Am meisten stört uns, dass wir sehr viel Auto fahren müssen, sowohl zur Arbeit als auch in der Freizeit, da Freunde und Freundinnen in unserem Alter sich (völlig zu Unrecht) noch nicht für das Landleben begeistern konnten. Aber zu Besuch kommen sie sehr gerne, und wir lernen allmählich auch vor Ort neue Menschen kennen. Beim nächsten Umzug werden wir trotzdem drauf achten, dass sich ein Bahnhof in direkter Nähe befindet.

Für Städter und Städterinnen mit Landlust, die sich fragen, ob sie aufs Land ziehen sollten, haben wir unsere Abenteuer, Fragen und Überlegungen aufgenommen: Unser Podcast "VerLänderung" ist auf allen gängigen Streaming-Plattformen zu finden."

*Namen auf Wunsch der Interviewten von der Redaktion geändert.

Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. November 2021, 19:30 Uhr