"Auf dem Dorf kennt jeder jeden, aber ich hatte nie echte Freunde"

Egzon Rexhepi aus Woltmershausen
Mit seinem Namen hatte Egzon auf dem Land Probleme, in Bremen fühlt er sich wohl. Bild: Radio Bremen | Hannah Bräuer

Egzon ist in Großefehn bei Aurich aufgewachsen, doch einige Diskriminierungserfahrungen trieben ihn in die Stadt. In Bremen fühlt der 28-Jährige sich willkommen.

"Für mich war schon länger klar, dass ich nach Bremen ziehe – also explizit nach Bremen. Mein Bruder war auch schon dort. Da, wo ich vorher gelebt habe, hat für mich vieles einfach nicht mehr gestimmt: Jobmäßig war es auch nicht toll da. Ich hatte einen vierfachen Bandscheibenvorfall; genau an dem Tag an dem ich meinen Gesellenbrief bekommen habe. Meinen gelernten Beruf als Zerspanungsmechaniker konnte ich dann nicht mehr ausüben. Ab da lief es nicht mehr.

Auf dem Land ist es nicht so einfach einen guten Job zu kriegen. Ein Beispiel: Wenn man Kontakte hat oder wenn man der Neffe von irgendwem ist, dann kriegt man Jobs über Kontakte.

Egzon Rexhepi, lebt seit sechs Jahren in Bremen

Hat man diese Kontakte nicht, so wie ich, bleibt man Leiharbeiter, landet in der Gastronomie als Pizzafahrer oder Tellerwäscher. Die berufliche Perspektive sah für mich in Aurich nicht so gut aus – weil ich einfach keine Kontakte hatte.

Richtige Freundschaft habe ich auf dem Land in Ostgroßefehn bei Aurich nicht erlebt. Freunde sind in guten und in schwierigen Zeiten für einen da.

Natürlich kennt auf dem Dorf jeder jeden. Das ist einfach so. Aber für mich sind das nie Freunde gewesen. Besser gesagt: Ich hatte einen riesigen Freundeskreis, aber für mich sind das keine Freunde, das waren Bekannte.

Egzon Rexhepi, lebt seit sechs Jahren in Bremen

Und wie soll ich es sagen: Auf dem Land wirst du halt manchmal doof angeguckt, das ist für mich nicht so toll. Was ich damit meine? Die heftigste Erfahrung, die ich gemacht habe: Ich habe bei der Familienkasse angerufen, wurde ganz normal beraten. Ich wollte Berufsausbildungsbeihilfe beantragen, alles sollte gut gehen. Dann wurde ich nach meinem Namen gefragt und sollte plötzlich persönlich vorbei kommen, damit die alles nochmal kontrollieren können und das bei einer Behörde. Und nach solchen Erfahrungen wollte ich nach Bremen, weil man hier offen ist und hier nicht diskriminiert wird.

Man muss das jetzt nicht verallgemeinern – das sind nur meine persönlichen negativen Erfahrungen. Natürlich hat man auch Leute gehabt, die bedingungslos hinter mir standen, die sind aber alle nach und nach vom Land weggezogen.

Es gibt in Großefehn super liebe, freundliche, nette Leute, schöne Ecken, aber man darf halt auch diese brandaktuellen Themen wie Diskriminierung nicht vergessen. Und die darf man erst recht nicht verschweigen und das ist in Bremen sehr viel besser geworden.

Egzon Rexhepi, lebt seit sechs Jahren in Bremen

Natürlich hat man in Bremen auch den einen oder anderen, der Ausländer blöd findet. Aber hier hatte ich nicht einmal den Fall, dass man meine Dokumente nochmal prüfen wollte, nur weil ich "Egzon Rexhepi" heiße."

Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. November 2021, 19:30 Uhr