Bremen will mit neuen Sirenen und Werbetafeln vor Katastrophen warnen

Video vom 26. Juli 2021
Eine Sirene auf einem flachen Dach.
Warnung im Katastrophenfall: Schon lange nicht mehr warnen etwa überall Sirenen im Fall der Fälle. Bild: Imago | Patrick Scheiber
Bild: Imago | Patrick Scheiber

Die Flutkatastrophe und der gefloppte Warntag im September 2020 wirken sich auf Bremens Katastrophenschutz aus. Das Land plant neue Sirenen und die Einbindung der BSAG.

Wie warnen, wenn die Katastrophe eintritt? Und das auch länderübergreifend? Darüber wird derzeit bundesweit diskutiert. Neben den existierenden Apps wie "Nina" oder "Katwarn", die per Nachricht auf das Smartphone alarmieren, stehen mehr Sirenen oder das sogenannte Cell Broadcasting auf der Forderungsliste vieler Politiker. Bei letzterem würde im Katastrophenfall an alle Mobiltelefone innerhalb einer Funkzelle automatisch eine Benachrichtigung zugeschickt – auch ohne App.

"Das vom Bund angedachte Cell Broadcasting ist eine sinnvolle Warnmöglichkeit", sagt Karen Stroink, Sprecherin des Bremer Innenressorts. Ob sie auch in Bremen komme, sei jedoch noch offen. Die Umsetzbarkeit werde noch vom Bund geprüft. Doch auch Bundesinnenminister Horst Seehofer hat sich bereits für die Einführung des Cell-Broadcast ausgesprochen.

Über das "Cell Broadcasting" entscheidet der Bund

Die Kosten für ein solches System, das zum Beispiel in den USA, Israel, Japan und den Niederlanden eingesetzt wird, lägen wohl schon bis zum Start bei bis zu 40 Millionen Euro, schätzt Armin Schuster, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. "Wir sind seit ein paar Monaten dabei, diese Möglichkeit additiv zu prüfen", sagte er in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Additiv bedeutet zusätzlich zu den bisherigen Warnsystemen. Denn Schuster spricht sich grundsätzlich für einen "Warnmittel-Mix" aus verschiedenen Methoden aus. Hierbei könnten auch Sirenen wieder eine größere Rolle spielen als in den vergangenen Jahren. Das Problem: In der Stadt Bremen wurden sie größtenteils schon in den 90er-Jahren abgebaut. Und auch in Bremerhaven gibt es nur noch wenige.

Bremen will bis 2023 neue Sirenen anschaffen

Das dürfte sich allerdings bald ändern. "Bremen wird zukünftig auch wieder Sirenen als Teil seines Warn- und Informationssystems für den Katastrophenschutz installieren", sagt Innenressortsprecherin Stroink. Denn der Bund habe eine spürbare finanzielle Unterstützung zugesagt. "Mit der können wir auf alle Fälle starten", sagt Stroink. Realistisch sei ein Abschluss des Vorhabens aber wohl nicht vor 2023.

Denn es drohen Lieferengpässe. So ist derzeit nicht nur die Stadt Bremen an Sirenen interessiert. Auch Bremerhaven hat eine Machbarkeitsstudie über den Sirenen-Ausbau in Auftrag gegeben. Und im benachbarten Kreis Cuxhaven, wo bis heute noch 200 Sirenen vorhanden sind, diskutieren die Verantwortlichen über eine Verdoppelung. Zudem sollen die vorhandenen analogen zu digitalen Sirenen umgerüstet werden. Das könnte rund 700.000 Euro kosten, heißt es in einer aktuellen Vorlage des Kreistages.

Werbetafeln sollen zu Warntafeln werden

Sich im Katastrophenfall allein auf Sirenen zu verlassen, will allerdings niemand. "Bremen befürwortet einen Strauß an unterschiedlichen Warnmöglichkeiten, um möglichst viele Menschen auf unterschiedlichstem Wege erreichen zu können", sagt Innenressort-Sprecherin Stroink. Neben den Sirenen seien dies Apps wie die Warn-App "Nina", ergänzt durch Meldungen in Rundfunk und Fernsehen. Darüber hinaus könnten weitere Medien wie zum Beispiel elektronische Werbetafeln und die Informationstafeln der BSAG eingebunden werden. "Die Nutzung von Werbetafeln wird in Kürze verwendbar sein", sagt Stroink.

Die Pläne, zum Beispiel digitale Werbetafeln in ein Warnsystem einzubinden, hat Bremen konkretisiert, nachdem im Herbst vergangenen Jahres der bundesweite Warntag Probleme offengelegt hatte.

Im Februar dieses Jahres hat das Innenressort im Zuge dessen 219.000 Euro für die Entwicklung eines entsprechendes Landeskatastrophenschutzkonzepts veranschlagt, inklusive einer Katastrophenschutzübung für Extremwetterereignisse.

Neben der Bevölkerung könnten von einem verbesserten Warnsystem auch die beteiligten Katastrophenhelfer wie Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) profitieren. Denn Sie arbeiten mit dem Warnsystem. Aktuell sei dies das Modulare Warnsystem (MoWaS) und als Instrument daraus die App Nina, sagt Feuerwehrsprecher Christian Patzelt. "Aber genauso gehen Meldungen an die Rundfunkanstalten." Die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle könnte technisch aber auch Sirenen ansteuern, sagt er. "Für die Feuerwehr ist es natürlich von hohem Wert, mit einem Warnsystem eine Breite Masse der Bevölkerung zu erreichen – sowohl in der alltäglichen Gefahrenabwehr als auch im Katastrophenfall."

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 22. Juli 2021, 14:18 Uhr