Infografik

Elektro- und Hybridautos boomen im Land Bremen

2020 wurden deutlich weniger Benziner und Dieselwagen gekauft. Der Aufwärtstrend der alternativ betriebenen Pkw bleibt ungebremst. Doch was ist mit den Ladestationen?

Ein Auto fährt an einem Symbol für ein Elektroauto vorbei.
Immer mehr elektrisch angetriebene Pkw sind im Land Bremen und umzu unterwegs. Bild: DPA | Julian Stratenschulte

Im letzten Jahr wurden bundesweit laut Kraftfahrt-Bundesamt etwa 2,9 Millionen Autos neu zugelassen. Rund zwanzig Prozent weniger als im Vorjahr. Davon hat inzwischen jeder vierte Neuwagen einen alternativen Antrieb, fährt also mindestens zeitweise mit Elektromotor oder wird durch eine Brennstoffzelle, Gas oder Wasserstoff angetrieben. Die Beliebtheit der E-Mobile und Hybrid-Wagen hat dabei in Bremen im Laufe der Jahre zugenommen: Hier hat sich deren Neuzulassungs-Zahl im Vergleich zu der zwei Jahre zuvor mehr als verdreifacht. Und in Niedersachsen sogar mehr als vervierfacht.

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Geholfen hat hier sicherlich, dass die Bundesregierung im vergangenen Sommer die Förderprämien für diese Autos deutlich erhöht hat. So gibt es zum Beispiel für ein Elektrofahrzeug noch bis zum Ende 2021 einen Bonus von bis zu 9.000 Euro. Und bis zu 6.750 Euro gibt es für ein von außen aufladbares Hybrid-Elektrofahrzeug, also einen Plug-in-Hybriden. Dazu kam die Senkung der Mehrwertsteuer bis Ende 2020, das mag so manchen Autokäufer motiviert haben, umzusteigen.

"Man muss nur ein bisschen umdenken"

Ein Mann vor seinem Elektroauto
Peter Nowack schwört auf sein E-Auto. Bild: Peter Nowack

Peter Nowack, ehemaliger Ortsamtsleiter in Blumenthal, ist schon vor gut zwei Jahren umgestiegen. Und völlig begeistert von seinem E-Auto: "Das ist gar nicht so schlimm und kompliziert, wie viele immer befürchten." Klar, muss man umdenken und beim Tanken ein bisschen mehr vorausschauend planen, räumt der 61-Jährige ein. Aber das sei nur eine Frage der Übung.

Er tanke immer dann, wenn sich eine Gelegenheit ergibt. Und so lange, wie er vor Ort Zeit hat: Einen Einkauf lang bei einer Ladesäule am Einkaufszentrum, für die Dauer einer Tasse Kaffee an einer Raststätte oder eines kleinen Spaziergangs in der Innenstadt. So komme er gut voran.

Für Nowack ist die nahegelegenste Ladesäule gut 800 Meter von seiner Wohnung in Bremen-Vegesack entfernt. Ein sogenannter Hypercharger. Damit ist der Tank spätestens nach 30 Minuten voll. Und noch ist die Ladesäule meist auch frei. Doch das könnte sich bald ändern, wenn die Nachfrage weiter steigt.

Freie Ladesäulen bald Mangelware?

E-Auto an einer Ladestation in einem Parkhaus (Symbolbild)
Laden statt tanken – wenn man weiß, wo eine geeignete Steckdose ist. Bild: Imago | Blickwinkel

Vor allem Autobesitzer ohne eigenen Parkplatz vor dem Haus klagen schon jetzt, dass es zu wenige öffentliche Ladesäulen gibt. Doch diese rechnen sich für die Betreiber offenbar nicht. Der Bremer Energieversorger swb hat in den vergangenen 12 Jahren rund 80 von ihnen in Bremen und Bremerhaven aufgestellt.

Und keine von ihnen hat sich bisher refinanziert, bilanziert das Bremer Energieunternehmen. Das mag auch daran liegen, dass viele swb-Kunden eine Flatrate als Anreiz bekamen. So können sie für 12,50 Euro im Monat tanken. So viel sie wollen.

Die swb schätzt, dass 70 Prozent aller Ladevorgänge zu Hause oder beim Arbeitgeber stattfinden. Deshalb setzen Energiebetreiber und Politik derzeit verstärkt auf die sogenannten Wallboxen. Auch sie werden inzwischen vom Staat bezuschusst. 

Doch viele Autofahrer und Fahrerinnen haben keine Tiefgarage oder festen Parkplatz vor der Tür. Sie sind auf das Netz der öffentlichen Ladesäulen angewiesen. Das müsste deshalb auch in Zukunft weiter ausgebaut werden.

Zur Zeit gibt es in der Stadt Bremen an 134 Standorten rund 380 Ladepunkte. In Bremerhaven kann an 31 Stellen im Stadtgebiet getankt werden.

Noch zu wenige öffentliche Ladesäulen

Ein Luftbild vom Tabaquartier in Woltmershausen.
Neue Ladesäulen für neue Wohnquartiere – wie hier in Woltmershausen. Bild: Radio Bremen

Die swb rechnet damit, dass in Zukunft mehrere Hundert Ladepunkte pro Jahr entstehen. Auch weil viele Bauträger von neuen Wohnquartieren inzwischen die E-Mobilität beziehungsweise die Infrastruktur dafür gleich mitdenken. So sind im neu entstehenden Tabak-Quartier in Woltmershausen bereits fünf Ladepunkte von der swb installiert worden. 17 weitere können, je nach Bedarf, kurzfristig dazu kommen.

Angesichts der begrenzten Haushaltsmittel in Bremen konzentriert sich der Senat bei seiner Förderung von klimafreundlicher Mobilität auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, inklusive E-Busse, sowie den Ausbau von Fahrrad- und Fußgängerverkehr.

Bei der Auto-Mobilität setzt er auf die Energieunternehmen und die Förderprogramme des Bundes. Die Aufgabe der Kommune sei aber, für die Ladesäulen Flächen zur Verfügung zu stellen und bei der Beschilderung und Markierungen zu unterstützen, erklärt Michael Glotz-Richter von der senatorischen Behörde für Mobilität.

Wettlauf der Klimaziele

Parkplatz für ein Elektroauto
E-Mobilität wird in ganz Europa vorangetrieben. Teils noch radikaler als in Deutschland. Bild: Radio Bremen | Marcus Behrens

Bis 2030 sollen in Deutschland die Treibhausgase, die der Verkehr verursacht, um 40 bis 42 Prozent gesenkt werden. Vor allem mit Hilfe der E-Mobilität. So steht es im Klimaschutzplan der Bundesregierung. Andere Länder in Europa haben noch ehrgeizigere Pläne. Großbritannien will schon  2030 keine Diesel- und Benziner mehr zulassen. Bestandsfahrzeuge können aber noch weiter gefahren werden. Frankreich will Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2040 nicht mehr genehmigen. Norwegen peilt sogar schon 2025 an.

Der ehemalige Ortsamtsleiter Peter Nowack jedenfalls hat seinen kleinen Beitrag zur Erfüllung der Klimaziele schon mal geleistet. Und er konnte jetzt sogar einen Freund dazu überreden, nun auch ein Elektroauto zu kaufen.

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Autorin

  • Heike Zeigler Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 8. Januar 2020, 23:30 Uhr