Exklusiv

"Betreiben Sie den Ausverkauf der Wissenschaft, Frau Schilling?"

"Betreiben Sie den Ausverkauf der Wissenschaft, Frau Schilling?"

Video vom 2. Oktober 2021
Claudia Schilling wird interviewt
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Die Jacobs Uni ist verkauft, für den Wissenschaftsplan 2025 fehlt Geld. Rutscht Bremen als Forschungsstandort ab? Das fragt Moderator Felix Krömer Senatorin Claudia Schilling.

Über 200 Millionen Euro hat das Land Bremen in den vergangenen 20 Jahren in die Jacobs University gepumpt: öffentliches Geld für eine private Universität, die es nie geschafft hat, rentabel zu werden. Jetzt hat ein Investor die Uni gekauft. Ist Bremen jetzt all seine Sorgen los? Oder hat das Land mit seinen Anteilen zugleich die Seele dieser Universität verkauft? Diese und andere Fragen rund um den Wissenschaftsstandort Bremen beantwortet Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) im exklusiven Interview mit Felix Krömer. Die wichtigsten Aussagen im Überblick.

1 Ist es gut, dass Bremen die Jacobs Uni los ist?

Jedenfalls sei sie froh, dass die Uni in guten Händen sei und ein tragfähiges Konzept vorliege, sagt Claudia Schilling. Es habe mehrere Interessenten für die Jacobs Uni gegeben. Der Käufer, Serguei Beloussov, ist gebürtiger Russe und Staatsbürger Singapurs, promovierter Physiker und Informatiker zugleich. Beloussov gilt als millionenschwerer Software-Unternehmer. Er ist Gründer des Schaffhausen Institute of Technology (SIT).

Doch hat der Senat durch den Verkauf der Jacobs Uni an Beloussov wirklich sichergestellt, dass Bremen kein Geld mehr in die Jacobs Uni buttern muss? Ja, sagt Claudia Schilling. Weshalb sie sich so sicher ist, erklärt sie ab Minute 5:20.

2 Was aus der Jacobs Uni wird

Die breite Forschung, die für die Bremer Gesellschaft wichtig sei, werde in der Jacobs University auf Sicht kaum noch stattfinden, glaubt der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudi Hickel. Beloussov werde die Uni massiv umbauen, um eine Rendite zu erzielen.

Claudia Schilling dagegen glaubt nicht an einen radikalen Umbau der Jacobs University. Sie äußert sich zu den Absichten Beloussovs ab Minute 7:11.

3 Hat Bremen überhaupt noch etwas von der Jacobs University?

Ja, ist sich Schilling sicher. Sie hofft sogar, dass dort weitere Arbeitsplätze entstehen werden. Doch auch aufgrund ihrer Forschung bleibe die Jacobs University ein bedeutender Faktor für Bremen, ist sich Schilling sicher. Zumal dort künstliche Intelligenz (KI) ein Forschungsschwerpunkt bleiben werde. Wieso KI aus ihrer Sicht für Bremen so wichtig ist, erklärt die Senatorin ab Minute 11:02.

4 Was wird aus Bremens Wissenschaftsplan 2025?

Noch bevor Claudia Schilling Wissenschaftssenatorin Bremens wurde, hat das Land den Wissenschaftsplan 2025 verabschiedet. Der Plan sieht vor, dass mehr Geld in den Wissenschaftsetat fließen sollte. Das Geld soll der personellen und der materiellen Ausstattung der Hochschulen und Universitäten dienen.

Doch 2020 ist die Corona-Pandemie in Bremen ausgebrochen. Bremen fehlt Geld. Statt 540 Millionen Euro, die bis 2025 in den Wissenschaftsetat fließen sollten, werden es jetzt voraussichtlich etwa 100 Millionen weniger. Verbaut Bremen seiner Uni und den anderen Hochschulen die Zukunft? Nein, sagt Schilling. Auch wolle sie am Wissenschaftsplan festhalten. Wie das gehen soll, erklärt die Senatorin ab Minute 15.07.

5 Was, wenn der Senat nochmal den Rotstift ansetzt?

Wegen Corona und der finanziellen Folgen der Pandemie ist absehbar, dass Bremen auch mittelfristig kleinere Brötchen wird backen müssen, als man vor ein paar Jahren dachte. Trotzdem glaubt Schilling, dass sie tiefe Einschnitte in den Wissenschaftsetat bei den Haushaltsverhandlungen der kommenden Jahre wird verhindern können.

Ich werde meine Kollegen im Senat davon überzeugen, wie wichtig Wissenschaft ist.

Porträt von Claudia Schilling im Fernsehinterview bei Radio Bremen
Claudia Schilling (SPD), Wissenschaftssenatorin

Die Senatorin begründet ihren Glauben an die Zukunft des Bremer Wissenschaftsplans ab Minute 26:20.

Autoren

  • Felix Krömer Redakteur und und Autor
  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. Oktober, 19.30 Uhr