Infografik

Symbolische Stimmabgabe: Bremens Jugendliche dürfen an die Wahlurnen

Collage: Vier Schülerinnen und Schüler der Oberschule im Park
Soheyla Ceylan, Jason Jacobs, Zeyneb Simsek und Leon Lange haben an der U18-Wahl in Oslebshausen teilgenommen und wünschen sich, in Zukunft mehr gehört zu werden. Bild: Radio Bremen | Angela Weiß

Wie ticken junge Bremerinnen und Bremer und welche Rolle spielt Politik in ihrem Leben? Die U18-Wahl gibt jungen Menschen eine Stimme – zum Beispiel in Gröpelingen.

Ist denn heute schon Bundestagswahl? Im Bürgerhaus Oslebshausen sieht es jedenfalls fast so aus: Stimmzettel liegen aus, Wahlkabinen und Wahlurnen sind aufgestellt. "Ich finde es schon cool, dass man heute quasi als Erwachsener gilt", sagt der 15-jährige Jason. Für den Achtklässler der Oberschule im Park in Bremen-Oslebshausen steht heute "Wählen gehen" auf dem Stundenplan. Im Rahmen der bundesweiten U18-Bundestagswahl hat sich das Bürgerhaus in ein Wahllokal verwandelt. Den ganzen Tag über können hier junge Menschen unter 18 Jahren symbolisch ihre Stimme abgeben – und endlich mal mitreden.

Bei der Bundestagswahl am 26. September sind Menschen unter 18 Jahre nicht stimmberechtigt. Eine Meinung, Wünsche, Ängste und Sorgen haben sie trotzdem. Für eine Herabsetzung des Wahlalters von 18 auf 16 Jahre spricht sich nicht nur der Bremer Jugendring aus, der die U18-Wahl im Land Bremen koordiniert. Auch Jason kann der Forderung etwas abgewinnen.

Ich möchte nicht, dass irgendwelche Politiker, die ich gar nicht toll finde, etwas in die Hand bekommen. Deswegen fände ich es wichtig, wenn man in Zukunft schon mit 16 Jahren wählen könnte.

Schüler Jason Jacobs
Jason Jacobs, 15 Jahre

Umweltsorgen und Zukunftsängste

Schülerin wirft zur Übung einen Wahlschein in eine selbstgemachte Urne
Das Bürgerhaus Oslebshausen ist eines von 20 Wahllokalen im Land Bremen, das an der U18-Bundestagswahl teilnimmt. Bild: Radio Bremen | Angela Weiß

Auch die 14-jährige Soheyla freut sich über die Möglichkeit einer U18-Wahl und stimmt Jason zu. Dass alle Menschen ihre Meinung sagen können, ist ihr wichtig. Wenn Soheyla über Politik nachdenkt, fallen ihr als Erstes die Bilder von Waldbränden und Plastikmüll in den Meeren aus dem Fernsehen ein. "Das ist nicht schön zu sehen", findet die Schülerin.

Mir ist wichtig, dass die Politik mehr auf die Umwelt achtet, damit die Welt und die Meere nicht verdreckt werden und man ein normales Leben ohne Krankheiten führen kann.

Schülerin Soheyla Ceylan
Soheyla, 14 Jahre

Soheylas Klassenkameradin Zeyneb verfolgt Politik zwar nicht jeden Tag, spannend findet sie die verschiedenen Parteien und ihre Themen aber trotzdem. Die jüngsten Diskussionen um das Tragen von Kopftüchern habe sie irritiert. "Ich finde, ich kann meine Religion in Deutschland nicht frei leben, obwohl es hier Religionsfreiheit gibt", sagt Zeyneb. Das schränke sie ein – und andere Menschen womöglich auch. Die 14-Jährige sorgt sich zudem, in Zukunft bestimmte Berufe aufgrund ihrer Religion nicht ausüben zu können.

Junge Stimmen zählen wenig

Bereits jetzt ist klar: Die Bundestagswahl am 26. September dürfte vor allem von älteren Wählerinnen und Wählern entschieden werden, denn sie machen den größten Anteil unter den Wahlberechtigten aus. Für die Jugend bedeutet das ziemlich wenig bis gar kein Mitspracherecht an politischen Entscheidungen.

Wahlberechtigte im Land Bremen nach Alter

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Nicht nur den Schülerinnen und Schülern der Oberschule im Park gefällt die Idee, womöglich irgendwann einmal mit 16 Jahren wählen zu können. Carina Claus leitet das Bürgerhaus Oslebshausen und hat auch als Theaterpädagogin an Schulen besonders engen Kontakt zu jungen Menschen. Sie glaubt, dass Wählen mit 16 Jahren sinnvoll ist. "Ich erlebe Jugendliche in diesem Alter als absolut engagiert und interessiert aber auch als frustriert und allzu oft fassungslos über das, was Erwachsene über ihren Kopf hinweg entscheiden", sagt Claus.

Jugendliche sind keine kleinen Monster, die überall nur ihren Müll hinschmeissen. Sie interessieren sich für die Welt und die Gesellschaft. Sie kriegen mit, was in Afghanistan passiert oder wieviel Gewalt es gegen sie selbst oder andere gibt. Vor allem im letzten Jahr haben sie sehr wohl mitgekriegt, dass nicht sie es sind, was der Politik wirklich wichtig ist.

Carina Claus, Geschäftsführerin Bürgerhaus Oslebshausen

Dass gerade in Bezug auf die Corona-Beschränkungen über die Köpfe von Jugendlichen hinweg entschieden wurde, habe viele wahnsinnig gemacht, so Claus. Auch dem 15-jährigen Leon hat der Online-Unterricht während des Lockdowns zu schaffen gemacht. Er merke, wie sehr ihm bestimmte Unterrichtsinhalte fehlen.

"Ich bin froh, wieder in der Schule zu sein. Man musste sonst oft eine halbe Stunde warten, bis man eine Antwort vom Lehrer bekam."

Schüler Leon Lange
Leon, 15 Jahre
8. Klasse der Oberschule im Park
Die Schülerinnen und Schüler der Oberschule im Park wünschen sich in der Zukunft mehr politische Mitbestimmung. Bild: Radio Bremen | Angela Weiß

Gute Bildungsmöglichkeiten sind für Leon besonders wichtig. Ansonsten sei er eigentlich ganz zufrieden, sagt er. Nachdem Jason und die anderen aus seiner Klasse schonmal zur Probe ihr Kreuz gesetzt haben, geht es zurück ins Klassenzimmer. Für die Zukunft wünscht sich auch Jason, dass alles so bleibt, wie es momentan ist. Ob seine Eltern zur Wahl gehen, wisse er nicht so genau. "Aber ich kann sie ja mal fragen, vielleicht gehe ich dann mit."

Bundestagswahl 2021: So berichten Radio Bremen und buten un binnen

Video vom 29. August 2021
Eine Zeichnung zeigt eine Lupe und unscharf dahinter jede Menge Parteilogos. Im Forderung sind zwei Frauen zu erkennen, die in Richtung der Logos schauen.
Bild: Radio Bremen | Lina Brunnée
Bild: Radio Bremen | Lina Brunnée

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Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. September 2021, 19:30 Uhr