Aufstieg und Fall der Borgward-Automobilwerke

Rund eine Million Fahrzeuge wurden in Bremen produziert – unter anderem die legendäre "Isabella". Doch Anfang der 60er ging die Unternehmensgeschichte zu Ende.

Borgward-Modelle stehen nebeneinander
Mittlerweile sind die Modelle begehrt bei Nostalgie-Fans, die ihre Oldtimer immer wieder gern auf dem Marktplatz präsentieren. Bild: Radio Bremen | Christian Bordeaux

Ich will Autos bauen!

Carl Friedrich Wilhelm Borgward (1890–1963)
Carl Friedrich Wilhelm Borgward

So lautete sein Ziel und dieses Ziel hat er erreicht. Alles begann 1924 mit dem "Borgward Blitzkarren". Ein kleines Auto mit nur drei Rädern, das mit seinen 2,2 PS eher an heutige Mopeds erinnert. Es war aber der Anfang einer Bremer Erfolgsgeschichte. Das kleine Vehikel passte perfekt in die damalige Wirtschaftskrise und verkaufte sich hervorragend. Bereits nach einigen Jahren – mittlerweile hieß die verbesserte Version "Goliath" – wurde das Auto von der Post und von unterschiedlichsten Gewerbetreibenden, wie Gemüsehändlern, Bäckern oder Handwerkern genutzt.

Der Weg zu einem führenden Autokonzern im Deutschen Reich und danach war geebnet. 1928 bekommt das Borgward-Werk im Bremer Stadtteil Hastedt einen neuen Standort. Dieses lag in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Hansa-Lloyd-Konzern, der von Borgward 1929 aufgekauft wurde. Ab 1934 werden die ersten Borgwards unter dem Namen "Hansa" ausgeliefert.

Für den Krieg die Produktion umgestellt

Die Borgward-Nutzfahrzeuge B 1500 für die US Army vor dem Firmengelände
Die Borgward-Nutzfahrzeuge B 1500 für die US Army vor dem Firmengelände Bild: Radio Bremen

Mit der Konzernerweiterung in Bremen-Sebaldsbrück, im Jahr 1938, war der vorläufige Höhepunkt der Produktion ziviler Fahrzeuge erreicht. Die bis dato modernste und größte private Automobilfabrik Deutschlands trug den Namen "Carl F. W. Borgward Automobil- und Motorenwerke". Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wird die zivile Produktion aber heruntergefahren und völlig auf Rüstungsproduktion umgestellt. Bis 1945 waren die Borgward-Werke Hauptlieferant für Halbkettenfahrzeuge und im geringeren Umfang für Schützenpanzer und Zugmaschinen. Nach der Kapitulation des Dritten Reiches lagen die Borgward-Werke zu drei Viertel zerstört. Aber bereits 1948 beginnt der Wiederaufbau durch den Begründer Carl F. W. Borgward. Mit dem Hansa 1500 wurde schon ein Jahr später die erste Nachkriegs-Neukonstruktion präsentiert.

Aus einer werden drei Firmen

Der Renn-Lloyd LP 300 bei der ADAC-Deutschlandfahrt 1952
Der Renn-Lloyd LP 300 bei der ADAC-Deutschlandfahrt 1952 Bild: Radio Bremen

Aufgrund der rationierten Rohstoffversorgung der Nachkriegszeit für deutsche Unternehmen wurde die seit 1931 bestehende "Goliath GmbH" in drei Einzelfirmen aufgeteilt: die "Goliath GmbH" (Bremen-Hastedt), die "Lloyd Maschinenfabrik GmbH" (Bremen-Neustadt) und die "Automobil- und Motorenwerke Carl F. W. Borgward GmbH" (Bremen-Sebaldsbrück). In den folgenden Jahren produzierte das Untenehmen die Marken: "Borgward", "Goliath", "Hansa" und "Lloyd". Bis Ende der 50er Jahre avancierte Borgward zum viertgrößten Automobilhersteller in Deutschland.

Der Autokönig verliert seine Unabhängigkeit

Carl F. Borgward erhält eine Auszeichnung
Borgward erhielt 1955 und 1960 ein Bundesverdienstkreuz Bild: Radio Bremen

Carl F. W. Borgward (geboren 1890) steigt vom mittellosen Schlosser zum Bremer Automobilproduzenten mit über 20.000 Angestellten auf. Mit seinem Traumwagen "Isabella" traf er genau das "Wir-sind-wieder-wer-Gefühl" der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Ehrenkonsul und Träger des Bundesverdienstkreuzes ist ein Glückskind des deutschen Wirtschaftswunders.

Borgward, der am liebsten alles selbst machen möchte, alles allein entscheidet, alles besser weiß, genießt seine hart erarbeitete Ausnahmestellung in vollen Zügen. Dass er dabei wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten des Bremer Senats nimmt, rächt sich Anfang der 60er Jahre, als das Geld knapp wird. Plötzlich ist Borgward auf Überbrückungskredite von Seiten der Hansestadt angewiesen. Der geniale Automobilkonstrukteur verliert die Zeit seines Lebens zäh verteidigte Unabhängigkeit.

Der Untergang mit vielen Fragezeichen

Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse, die letztlich zum Konkurs von Borgward führen. Wahrscheinlich wegen kaufmännischer Defizite des Firmen-Patriarchen wurde eines der spektakulärsten Insolvenzverfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte eingeleitet. Hintergrund war eine einsetzende Absatzkrise im Inland. Auch der Export nach Übersee stagnierte. Mit Krediten vom Land Bremen wollte man die dünne Kapitaldecke wieder aufpäppeln. Die Gelder wurden aber nur teilweise ausgezahlt bevor sich der Senat an die Presse wandte. Die Marke Borgward wurde nicht mit Samthandschuhen angefasst und verlor über Nacht ihren guten Ruf. Erst aus Medienberichten soll Carl F. W. Borgward von seiner angeblichen Pleite erfahren haben.

Das Ende des Borgward-Werks in Sebaldsbrück

Gezeichneter Plan des Borgwardwerks
Das ehemalige Borgward-Gelände in Sebaldsbrück Bild: Radio Bremen

Zum letzten Mal verlassen die Mitarbeiter das Borgward-Werk in Bremen-Sebaldsbrück im Juli 1961. Rund 17.000 Arbeitnehmern der Firma musste gekündigt werden. Das Mediengetöse und die Insolvenz passten überhaupt nicht in die florierende Wirtschaftswelt der 50er und 60er Jahre. Nicht wenige sprechen sogar davon, dass Borgward nicht völlig zahlungsunfähig war und der Bremer Konzern nur Opfer der Konkurrenz wurde. Denn der vom Bremer Senat bestellte Wirtschaftsprüfer, der die sogenannte "Konkursreife" feststellen sollte, kam von den Bayerischen Motoren Werken (BMW) aus München. Einige Jahre später konnten alle Gläubiger auf den Pfennig genau ausgezahlt werden. Carl F. W. Borgward überlebte seine Firma nur um zwei Jahre und starb 28. Juli 1963. Aber der Mythos Borgward lebt in etlichen Sammlungen und Clubs weiter.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. Juli 2019, 19:30 Uhr

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