Scheitert das 9-Euro-Ticket? Zustimmung der Bundesländer wackelt

Viele Reisende am Bahnhof, im Hintergrund ein Regionalzug

Scheitert das Neun-Euro-Ticket? Zustimmung der Bundesländer wackelt

Bild: DPA | Arne Dedert
  • Bayern will Mehrkosten für das Neun-Euro-Ticket nicht tragen
  • Mobilitätssenatorin Schaefer hat Verständnis
  • Bahn könnte Ticket ab 23. Mai anbieten

Das Neun-Euro-Monatsticket für den Nahverkehr droht auf den letzten Metern noch zu scheitern. Als erstes unionsgeführtes Bundesland hat Bayern angekündigt, dass es den Plänen im Bundesrat nicht zuzustimmen wird, wenn die Länder nicht mehr Geld vom Bund dafür bekommen. Bremens Moblitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) äußerte Verständnis.

Das Sonderticket sollte nach den bisherigen Plänen von Bund und Ländern im Juni, Juli und August bundesweit Fahrten im Nah- und Regionalverkehr ermöglichen. Diese Pläne könnten bei einer Blockade durchkreuzt werden.

Bund soll Ticketkosten voll ausgleichen

"Sofern der Bund die Kosten für das Ticket nicht voll ausgleiche und die Regionalisierungsmittel für den Nahverkehr deutlich erhöhe, werde er im Bundesrat gegen eine Mauer laufen", sagte der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU).

"Es sei bedauerlich, aber auch nachvollziehbar, dass Bayern nicht zustimmen will", sagte Schaefer zu buten un binnen. Sie ist derzeit auch Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz. Grund ist, dass der Bund die Zuschüsse für den Nahverkehr der Bahn an die Länder nicht gleichzeitig erhöht. Die Länder hätten das mehrfach einstimmig von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) gefordert, so Schaefer. Nur so könne der ÖPNV dauerhaft ausgebaut werden.

Schaefer stellt Tankrabatt infrage

Grundsätzlich sind die Länder zwar für das 9-Euro-Ticket, fordern dafür aber mehr Geld. Der Bund hat bislang einen Zuschuss von 2,5 Millarden Euro zugesagt. Außerdem sollen die Länder die 1,2 Milliarden aus dem Corona-Rettungsschirm dafür verwenden.

Ich fordere, dass der Tankrabatt dann ebenfalls in Frage gestellt wird, wenn das Neun-Euro-Ticket kippt. Es kann nicht sein, dass die FDP mit reiner Klientelpolitik die Verkehrswende blockiert.

Maike Schaefer, Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz

Wenn das Neun-Euro-Ticket jetzt kippt, müsse das Wissing verantworten, so Schaefer. In dem Fall müsse der Tankrabatt ebenfalls in Frage gestellt werden. Die Grünen-Politikerin warf der FDP Klientelpolitik vor.

Fahrgastverband fordert Einsatz von mehr Zügen

Die Deutsche Bahn hat unterdessen den Verkaufsstart für die Neun-Euro-Tickets für den 23. Mai angekündigt. Vorausgesetzt, Bundestag und Bundesrat stimmen zu. Der Fahrgastverband Pro Bahn hat indes die Länder Bremen und Niedersachsen aufgefordert, im Sommer mehr Züge im Regionalverkehr einzusetzen.

Pro Bahn schätzt, dass es aufgrund des 9-Euro-Tickets im Juni, Juli und August einen Ansturm auf Strecken an die Küste, in den Harz und zwischen den größeren Städten geben wird. Der Fahrgastverband schlägt deshalb unter anderem vor, Verstärkerzüge, die sonst nur im Berufsverkehr verkehren, auf überlasteten Strecken fahren zu lassen.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 15. Mai 2022, 14 Uhr