Kein Kohl, kein König: So mager läuft die Kohltour-Saison mit Corona

Beladener Grünkohl-Bollerwagen

Kein Kohl, kein König: So mager läuft die Kohltour-Saison mit Corona

Bild: Radio Bremen

Mitten in der Kohlsaison ist an ausgelassene Partys nicht zu denken. Besonders eines hindert die Gäste an der Buchung – und es ist nicht 2G-Plus.

In der Küche der Gaststätte Hohewurth im Landkreis Cuxhaven duftet es köstlich nach Grünkohl. Aber der Kochtopf, in dem Ilka Hersemeier-Duit rührt, ist nur halb voll. Lediglich ein paar Portionen für den Außerhaus-Verkauf hat sie gekocht. "Eigentlich wäre jetzt bei uns die Hohewurther 5. Jahreszeit – Grünkohlsaison", erzählt sie.

Rund 15 Grünkohlbälle finden normalerweise in ihrer Gaststätte statt. Aber große Partys gibt es hier aktuell nicht. Dabei sind auch schon die ganzen Weihnachtsfeiern und der Silvesterball ausgefallen. "Ich sehe schwarz", sagt Hersemeier-Duit. Ihre Gäste hätten eigentlich auf eine Entspannung der Lage gehofft, sagt sie: "Wir waren komplett ausgebucht. Komplett!"

Wir waren zu 100 Prozent ausgebucht für diese Saison!

Ilka Hersemeier-Duit, Inhaberin der Gaststätte Hohewurth im Landkreis Cuxhaven

Nun würden alle ihre Buchung zurückziehen. "Viele Firmen haben jetzt schon abgesagt, weil sie Angst haben, dass sich welche infizieren und die Firma schließen muss." Und viele Gäste hätten auch einfach Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. "Ich kann auch beides verstehen."

Tanzverbot schreckt ab

Eine Köchin mit Maske steht in der Küche eines Restaurants
Ilka Hersemeier-Duit kocht derzeit nur wenige Portionen Grünkohl. Bild: Sina Derezynski

Und die verbliebenen Kohlfans schrecke eines besonders ab, sagt die Wirtin: das aktuelle Tanzverbot. Auch die zwischenzeitliche Maskenpflicht beim Tanzen in der Vergangenheit habe einige von der Buchung abgehalten. Für viele sei die Party mit DJ nach dem Kohlessen das Highlight. "Ganz viele Gäste sagen: Nee, das möchten wir nicht. Wir gehen nicht zum Maskenball, wir möchten schon einen vernünftigen Grünkohlball!" Mit 2G-Plus hingegen könnten viele noch leben.

Ganz viele Gäste sagen: Nee, das möchten wir nicht. Wir gehen nicht zum Maskenball, wir möchten schon einen vernünftigen Grünkohlball!

Ilka Hersemeier-Duit, Inhaberin der Gaststätte Hohewurth im Landkreis Cuxhaven

Das bestätigen auch andere Kohlparty-Veranstalter. Das Tanzverbot mache die Nachfrage zunichte.

Das Café Sand in Bremen und auch die Tanzschule Beer in Bremerhaven etwa haben ihre Kohl-Veranstaltungen ebenfalls gecancelt. In Bremen waren die Leute zwar schon vor ein paar Monaten, als die Infektionszahlen lange nicht so hoch waren wie jetzt, sehr zurückhaltend, schildern die Betreiber des Café Sand. Selbst im sonst ausgebuchten Oktober waren noch einige Plätze frei. Ohne Tanz sei eine Kohlparty nun aber gar nicht mehr attraktiv.

Kampf um die Existenz

Das Schild "Gaststätte Hohewurth" steht vor einem Landgasthaus
Die Gaststätte Hohewurth im Landkreis Cuxhaven ist ein reiner Saalbetrieb. Bild: Sina Derezynski

Aber während im Café Sand noch Restaurant-Betrieb stattfinden kann und in der Tanzschule Beer zumindest die Sportveranstaltungen erlaubt sind, verdienen Ilka Hersemeier-Duit und ihre Familie, die die Gaststätte in dritter Generation betreiben, mit ihrem reinen Saalbetrieb so gut wie gar nichts. Um über die Runden zu kommen, haben sie einen Außer-Haus-Verkauf gestartet, jedoch nur in einem sehr kleinen Umfang. Um das Ganze größer aufzuziehen, bräuchte Hersemeier-Duit mehr Personal. "Aber lohnt sich die Einstellung? Wie lange bleibt die Situation so?", fragt sie sich.

Die Gastronomin versteht die Angst der Gäste und deren Zurückhaltung. Was sie aber nicht versteht, sind die Corona-Verordnungen: "Für uns wäre es einfacher, wenn die Politik sagen würde: Wir machen jetzt mal bis Ende Februar oder 15. März zu. Dann können wir planen und dann können wir weitersehen. Aber dies ist nichts", sagt sie.

Aktuell wartet die Gastronomin auf die Entscheidung der nächsten Ministerkonferenz am Montag. Sie hofft, dass vielleicht doch im Februar Kohl-Gruppen bei ihr einkehren dürfen. Aber sehr optimistisch schaut sie nicht in die Zukunft: "Die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Aber ich glaube nicht, dass wir in diesem Jahr noch einen Grünkohlball in gewohnter Form durchziehen dürfen."

Bremer Teller: Kohl und Pinkel frisch vom Hof

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Das Wochenende, 24. Januar 2022, 13:38 Uhr