Darum könnte der Winter für einige Menschen in Bremen sehr kalt werden

Thermostat an einer Heizung.
Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Der Winter steht vor der Tür und bald müssen die Heizungen wieder angemacht werden. Kaputte Heizungen könnten diesmal problematisch werden. Ersatzteile sind nämlich knapp.

Nicht nur Öl und Gas könnten in diesem Winter richtig teuer werden, wie buten un binnen bereits berichtet hat. Auch die Preise für Heizungen und Ersatzteile sind enorm gestiegen – wenn sie denn überhaupt ankommen. Denn Grund für die Preisanstiege sind vor allem Lieferschwierigkeiten.

"Wir erleben gerade eine Situation, die wir vorher nie kannten", sagt Kai Schulz, Obermeister der Innung Sanitär, Heizung und Klima (SHK) Bremen. "Früher hing es eher an uns, ob wir einen Termin hatten. Jetzt hängt es vor allem am Material", erklärt Schulz.

Bei den Heizungen fehlt es, wie in vielen anderen Wirtschaftszweigen, besonders an Elektronik. Auf der einen Seite gibt es internationale Lieferprobleme. Dass die Elektro-Bauteile für Heizungen aktuell besonders knapp werden, könnte zusätzlich aber auch am Hochwasser im Sommer in NRW und Rheinland-Pfalz liegen. "Die Zulieferer sagen mir im Moment: 'Wir haben großen Bedarf im Ahrtal. Nach der Flut müssen alle Elektronikbauteile in den Heizungen ausgetauscht werden, weil sie sicherheitsrelevant sind.' Auf den hohen Bedarf waren die Hersteller natürlich nicht eingestellt.", erklärt Kai Schulz.

Lange Wartezeiten bei Heizungen und Ersatzteilen

Aber auch bei bestimmten Ersatzteilen könnte es teuer werden und vor allem lange dauern: "Es kann aktuell drei bis vier Wochen dauern, bis die Heizungsersatzteile bei uns ankommen und vier bis acht Wochen, bis die Heizkörper an uns geliefert werden", sagt Heizungsbauer Kai Schulz. Und bis die Ersatzteile schließlich verbaut werden, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher womöglich noch länger warten: "Durch den Fachkräftemangel stellt sich bei uns natürlich auch die Frage: 'wann kann wer?' Um eine Heizung einzubauen haben wir im Moment Vorlaufzeiten von sechs bis zehn Wochen. Wir kannten vorher drei Wochen Vorlauf", sagt Schulz.

Und was, wenn die Heizung wirklich spontan ausfällt? Richtig beruhigen kann Kai Schulz die Verbraucher nicht: "Alle Handwerker sind gut ausgelastet. Es gibt keine Termine vor einem Zeitraum von vier bis sechs Wochen." Verbraucherinnen und Verbraucher, bei denen die Heizung dann ausfalle, müssten zum Beispiel mit Elektro-Heizkörpern improvisieren.

Keiner kann pauschal sagen, wie schnell das geht. Vielleicht steht das Gerät auch auf Lager. Dann würde man versuchen, das schnell zu machen und einen Termin dazwischen zu schieben. Aber wenn das Teil nicht auf Lager ist, kann es lange dauern.

Kai Schulz, Obermeister der Innung Sanitär, Heizung und Klima Bremen

Energieexpertin Inse Ewen von der Verbraucherzentrale Bremen empfiehlt deshalb, sich möglichst früh um die Heizung Gedanken zu machen und zu kümmern: "Eine Heizungsanlage hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren. Wenn die Heizung deutlich älter als 20 Jahre ist, sollten Verbraucherinnen und Verbraucher sich ernsthaft Gedanken über eine neue Heizung machen."

Außerdem empfiehlt Ewen, die Heizungen regelmäßig warten zu lassen: "Das sollte man einmal pro Jahr oder spätestens alle zwei Jahre machen lassen. So können Verbraucher sicherstellen, dass die Verschleißteile ausgetauscht werden und auf dem aktuellen Stand sind. Zum Beispiel werden auch die Lamellen gereinigt." Insgesamt funktioniere die Heizungsanlage dadurch optimaler und spare Energie ein.

Handelskammer-Sprecher: "Wir müssen uns auf höhere Preise einstellen"

Video vom 9. September 2021
Volkmar Herr von der Bremer Handelskammer im Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Niklas Hons Volontär

Dieses Thema im Programm: Bremen 2, Der Morgen, 9. September 2021, 8:10 Uhr