Impfstoff-Mangel: Vor diesen Problemen steht eine Bremerhavener Ärztin

Zwei Hände mit Handschuhen ziehen eine Spritze auf.
Bild: DPA | Peter Kneffel

Insgesamt gibt es laut des Gesundheitsministers genug Impfstoff. Doch Haus- und Fachärzte schlagen wegen Biontech-Knappheit Alarm. Unterstützung kommt von Verbänden.

Impfen, impfen, impfen – das ist momentan die Devise, um aus der Pandemie herauszukommen. Doch das Problem vieler Hausärzte und Fachärzte ist aktuell: Es fehlt das begehrte Mittel von Biontech. Impfstoff generell sei genug da, sagt der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Doch die Auslieferung von Biontech/Pfizer hat er begrenzt, weil der eingelagerte Moderna-Impfstoff sonst verfallen könnte.

Bremerhavener Frauenärztin: Auf Biontech angewiesen

Diese Entscheidung löst großen Unmut bei Ärzten aus – auch in Bremen und Bremerhaven. Frauenärztin Svenja Schildknecht aus Bremerhaven ist frustriert. Von den 30 bestellten Biontech-Impfdosen für ihre schwangeren Patientinnen hat sie in dieser Woche gerade einmal sechs erhalten, sagt sie.

Wir haben große Kampagnen gestartet bezüglich der Impfung, wie notwendig das ist. Wir haben Patienten mühsam überzeugen können, andere kommen freiwillig. Jetzt haben wir die Patienten und können nicht impfen. Es ist eine enttäuschende Situation.

Svenja Schildknecht, Bremerhavener Frauenärztin

Laut Gesundheitsministerium ist genug Impfstoff da, Moderna etwa können Ärzte unbegrenzt bestellen. Doch für schwangere oder stillende Frauen unter 30 Jahren ist Moderna nicht zugelassen, sagt Schildknecht. Sie ist von der Biontech-Knappheit besonders betroffen. "Für bestimmte Gruppen können wir nur Biontech-Pfizer benutzen", so die Fraueärztin. "Das trifft die Gynäkologie, die Geburtshilfe und die Pädiater."

Hausärzteverband findet Verteilung chaotisch

Pädiater – also Kinderärzte – können Patienten zwischen 12 und 18 Jahren ebenfalls nur mit Biontech impfen. So empfiehlt es die Ständige Impfkommission STIKO. Der Bremer Hausärzteverband kritisiert, dass diese Einschränkung bei der Verteilung nicht berücksichtigt werde. Die Verteilung sei ein Chaos, findet der Vorsitzende Hans-Michael Mühlenfeld.

Das Problem ist, dass der Impfstoff falsch verteilt wird. Wir haben die Situation Ärzte Impfstoff bekommen, bekommen können, die ihn gar nicht so gebrauchen und andere Ärzte, die ihn dringend brauchen, vor allen Dingen, weil sie ihn schon verplant haben, bekommen eben den Impfstoff nicht.

Hans-Michael Mühlenfeld, Bremer Hausärzteverband

Höchstens 48 Dosen Biontech pro Woche – das ist die aktuelle Vorgabe für niedergelassene Ärzte. Doch viele bekämen oft nicht einmal ein Drittel der Menge, berichtet die Kassenärztliche Vereinigung Bremen. Der Vorsitzende Bernhard Rochell fordert, dass bestellte Impfstoffe auch ausgeliefert werden können, damit keine Termine hoffnungsvoller Impflige abgesagt werden müssen.

Kassenärztliche Vereinigung gegen Apotheken-Impfung

Möglichst schnelles Handeln sei auch deshalb notwendig, weil demnächst die Impfung von Kindern zwischen 5 und 12 Jahren starten könnte. Damit hätten die Kinderärzte noch mehr zu tun. Ins Gespräch gebracht, wurde auch das Impfen in Apotheken. "Wenn der Gesetzgeber sagt, Apotheken sollen mitimpfen, stehen wir dafür bereit", sagt Isabel Justus, Geschäftsführerin der Apothekenkammer Bremen. "Es ist so, dass wir den Ärzten nichts wegnehmen wollen, aber in dieser Situation sind natürlich alle bemüht möglichst schnell zum Ziel zu kommen, nämlich flächendeckend Impfungen anbieten zu können." Wenn, dann gesche dies aber freiwillig, denn nicht jede Apotheke habe die personellen und räumlichen Möglichkeiten dazu.

Von der Idee hält die Kassenärztliche Vereinigung allerdingswenig. Dies sei der blanke Hohn für die Kollegen die draußen ihr Bestes täten um die Impfkampagne aufrecht zu erhalten. Es sei das dringend erst zu lösende Problem, ausreichend Impfstoff zur Verfügung zu stellen. "Stellt uns genug Impfstoff her und lasst und machen", so Rochell. Frauenärztin Svenja Schildknecht aus Bremerhaven hat nach der mageren Lieferung am Montag noch keine Termine abgesagt. Sie hofft immer noch. "Vielleicht gibt es noch irgendein Depot, auf das man zurückgreifen kann – wir hoffen immer noch, dass wir vielleicht bedient werden."

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Autorinnen und Autoren

  • Carolin Henkenberens
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Mittag, 1. Dezember 2021, 13:15 Uhr