Mehr Rechte für geimpfte Bremer? Die 5 wichtigsten Impfgipfel-Themen

Am Montag finden erneut Gespräche zwischen Bund und Ländern statt. Es wird über das Thema Corona-Impfung diskutiert. Das hat auch für Bremen Relevanz.

Ein Fläschchen mit der Aufschrift "AstraZeneca". Daneben liegen mehrere verpackte blaue Spritzen.
Impfprioritäten, Astrazeneca und Impfungen durch Betriebsärzte sind nur einige der Themen, die beim Impfgipfel besprochen werden könnten. (Symbolbild) Bild: DPA | PIXSELL | Damir Spehar

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich am Montag mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer zu den jüngsten Entwicklungen beim Thema Corona-Impfung besprechen. Dies sind einige der wichtigsten Fragen, die in der Runde diskutiert werden könnten – und Bremen ebenfalls betreffen:

1 Die Lieferung von Impfstoffen

Kürzlich war der AstraZeneca-Impfstoff aufgrund eines Thromboserisikos nur für Menschen ab 60 Jahren empfohlen worden, dann hatte Johnson & Johnson die Lieferung seines Vakzins in Europa wegen Berichten über mögliche Blutgerinnsel verschoben. Ob die Bundesländer ihr Impftempo dabei beibehalten konnten, war zunächst unklar. Bremen zeigte sich dabei zuversichtlich. "Das ist jetzt sicherlich ärgerlich. Wir werden sicher schnell neue Lösungen finden", sagte Gesundheitsressort-Sprecher Lukas Fuhrmann nach Bekanntgabe der Planänderung.

Inzwischen ist im Land Bremen laut Gesundheitsressort jeder zweite Über-60-Jährige mindestens einmal geimpft. Insgesamt hat etwa ein Viertel der Bevölkerung im kleinsten Bundesland mindestens eine Impfung bekommen. "Insgesamt würden wir alle, die Impfzentren wie auch die Praxen, uns natürlich über mehr Impfstoff freuen. Das liegt aber weiterhin nicht in unserer Hand", sagte Fuhrmann am Freitag.

Auf Bundesebene ist beim Thema Lieferung außerdem noch unklar, ob der russische Impfstoff Sputnik V in Deutschland künftig eingesetzt werden kann. Die positive Nachricht: Auch Johnson & Johnson soll nun die geplante Auslieferung einhalten können, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ankündigte. Die ständige Impfkommission in Deutschland empfiehlt dafür keine Altersbeschränkung: Nach US-Daten kam hier ein Thrombosefall auf eine Millionen Impfungen.

2 AstraZeneca

Nach Berichten über einige Thrombosefälle bei jüngeren Menschen nach einer Impfung mit dem AstraZeneca- Impfstoff, wird dieser, wie oben erwähnt, in Deutschland in der Regel nur noch Ü60-Jährigen angeboten. Nun denkt die Bremer Gesundheitsbehörde darüber nach, AstraZeneca auch jüngeren Menschen anzubieten, falls die Ü60-Jährigen vollständig geimpft seien und AstraZeneca-Dosen noch übrig blieben. Dabei wäre Bremen nicht allein: Mehrere Bundesländer haben den Impfstoff inzwischen komplett freigegeben.

Das ist ja wirklich nur eine Überlegung für den Fall, dass mehr AstraZeneca Impfstoff zur Verfügung steht, als Impfberechtigte und Impfwillige über 60 Jahre vorhanden sind.

Lukas Fuhrmann in der Bremer Innenstadt.
Lukas Fuhrmann, Sprecher der Bremer Gesundheitssenatorin

Die Akzeptanz von AstraZeneca war bei Bremern und Bremerinnen nach den Thrombose-Berichten gesunken, doch seit Ende März seien nur 445 von 56.000 Personen nicht zu ihrem Astra-Termin erschienen, teilte die Gesundheitsbehörde vergangene Woche mit.

3 Impfungen bei Betriebsärzten

Bundesgesundheitsminister Spahn hat angekündigt, dass ab Juni Betriebsärzte mitimpfen könnten. Dies soll für mehr Geschwindigkeit beim Impffortschritt sorgen. Er hofft offenbar darauf, dadurch auch bislang unentschlossene Menschen zur Impfung zu bewegen. "Es kommt dann die Phase, wo es um diejenigen geht, die noch unentschieden sind", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Seit über zwei Wochen impfen im Land Bremen auch Hausärzte gegen das Coronavirus. Der Bremer Hausärzteverband hatte eine Woche nach Impfstart die Verteilung des Impfstoffes kritisiert. Die Praxen bekämen nicht genug Biontech-Impfdosen, die Lücke mit AstraZeneca zu füllen, mache wenig Sinn, denn nicht alle Patienten wollten oder könnten den Impfstoff bekommen. Am Freitagmorgen waren in der Stadt Bremen 5.664 Dosen Biontech, 5.420 Dosen Moderna und 4.630 Dosen AstraZeneca auf Lager, wie das Gesundheitsressort mitteilte. In Bremerhaven waren es 4.089 von Biontech, 720 von Moderna und 1.280 von Astrazeneca.

4 Die Impfreihenfolge

Spahn hatte kürzlich angekündigt, dass im Juni möglicherweise die Impfpriorisierung aufgehoben werden könnte. Der Grund seien gestiegene Lieferungen der Impfstoffe. Doch am Freitag hat die Regierung die Erwartungen ein wenig gedämpft. Spahn selbst sagte, man könne nicht erwarten, innerhalb von einer Woche gleich jedem einen Termin anbieten und im Juni alle impfen zu können. Und auch Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) betonte, die Menschen müssten sich auf Wartezeiten einstellen.

Ein Bremer Alleingang ist hier nach aktueller, gesetzlicher Lage ausgeschlossen: Die Reihenfolge komplett aufzuheben sei Aufgabe des Bundes, da dieser sie per Verordnung erlassen habe, bestätigte die Bremer Gesundheitsbehörde.

Zum Thema Impfreihenfolge hat die Bildungsgewerkschaft (GEW) in Bremen am Freitag den Senat aufgefordert, allen Beschäftigten in allen Schulstufen ein Impfangebot zu machen – am besten in der Woche der Schulschließungen. "Wenn die Impfpriorisierung demnächst ganz aufgehoben wird, kann es bei der Terminvergabe wieder sehr eng werden", teilte die Gewerkschaft mit.

5 Mehr Rechte für Geimpfte?

Ein wichtiges Thema beim Impfgipfel ist sicherlich die rechtliche Lage der vollständig Geimpften. Zum einen muss die ethische Frage geklärt werden, ob es vertretbar sei, zweimal Geimpfte wie Menschen mit negativem Corona-Test zu behandeln. Dies hätte Auswirkungen auf ihre Reise- und Freizeitmöglichkeiten, etwa bei Öffnungen des Handels oder der Kulturstätten, sowie auf Quarantänen, die für sie eventuell wegfallen könnten. Außerdem gibt es noch eine rechtliche Frage, und zwar, ob der Staat Geimpften noch Kontaktbeschränkungen auferlegen dürfe. Eine weitere Frage ist die des Umgangs mit Kindern, die derzeit nicht geimpft werden können.

In Bremen und Bremerhaven gingen unter den Bürgern und Bürgerinnen die Meinungen über Freiheiten für Geimpfte auseinander. "Ich glaube, dass da viele benachteiligt werden. Ich bin zwar geimpft, aber ich bin nicht dafür", sagte ein befragter Passant buten un binnen. Anders sah es ein junger Mann. "Ich finde es in Ordnung", da ältere Menschen eh tendenziell unter der sozialen Ausgrenzung litten, vor allem in den Heimen.

Rückblick: Lockert auch Bremen die Impfreihenfolge?

Bild: DPA | Mauro Ujetto

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Serena Bilanceri Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. April 2021, 19:30 Uhr