Hafen der Zukunft: So will sich Bremerhaven nachhaltig aufstellen

Kongress in Bremen: Kann die Schifffahrt emissionsfrei werden?

Bild: Radio Bremen

In Bremen hat der 5. Kongress zu Nachhaltigkeit in der Schifffahrt begonnen. Bremerhaven setzt für einen grüneren Standort unter anderem auf Wasserstoff und hat noch viel vor.

Sechs rote Gasflaschen stehen neben einem Container vor der Hochschule Bremerhaven. Darin: Der Stoff, um den sich in den Bremischen Häfen derzeit vieles dreht. "In diesen Gasflaschen wird Wasserstoff gespeichert, um ihn dann, wenn wir ihn benötigen, wieder rückzuverstromen", sagt Claas Schott vom Verein H2BX. Der Verein will Wasserstoff-Projekte in Bremerhaven vorantreiben. Im Container vor der Hochschule wird derzeit Wasserstoff in kleinen Mengen gewonnen und gespeichert. Daraus wird dann bei Bedarf wieder Strom erzeugt, der eine ganze Halle der Hochschule versorgt.

Wasserstoff könnte in vielen Bereichen helfen

Diese Technik soll bald auch in den Häfen zum Einsatz kommen, zum Beispiel in einem grünen Gewerbegebiet in Bremerhaven: "Ja, Wasserstoff wird in vielen Bereichen im Hafen eine Rolle spielen – ob es in der Schifffahrt als Antriebsenergieträger ist, aber natürlich auch für die Energieversorgung in den Häfen", so Schott. Von den großen Kränen bis zu den Container-Transportern, den sogenannten Van Carriern – alle brauchen Energie.

Die Energiemengen, über die wir reden, um so einen Hafen zu betreiben, müssen irgendwie gespeichert, transportiert und bereitgestellt werden. Das wird man allein mit Batterien nicht bewerkstelligen können. Da kommen wir am Wasserstoff nicht vorbei.

Ein Mann schaut aus dem Fenster eines Containers.
Claas Schott, H2BX

Allerdings könnte es aus Sicht von Schott bei einigen Projekten auch schneller gehen. Es passiere viel und werde viel unterstützt. Nur manchmal wünscht er sich mehr Kommunikation, was die Firmen wirklich brauchen. Oder die Fördermittel seien Augenwischerei, sagt Schott. "Wenn es für ein Unternehmen trotzdem doppelt so teuer ist, wie eine konventionelle Anwendung, dann lohnt es sich nicht, das sofort umzusetzen."

Technologie steht noch am Anfang

Wasserstoff ist ein grüner – also umweltfreundlicher – Energieträger. Doch die Technologie steht noch am Anfang. Das gilt auch für Schiffs- und Lkw-Antriebe. Robert Howe, Chef der Hafengesellschaft Bremenports, sagt: "Wasserstoff ist dem Grunde nach ein Produkt, was wir hier in unserem Hafen auch auf alle Fälle aus verschiedener Perspektive heraus bearbeiten müssen." Die Gesellschaft hat sich Nachhaltigkeit schon länger auf die Fahne geschrieben.

Wir sind seit vielen Jahren tatsächlich dabei, unsere Häfen klimaneutral zu entwickeln. Und wir haben in den letzten zehn Jahren auch wirklich viel geschafft.

Bremenports-Chef Robert Howe
Robert Howe, Bremenports

Bis Ende 2023 soll die gesamte Hafeninfrastruktur CO2-neutral sein. In den letzten Jahren konnte Bremenports die Emissionen schon um 75 Prozent senken. "Wir haben das durch wirklich intensive Betrachtung unserer technischen Anlagen erreicht", sagt Howe. Wo es ging, seien Wärmepumpen mit neuen technischen Anlagen ausgestattet und der Verbrauch reduziert worden. Auch in den Büros sei der Verbrauch reduziert worden. "Jeder Einzelne hat da seinen Beitrag zu geleistet und wir haben auch große Investitionen getätigt", so Howe. "Was die Regierung uns aufgetragen hat, bis 2023 die die Klimaneutralität in unserem Hafen zu erreichen, da können wir heute sagen, das schaffen wir."

Hafenunternehmen sollen klimaneutral arbeiten

Doch damit wäre nur eines der großen Ziele erreicht. Bremenports will außerdem, dass auch die Hafenunternehmen so schnell wie möglich klimaneutral arbeiten. "Und deswegen sind wir auch sehr froh, dass einer der größten Player hier in Bremerhaven, die BLG Logistics Group, für sich selber auch das Ziel 2030 auserkoren hat, um auch die eigene Klimaneutralität zu erreichen", sagt Howe. "Von daher ist das ein echter Impuls, den wir gesetzt haben, aber den letztendlich auch alle Betriebe im Hafen umsetzen wollen."

Claas Schott von der Wasserstoffinitiative jedenfalls hofft, dass Bremerhaven bei innovativen Ideen rund um den nachhaltigen Hafen schon bald ganz vorne dabei ist. "Man redet immer über Konzepte und Papiere, wie es mal aussehen könnte – ich hoffe, dass man bald sehen kann, dass die Projekte realisiert werden."

So wird "grüner" Wasserstoff hergestellt

Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 9. November 2021, 7:35 Uhr