Diese Frau klärt in Bremen dreisprachig über Corona auf

Eine Frau mit FFP2 Maske steht vor einem Fahrzeug vom Roten Kreuz
Shirin Mohamed ist Vertrauensperson – in der eigenen Familie und in den Stadtteilen Bremens. Bild: Radio Bremen | Shirin Mohamed.

Shirin Mohamed spricht mit den Menschen. Sie ist Gesundheitsmediatorin und erklärt alles rund um Corona. Dabei kämpft die Dolmetscherin auch mit Falschinformationen.

Shirin Mohamed ist 38 Jahre alt und lebt seit mehr als sechs Jahren mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Blockdiek. Und sie ist eine von acht Bremer "Gesundheitsmediatorinnen" des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS). Sie geht durch ihren Stadtteil und klärt über Corona auf.

Eine Grundvoraussetzung für ihre Arbeit: "Man muss viele Sprachen sprechen", erzählt Shirin. Sie selbst spricht Russisch, Arabisch und Kurdisch sowie natürlich Deutsch. Bald, so hofft sie, werde sie auch als Dolmetscherin arbeiten können – bis dahin nutzt sie ihre Sprachkenntnisse als Gesundheitsmediatorin.

Gespräche aus dem Alltag

Zu ihren Aufgaben gehört es, im Stadtteil Interviews mit den Anwohnerinnen und Anwohnern zu führen. Aus den Ergebnissen entwickelt sie mit den anderen Gesundheitsmediatorinnen und der Projektleiterin Marieke Gerstmann Handlungsstrategien, wie die Menschen in Osterholz am besten durch die Corona-Pandemie kommen.

Bei ihrem Interviews trifft sie die Menschen ganz persönlich. Sie erfährt, warum sich der Zahnarzt hat impfen lassen und eine junge Mutter nicht zum Impftermin gegangen ist. Dabei erklärt sie den Menschen auch, wie man sich vor Corona schützen kann.

Einfache Bilder statt lange Infoschreiben

Eine erste Erkenntnis: Lange Texte und Erklärungen bringen weniger als einfache Bilder – die genau das erklären: Händewaschen, Lüften, Abstand und Maske tragen. Und das in vielen Sprachen. "Wir haben dann Flyer gemacht und die alle verteilt, einfach weil keiner lange Teste lesen will", berichtet Shirin davon, wie die theoretische Idee praktisch umgesetzt wurde.

Dabei kämpft die 38-jährige Mutter immer wieder mit Falschinformationen – auch in der eigenen Familie. Eine ihrer Töchter wollte sich nicht impfen lassen. Warum? In der Schule habe die 14-Jährige gehört, dass sie nach einer Schutz-Impfung keine Kinder mehr bekommen könne, so Shirin. Das konnte Shirin ihrer Tochter genauso erklären wie den Menschen in ihrem Stadtteil. Genau wie innerhalb ihrer Familie ist sie auch außerhalb eine Vertrauensperson – zwischen wissenschaftlichem BIPS und den Menschen im Stadtteil.

Kultur und Sprache sind wichtige Faktoren

Manchmal hakt es einfach an der Kommunikation – wie bei Impfaktionen in den Stadtteilen. Da geht Shirin mit ihren Kolleginnen durch die Warteschlangen und übersetzt Fragen, erkundigt sich nach Vorerkrankungen und Allergien. Das mache ihr großen Spaß, berichtet sie und passe gut in ihren Alltag. Ihre Arbeitszeiten kann sie sich neben ihrer Familie frei einteilen. In Syrien hat Shirin eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) gemacht, ist dann aber mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen.

Shirin vertraut der deutschen Wissenschaft und den Medizinern, erklärt, warum das so ist und verbreitet die Informationen in ihrem Stadtteil.

Die Mediziner und Ärzte waren die ersten, die geimpft wurden und dann wusste ich, dass ich das auch will.

Shirin Mohamed, Gesundheitsmediatorin

Häufige Fragen sind: Ab wann kann man Kinder impfen lassen? Und sollte man das auch tun? Reichen zwei Impfungen oder müssen es drei sein?

"Die Leute verstehen mich, wenn ich ihre Sprache spreche", fasst Shirin ihre Arbeit zusammen. "Viele Leute sind gut gebildet und wenn ich ihnen etwas auf ihrer Sprache erkläre, verstehen sie das."

Von Osterholz zum BIPS und zurück

Als nächstes plant das BIPS mit den Gesundheitsmediatorinnen Informationen für Jugendliche und Kinder. Damit auch sie verstehen, wie die Impfung wirkt, wer sich impfen lassen sollte und einfach, damit die Kinder eine Ansprechpartnerin haben.

Noch bis Juni sind die Gesundheitsmediatorinnen in Bremen unterwegs. Erste Erfolge sieht das BIPS aber schon jetzt. Durch die Mediatorinnen erreiche man mehr Menschen und die Vertrauensbasis ist eine andere, so Marieke Gerstmann, Projektkoordinatorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am BIPS. Schon jetzt habe man erste Ansätze aus der Arbeit der Frauen ziehen können. "Da werden Dinge angesprochen, an die wir Wissenschaftler noch gar nicht gedacht haben", so Gerstmann.

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Bild: DPA | Marijan Murat

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Autorin

  • Marike Deitschun Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. Dezember 2021, 19:30 Uhr