Fragen & Antworten

So bedrohlich ist Sturm "Ignatz" für Bremen und Bremerhaven wirklich

Stürmische Aussichten für Bremen und Bremerhaven

Audio vom 20. Oktober 2021
Eine Frau mit roten Gummistiefeln läuft bei Sturm an der Nordseeküste von Langeoog
Bild: Imago | localpic
Bild: Imago | localpic

Tiefdruckgebiet "Ignatz" zieht über Norddeutschland hinweg. Wir erklären, was in Bremen, Bremerhaven und umzu heute und in den nächsten Tagen zu erwarten ist.

Das Tiefdruckgebiet namens Ignatz zieht von Mittwoch bis zum Wochenende vom Harz über Bremen und Bremerhaven hinweg. Zwar ziehe der Sturm über Nordrhein-Westfalen Richtung Brandenburg, "aber wir sind noch voll mit drin – das ist kein kleiner regionaler Sturm", sagt Meteorologe Alexander König. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was erwartet uns in Bremen und Bremerhaven?
Die aktuelle Wetterlage ist besonders markant, weil viele Bäume noch belaubt sind und dem Wind so eine größere Angriffsfläche bieten, erklärt Meteorologe Alexander König. Dadurch können Äste schneller abbrechen und Bäume umstürzen, im Moment reichen da schon schwere Sturmböen aus.
"Am Mittwoch bekommen wir noch sehr milde Luft", führt König aus, "dann nimmt der Wind kontinuierlich zu, bis es Mittwochabend zu ersten Gewittern und auch Sturmböen kommen kann." Der Hauptsturm erreiche das Bremer Land dann am Donnerstagmorgen – das betrifft Bremen, Bremerhaven und das Umland.
Gibt es dabei Unterschiede zwischen Bremen und Bremerhaven?
Ja, am Donnerstagnachmittag nimmt der Wind laut Vorhersagen im Binnenland ab, an der Küste um Bremerhaven bleibt er stark. Es können schwere Sturmböen bis 95 Stundenkilometer auftreten, lokal auch bis zu 110 Kilometer pro Stunde - das entspricht Windstärke elf.

Das sind keine Windgeschwindigkeiten, die wir in Bremen noch nie hatten, aber der Sturm herrscht bundesweit und wirkt sich überall aus: Auf den Schienenverkehr, auf die Küste und auf einzelne lokale Gebiete.

Alexander König, Metereologe
Unklar ist aber noch, wo diese einzelnen lokalen schweren Gewitter auftreten. Die sogenannten "eingelagerten Gewitter" befinden sich in einer Höhe, wo der Wind extrem stark ist. Wenn sich diese entladen, können die Höhenwinde mit heruntergezogen werden und es kann zu einzelnen orkanartige Böen kommen.
Grafik die erläutert, was bei welchen Windstärken passiert
Bild: Deutscher Wetterdienst
Wie können wir uns vorbereiten?
Auf jeden Fall sollte man seinen Garten und Balkon sichern und sturmfest machen, rät der Meteorologe. "Und keine unnötigen Waldspaziergänge machen, denn im Wald ist die Gefahr von umfallenden Bäumen und Ästen besonders groß", so König.
Was auch wichtig ist, aber doch oft vergessen wird: "Sein Auto nicht auf Überflutungsgebieten an der Weser und an der Küste parken." Denn das passiere jedes Mal wieder, dass auch Autos überschwemmt werden. Auch mit Blick auf den Bahnverkehr rät König auf unnötige Reisen zu verzichten, das erspart auf jeden Fall Ärger.
Was macht dieses Tiefdruckgebiet aus?
Man kann sich das so vorstellen, dass die letzten milden Tage mit der Sturmflut von der Küste kamen und jetzt sehr kalte Luft hinterher kommt. Durch die Winddrehung kommt es so etwas zeitverzögert zu einem Hochwasser, dass kann auch die Sturmflutmarke von 1,5 Meter übersteigen.
Ein umgeknickter Baum nach einem Sturm im Wald
Gerade im Herbst sind Stürme besonders gefährlich. Bild: Imago | Shotshop
Besteht in Bremen und Bremerhaven Überschwemmungsgefahr?
Für die Weser bei Bremerhaven an der Nordsee werden 1 bis 1,3 Meter über dem mittleren Tidehochwasser erwartet. In Bremen an der Binnenweser kann es noch etwas höher werden – bis zu 1,5 Meter. Dort staut sich das Wasser, da es gleichzeitig abwärts fließt.
"Das hat aber keine großen Auswirkungen außer Überschwemmungen in den Überschwemmungsbereichen", so der Meteorologe.
Gibt es schon Vorhersagen zu den kommenden Tagen und zum Wochenende?
Am Freitag schwächt der Wind zwar ab, es ist aber noch nicht vorbei, so der Wetterexperte: Es kann noch zu einzelnen kräftigen Schauern und Sturmböen kommen.
Am Wochenende wird es ruhiger, dann ist die Sturmlage vorbei. Temperaturmäßig kann es am Donnerstag nochmal bis 14 Grad werden, dann wird es ungemütlich und deutlich kälter.

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Autorin

  • Marike Deitschun Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Wettergespräch, 20. Oktober 2021, 8.20 Uhr