Liefers hält an Corona-Kritik fest: "Ironie war vielleicht ungeeignet"

  • Jan Josef Liefers: Habe Menschen eine Stimme geben wollen, die unter den Corona-Maßnahmen leiden
  • Der Schauspieler war in der Talkshow 3nach9 zugeschaltet
  • Er hat über seine Beteiligung an der Kampagne #allesdichtmachen gesprochen
Video vom 23. April 2021
Ein Mann, Jan Josef Liefers, schaut in die Kamera.
Bild: Imago | Rüdiger Wölk
Bild: Imago | Rüdiger Wölk

Jan Josef Liefers ist nach heftiger Kritik an der Aktion #allesdichtmachen ein Stück zurückgerudert. Die Wahl der Mittel könne man bezweifeln, doch zu seiner Aussage stehe er, sagte der Schauspieler am Freitagabend in der Talkshow 3nach9. Er und über 50 Kolleginnen und Kollegen hatten am Donnerstag Videos veröffentlicht, in denen sie in ironischem Ton die Corona-Maßnahmen kritisieren. Die teils als zynisch aufgenommenen Beiträge hatten für viel Kritik gesorgt, aus dem rechten Lager und von Pandemie-Leugnern allerdings auch Beifall erhalten.

In dem Video, das auf dem Youtube-Kanal der Kampagne veröffentlicht wurde, kritisierte er vor allem die Berichterstattung der Medien über die Pandemie. "Das sollte ein ironischer Protest sein von Leuten, die sich aktuell nicht gut wieder finden können – auch in den Medien", erklärte Liefers die Kampagne.

Für diese Leute gibt es keine Stimme. Vielleicht habe ich mich übernommen, das gebe ich gerne zu, aber diese Art von Stimme wollte ich gerne geben.

Ein Mann, Jan Josef Liefers, schaut in die Kamera.
Jan Josef Liefers, Schauspieler

Er habe Menschen vertreten wollen, die unter den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung leiden. "Vielleicht habe ich mich übernommen, das gebe ich gerne zu. Aber diese Art von Stimme wollte ich gerne geben", so Liefers. Allerdings sei Ironie hier vielleicht das falsche Mittel gewesen.

Munition für rechte Gruppen?

Häufig wurde seit der Veröffentlichung der Kampagne kritisiert, dass sie rechte Gruppen und Pandemie-Leugner bestätige. Denn Zuspruch kam vor allem von rechts. In zahlreichen "Querdenker"-Gruppen bei Telegram wurden die Videos geteilt, AfD-Politiker lobten die Aktion. Vor allem Liefers bediente mit seiner Medien-Schelte das Bild der gesteuerten Medien, das gern von Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten genutzt wird. Von denen hatte der Schauspieler sich bereits im Vorfeld der Sendung per Twitter distanziert.

In der Sendung bekräftigte Liefers das erneut. "Das war auf keinen Fall dafür da, rechte Schwurbler und Wirrköpfe zu munitionieren", so Liefers. Allerdings finde er es schade, dass man als Kritiker der Maßnahmen "sofort ziemlich radikal in Ecken gepusht wird, in die man gar nicht gehört".

Kritik aus ganz Deutschland

Neben Jan Josef Liefers waren unter anderem auch Schauspielerinnen wie Heike Makatsch und Meret Becker an der #allesdichtmachen-Kampagne beteiligt. Einige von ihnen distanzierten sich bereits von der Aktion und löschten ihre Beiträge.

Zuvor hatten auch Schauspiel-Kollegen wie Nora Tschirner und Elyas M’Barek sie scharf kritisiert. Auch Bremer Kulturschaffende bezeichneten die Aktion als "überheblich" und widersprachen vor allem der Art, in der die Zweifel an den Corona-Maßnahmen transportiert wurde.

So reagieren Bremer Kulturschaffende auf #allesdichtmachen

Video vom 23. April 2021
Ein Tweet über die Aktion "Allesdichtmachen" von Schauspielern und Kreativen gegen die aktuellen Corona-Bestimmungen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Weitere Informationen:

Dieses Thema im Programm: Radio Bremen Fernsehen, 3nach9, 23. April 2021, 22 Uhr