Das steckt hinter dem Katalysatoren-Klau in Bremen und Bremerhaven

Allein in der Stadt Bremen sind seit Dezember 78 Katalysatoren aus Autos gestohlen worden. Meist bei älteren Modellen. Die Fahrer merken es, wenn sie starten wollen.

Video vom 5. Mai 2021
Ein Mann beleuchtet ein Auto von unten
Bild: Radio Bremen
Bild: Imago | GlobalImagens

Anja Sommer dachte an nichts Böses, als sie kürzlich in ihr Auto stieg und den Zündschlüssel umdrehte. Doch dann das: "Der Wagen hat einen Höllenlärm gemacht", sagt die Bremer Rentnerin. Statt loszufahren, sei sie ausgestiegen, habe den ADAC gerufen. Dann die schlechte Nachricht: Offenbar hat jemand über Nacht den Katalysator ihres Opel Astra von 1999 gestohlen. Und das, obwohl das Auto mitten an der Thedinghauser Straße stand, also an einem für jedermann gut zu überblickenden, öffentlichen Ort in der Neustadt. Niemand aus der Nachbarschaft habe etwas bemerkt, berichtet Sommer.

Dennoch habe sie der Polizei am Telefon nicht lang erklären müssen, was passiert war. "Die waren sofort im Bilde, für die war nicht neu, was ich da erzählte", erinnert sich die Autofahrerin. Tatsächlich ist der Abgasreiniger ihres Autos bei weitem nicht der einzige, den Unbekannte in den letzten Wochen und Monaten im Land Bremen gestohlen haben. So hat die Polizei in der Stadt Bremen in der Zeit von Mitte Dezember bis Mitte April 78 Katalysator-Diebstähle gezählt, sagt Polizei-Sprecherin Franka Haedke.

Ähnlich das Bild in Bremerhaven: Dort hat die Polizei für das laufende Jahr bereits 16 Katalysator-Diebstähle registriert, neun davon im April, teilt Frank Lorenz von der Polizei Bremerhaven mit. Zum Vergleich: Während des gesamten Jahres 2020 seien in Bremerhaven lediglich drei Katalysatoren als gestohlen gemeldet worden, so Lorenz.

Alte Benziner besonders gefragt

In einer Werkstatt wird unter einem Auto am Katalysator geschweißt.
Nicht nur für Werkstätten ist es vergleichsweise einfach, an alte Katalysatoren auf der Unterseite von Autos heran zu kommen. Bild: Imago | GlobalImagens

Auch die Fahrzeughalterinnen und -halter in Bremerhaven hätten oft erst beim Start der Autos gemerkt, dass etwas nicht stimmte, berichtet der Polizei-Sprecher. Typischerweise seien ältere Modelle mit Benzinmotor von den Katalysator-Diebstählen betroffen, etwa solche von Volkswagen oder von Opel. Denn die Katalysatoren dieser Wagen seien aufgrund ihres hohen Edelmetallgehalts oft mehrere 100 Euro wert, unter Umständen sogar mehr als 1.000 Euro. Außerdem ließen sie sich einfacher stehlen als jene neuerer Fahrzeuge, da sie sich normalerweise ungeschützt auf der Unterseite der Fahrzeuge befänden.

Tatsächlich benötigen Profis unter Umständen noch nicht einmal einen Minute, um den Katalysator eines älteren Autos zu stehen, wie Aufnahmen einer britischen Überwachungskamera belegen. Per Rangierbock heben sie das Fahrzeug an, um dann den Kat von der Unterseite des Fahrzeugs mit einem Kettenrohrschneider oder auch mit einer Flex zu entfernen.

Dass alte Katalysatoren, wie sie bis vor gut zehn Jahren verbaut worden sind, als Diebesgut offenbar immer begehrter werden, könnte mit den sprunghaft gestiegenen Edelmetallpreisen zusammenhängen. Das zumindest vermuten Kevin Kostas und Michael di Dios. Sie leiten die Autoverwertung und Metallhandel GmbH in Schwanewede. Es gehe den Dieben um die Beschichtung der alten Kats. Denn diese enthalte Palladium, Platin und vor allem Rhodium, sagt di Dio und fügt hinzu: "Gerade Rhodium ist explosionsartig im Preis gestiegen".

Rhodium immer teurer

Tatsächlich lag der Preis pro Gramm Rhodium vor fünf Jahren noch unter 20 Euro pro Gramm. Anfang Mai 2021 verzeichnet der Edelmetall Handelskonzern Heraeus für Rhodium einen durchschnittlichen Ankaufspreis von mehr als 660 Euro pro Gramm – Tendenz: steigend.

Kostas und Di Dio glauben, dass die vielen Katalysator-Diebstähle der letzten Wochen in Bremen und Bremerhaven auf das Konto osteuropäischer Banden zurückgingen. Zwar bestätigt die Polizei Bremen, dass sie unter anderem gegen vier Männer aus Bulgarien ermittelt, bei denen die Beamten im März 45 offenbar gestohlene Katalysatoren sichergestellt hätten. Ob aber tatsächlich Banden hinter den Diebstahlserien in Bremen und Bremerhaven stehen, darüber möchte weder die Polizei Bremen noch die Polizei Bremerhaven spekulieren. Davon unberührt rät sie Haltern älterer Fahrzeuge mit Katalysatoren, diese an gut einsehbaren Plätzen oder in Garagen abzustellen.

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. Mai 2021, 19.30 Uhr