Fragen & Antworten

Das wünschen sich die Bremerhavener für ihre Innenstadt

Audio vom 21. September 2021
Mehrere Personen stehen um ein Stadt-Modell herum.
Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens
Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Ein neuer Bildungsort, eine Verbindung zum Wasser, ein Club: Bürger konnten im Zukunftscamp Ideen für eine attraktivere Innenstadt sammeln. Das sind die Ergebnisse.

750 Menschen haben sich am Zukunftscamp zur Bremerhavener Innenstadt beteiligt. Fünf Tage lang konnten Bürgerinnen und Bürger ihre Ideen und Wünsche zur Innenstadt teilen. Auch Vertreter von der Hochschule, aus der Verwaltung, von der Architektenkammer und aus dem Einzelhandel waren dabei.

Welche Ideen gibt es?
Die übergeordnete Grundidee ist, dass man künftig nicht mehr nur zum Einkaufen in die Innenstadt kommt, sondern auch für Veranstaltungen, zum Arbeiten oder Wohnen. Das ist Konsens verschiedener Experten und auch viele Besucher fänden das gut. Wenngleich die Ergebnisse nicht repräsentativ sind.

So gab es etwa die Forderung, neben Geschäften auch mehr andere Angebote wie zum Beispiel Cafés in die Stadt zu bringen. Auch Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) sagte ganz klar: Die Zeit der großen Kaufhäuser sei vorbei, so schwer der Abschied einigen auch falle. Und in der Tat äußerte manch einer, ohne Kaufhaus könnten nicht alle nötigen Angebote abgedeckt werden.

Die Ideen reichten außerdem von mehr Sportflächen draußen und Orten ohne Kaufzwang bis zu einer nachhaltigen Markthalle. Ein Problembereich ist das Columbus-Center. Deshalb wurde die Idee geäußert, im leer stehenden Saturn einen Bildungsort einzurichten, mit der Stadtbibliothek, der Volkshochschule und der Hochschule unter einem Dach. Bisher ist die Bibliothek im Columbus-Center etwas versteckt – so wäre sie dann viel sichtbarer durch die offenen Schaufenster.
Die Stadt möchte jüngere Menschen halten – was sind deren Wünsche?
Aus der Altersgruppe kam der Wunsch nach einem Club zum Feiern. Camp-Organisator Markus Ewald vom Hamburger Büro für Stadtentwicklung "Urbanista" sagt: "So ein Club kann viel mehr sein als nur eine Event-Veranstaltung, das ist dann wirklich so ein Ort, wo man Kontakte knüpft, wo man bis ins Berufliche rein Verbindungen schafft, der hat ganz viele Funktionen. Der ist auch wichtig für junge Leute – und das fehlt." Aktuell gibt es in Bremerhavens Innenstadt keine Diskothek mehr. Ein weiterer Vorschlag ist, auf dem Dach des Columbus-Centers eine Rooftop-Bar einzurichten.
Ist die Diskussion über die Innenstadt durch den Karstadt-Abriss überholt worden?
Am vergangenen Freitag verkündete die Stadt, dass sie den Karstadt-Komplex kauft und abreißt. Außerdem präsentierte sie erste Entwürfe für Neubauten. Das seien allerdings erste Ideen, mit Bürgern und Investoren sollen konkrete Pläne erarbeitet werden. Dafür sei unter anderem das Zukunftscamp gedacht gewesen, sagt die Stadt. Auch wegen der neuen Pläne für das Karstadt-Areal wurde im Camp intensiv über die vierspurige Columbusstraße diskutiert, die die Innenstadt von den Havenwelten abtrennt.

Grantz betonte, dass es ohne Rückbau der Straße nicht geht, wobei er noch nicht verriet, was das genau heißt: "Die Dimension des Rückbaus, warum soll ich da was vorgeben? Wir bekommen da ein Gutachten. Das werden wir im Herbst veröffentlichen und dann werden wir zu mehrheitsfähigen Entscheidungen kommen. Der heißt aber bestimmt: Rückbau." Das Thema hat einige Brisanz in Bremerhaven, weil der Koalitionspartner CDU will, dass die Straße vierspurig bleibt und nur die Fahrbahnen etwas schmaler werden. Das hat Fraktionschef Thorsten Raschen am Dienstag nochmal bestätigt.
Was passiert jetzt mit den Ergebnissen?
Die Ergebnisse fließen in das neue Innenstadt-Konzept ein. Das soll bis Ende des Jahres fertig sein. Letztlich hängt die Umsetzung aber auch davon ab, wie viel Geld die Stadt dafür zur Verfügung stellt – und wie sich Investoren oder Gebäudeeigentümer einbringen. Am Beispiel Columbus-Center, das mehreren Eigentümer-Gemeinschaften gehört, wird deutlich, wie schwer Stadtentwicklung ohne deren Mitwirkung ist. Das brachte Grantz zu einem Appell: "Wenn sich jetzt Eigentümer bewegen und die Ideen mal für sich bewerten, dann gibt es vielleicht die Chance, dass der ein oder andere sein Ladengeschäft günstiger zur Verfügung stellt. Die Stadt wird investieren, aber andere müssen das auch tun."

Das sind Bremerhavens Pläne für eine neue Innenstadt

Video vom 17. September 2021
Luftbild: Das ehemalige Karstadtgebäude in der Innenstadt Bremerhaven.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Carolin Henkenberens Redakteurin und Autorin
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 21. September 2021, 15:35 Uhr