Fragen & Antworten

Was Sie jetzt zur Corona-Impfung wissen sollten

Video vom 20. August 2021
Der Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer wird in eine Spritze aufgezogen.
Bild: DPA | Ulmer
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Bremen ist bei der Impfquote bundesweit Spitzenreiter, Herdenimmunität ist aber noch nicht erreicht und das Impftempo stagniert. Die wichtigsten Antworten zum Thema Impfen.

Beim Impfen hat Bremen bereits seit Monaten die Nase vorne. Unter den Bundesländern hat das kleinste die höchste Impfquote gemessen an der Bevölkerung, sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitimpfungen. Und dennoch liegt die Herdenimmunität weiterhin in ferner Zukunft. Kann sie überhaupt erreicht werden? Wie viele Menschen müssten sich dafür noch impfen lassen? Wir haben die aktuellen Informationen zum Thema Corona-Impfung gesammelt.

Wie viele Menschen wollen sich in Bremen derzeit nicht impfen lassen?
Gerade haben laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) 72,7 Prozent aller Menschen im Land Bremen mindestens eine Spritze bekommen. Das Bremer Gesundheitsressort schätzt den Anteil der Bürger und Bürgerinnen, die schwanger sind, sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können oder noch als genesen gelten, auf etwa vier Prozent. Hinzu kommen etwa 11 Prozent, die zu jung für eine Impfung sind. Insgesamt haben sich also 12,3 Prozent aller Bremer und Bremerinnen noch nicht impfen lassen.

So viele Bremer haben sich bislang impfen lassen

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Kann die Herdenimmunität überhaupt noch erreicht werden?
Am Anfang der Pandemie hatten Experten noch von einer Impfquote von etwa 65 Prozent gesprochen, damit die Herdenimmunität erreicht werden könnte. Jetzt lässt die Delta-Variante, die auch in Deutschland vorherrschend ist, die erforderliche Quote in die Höhe schnellen: Gut 80 bis 84 Prozent der Bevölkerung sollten immun sein, damit dieser Schutzmechanismus eintritt, wie der Virologe Andreas Dotzauer bestätigt.

Da auch Genesene eine Zeit lang immun sind, sollte mindestens eine Impfquote von etwa 80 Prozent erreicht werden. Momentan liegt sie in Bremen laut RKI bei 68,3, in Deutschland bei 57,8 Prozent. Denn, wie Dotzauer erläutert, es nutzte nichts, dass nur eine Stadt den Herdenschutz erlange. "Die Herdenimmunität ist sinnvoll bei größeren Bevölkerungsgruppen, sie sollte mindestens deutschlandweit erreicht werden." Momentan stockt aber die Impfkampagne bundesweit.

Anzahl der Menschen im Land Bremen, die mindestens einmal geimpft sind

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Auch das RKI stuft das Erreichen eines Herdenschutzes im Augenblick als nicht realistisch ein. Eine Herdenimmunität würde bedeuten, dass die Pandemiezustände und die entsprechenden Maßnahmen verschwinden könnten, da die Infektionen nur noch vereinzelt auftreten würden, so Dotzauer.

Vor zwei, drei Wochen war ich anderer Meinung, aber jetzt denke ich nicht mehr, dass wir sie erreichen werden.

Virologe Andreas Dotzauer steht auf einem Flur.
Andreas Dotzauer, Virologe
Können alle, die es wollen, sich inzwischen immunisieren lassen?
Für Menschen ab zwölf Jahren liegt mittlerweile eine allgemeine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) vor. Eine Ausnahme bilden Schwangere und Stillende. Sie sollten die Entscheidung zusammen mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin individuell treffen. Menschen mit gewissen Vorerkrankungen oder Veranlagungen kann außerdem von den behandelnden Ärzten abgeraten werden. Genesene können sich ab vier Wochen nach Ende der Symptome impfen lassen.

Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff. Kinder ab zwölf konnten sich in Bremen bereits ab dem 6. August im Impfzentrum impfen lassen, für sie ist eine Impfstraße eingerichtet worden. Die Jugendlichen sollen zuvor einen Brief von der Stadt mit dem entsprechenden Code erhalten haben. Die Impfwilligen und deren Eltern können sich ebenfalls an ihren Kinderarzt wenden. An Bremer Schulen sind momentan keine Impfaktionen geplant.

Stiko empfiehlt Impfung für alle ab 12 – was das für Bremen bedeutet

Video vom 16. August 2021
Eine Jugendliche bekommt im Impfzentrum Bremen eine Spritze mit dem Impfstoff gegen das Corona-Virus.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen
Sind Impfaktionen geplant?
Seit Mittwoch dürfen Volljährige, die in Bremen wohnen oder arbeiten, ohne Termin in das Impfzentrum in der Halle 7 auf der Bürgerweide gehen und sich ihre Spritze abholen. Es ist dort ebenfalls möglich, unter den Impfstoffen von Moderna, Biontech/Pfizer und Johnson & Johnson frei zu wählen.
Sind alle Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, Coronaleugner?
Nein, das muss nicht unbedingt der Fall sein. Manche können verunsichert sein, wie der Gesundheitspsychologe Benjamin Schüz erläutert. "Die einen weigern sich komplett, andere sind skeptisch oder haben Angst." Auf keinen Fall solle man alle über einen Kamm scheren. Was helfen könnte: verstehen, woher die Ängste kommen, und sie ernst nehmen. Auch gute, klare Informationen sind dabei wichtig.

Eine gewisse Skepsis ist menschlich. Was man nicht kennt und wenn man die Entwicklungsschritte nicht nachvollziehen kann, das kann skeptisch machen.

Gesundheitspsychologe Benjamin Schüz
Benjamin Schüz, Gesundheitspsychologe
Wie viele Fälle von schweren Nebenwirkungen im Zusammenhang mit einer Corona-Impfung gab es bislang in Bremen?
Im Land Bremen haben sich bislang etwa 495.000 Menschen mindestens einmal impfen lassen. Dem Gesundheitsamt sind bislang zwölf Fälle von schweren Nebenwirkungen gemeldet worden. Dazu zählen etwa Venenthrombosen, Teilparesen und andere Auswirkungen, die nicht erwartbar sind.
Als erwartbare Nebenwirkungen gelten etwa Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber oder Kopfschmerzen. Zu eventuellen allergischen Reaktionen, die sofort eintreten und noch im Impfzentrum behandelt werden, werden keine genauen Zahlen erfasst.
Welche Wirksamkeit haben noch die Impfstoffe gegen die Delta-Variante?
Dazu gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Eine Studie aus England kommt bei dem Schutz vor einer Covid-Erkrankung bei Biontech auf 88 Prozent, bei Astrazeneca auf 67 Prozent. Eine neue, noch nicht unabhängig überprüfte Studie kommt auf ähnliche Werte (85 versus 68 Prozent). Berichte aus Israel liefern hingegen pessimistischere Daten: Jüngste Schätzungen sehen den Schutz vor einer Ansteckung mit dem Biontech-Impfstoff nur noch bei 41 Prozent, vor einem schweren Verlauf jedoch bei 91 Prozent. Die Werte sollen vom israelischen Gesundheitsministerium stammen. Dazu gibt es jedoch noch keine wissenschaftliche Veröffentlichung, daher sind einige Experten skeptisch.

Das RKI geht davon aus, dass die Impfstoffe auch gegen die Varianten wirksam sind. Das Institut verweist auf die Studien aus England und spricht von einer "vergleichbar hohen Schutzwirkung gegen die Virusvariante Delta im Vergleich zur Alpha" bei den Vakzinen von Biontech und Astrazeneca, wenn es darum gehe, schwere Verläufe zu verhindern. Gemeint ist dabei die vollständige Impfung. Für die Impfstoffe von Moderna und Johnson & Johnson lägen keine vergleichbaren Studie vor.
Die Tatsache, dass die Einschätzungen zu diesem Thema in verschiedenen Ländern auseinandergehen, könnte mehrere Ursachen haben.

Grundsätzlich können bei Fragen der Impfstoffeffektivität beispielsweise unterschiedliche Endpunkte bewertet werden, zum Beispiel Schutz vor Infektion, schwerer Erkrankung, Hospitalisierung und so weiter. Für jeden dieser Endpunkte liegen je nach Impfstoff unterschiedliche Werte zur Effektivität vor. Aber das ist nur ein Grund von vielen für unterschiedliche Ergebnisse.

Ronja Wenchel, RKI-Sprecherin
Welcher Anteil der Geimpften infiziert sich trotz Impfschutz?
In den Bremer Krankenhäusern ist in den vergangenen fünf Tagen nur ein Corona-Patient mit vollständigem Impfschutz behandelt worden. Bei drei bis vier war der Impfstatus unbekannt. Insgesamt befanden sich am Donnerstag 16 Patienten in der Stadt Bremen wegen Covid-19 im Krankenhaus, drei davon auf der Intensivstation.

Die Zahl der Impfdurchbrüche nach RKI-Definition, also der vollständig Geimpften, die Covid-Symptome haben und positiv getestet wurden, lag in der Stadt Bremen bislang bei 117. In Bremerhaven lag diese Zahl bei 20. Die Zahl der asymptomatischen Infizierten, die vollständig geimpft sind, ist darunter nicht erfasst.
Ist eine dritte Impfung notwendig?
Bremen will ab September Risikogruppen eine dritte Impfung anbieten. Zu den Berechtigten zählen Altenheimbewohner sowie pflegebedürftige, ältere und immungeschwächte Menschen, die zu Hause leben. In Senioreneinrichtungen sollen dafür mobile Teams eingesetzt werden. Auch in Bremerhaven würden gerade Vereinbarungen mit den Einrichtungen getroffen, um die Drittimpfung zu gewährleisten, wie der Magistrat mitteilte.

Voraussetzung: Die letzte Impfung soll mindestens sechs Monate zuvor erfolgt sein. "Bis Mitte Februar hatten wir 5.305 abgeschlossene Impfserien bei alten Menschen in Pflegeeinrichtungen", sagte der Bremer Gesundheitsressortsprecher Lukas Fuhrmann. Für die Drittimpfung sollen mRna-Impfstoffe angeboten werden. Zu den mRna-Präparaten zählen momentan Comirnaty (Biontech/Pfizer) und Spikevax (Moderna).

Der Virologe Christian Drosten hat kürzlich erklärt, eine dritte Impfung sei für die meisten Menschen nicht notwendig, wohl aber für einige Risikopatienten und ältere Menschen. Vor allem bei diesen Letzteren ginge das Antikörperniveau nach einem halben Jahr deutlich runter. Kritik an Drittimpfungen von gesunden Menschen kam neulich von der Weltgesundheitsorganisation. Einige Vertreter wiesen darauf hin, dass in ärmeren Ländern viele Millionen Menschen noch auf die Chance einer ersten Impfung warteten.

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Autorin

  • Serena Bilanceri Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. August 2021, 19:30 Uhr