Bremer Hausärzte fordern klaren Plan für Auffrischungsimpfungen

Eine Seniorin wird geimpft.
Zunächst soll sich das Auffrischungsagebot vor allem an ältere Menschen und Heimbewohner richten. (Symbolbild) Bild: Imago | Andia

Ab September sollen Drittimpfungen für Hochrisiko-Patienten starten. Doch der Bremer Hausärzteverband kritisiert die noch unklaren Vorgaben seitens der Politik.

"Wir wissen nicht, was wir wann machen sollen", sagt der Vorsitzende des Hausärzteverbandes in Bremen, Hans-Michael Mühlenfeld, und fasst so seine Kritik am aktuellen Stand der Drittimpfungen zusammen.

Ab Anfang September soll in Bremen für Hochrisiko-Patienten die Möglichkeit bestehen, sich ein drittes Mal impfen zu lassen. Hintergrund sind Studien, die darauf hindeuten, dass der Coronaschutz vor allem in bestimmten Gruppen nach einigen Monaten nachlässt – beispielsweise bei besonders alten Patienten.

Hausärzteverband: Wir brauchen einen Plan

Doch für den Hausärzteverband mangelt es noch an klarer Kommunikation seitens der Politik und der Behörden. "Es fehlt an dem Auftrag", sagt Mühlenfeld. Noch sei beispielsweise unklar, ob Hausärzte überhaupt für Drittimpfungen in den Heimen zuständig seien. Wenn das der Fall sein sollte, dann könnten sie einen gewissen Vorlauf gebrauchen. "Mindestens zehn Tage", sagt Mühlenfeld.

Wenn das heute oder morgen beschlossen wird und ab übermorgen gilt, finde ich das unangemessen.

Hans-Michael Mühlenfeld
Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbandes

Denn in dem Fall müssten die Ärzte die Impfungen organisieren. "Konkret stellt sich die Frage: Wer impft die Heimpatienten? Sollen wir das übernehmen oder nicht?" Die Frage sei mit weiteren logistischen Fragen verbunden: Autorisierungen einholen, zum Beispiel. "Das geht nicht von heute auf morgen", so Mühlenfeld.

Patienten fragen bereits nach

Patienten fragen bereits in den Praxen nach den Auffrischungen. Etwa fünf am Tag seien es bei Mühlenfeld. Die Kapazitäten bei den Hausärzten wären grundsätzlich ausreichend. Unter der Bedingung, dass man den Einsatz rechtzeitig planen könne.

Ich kann nicht von heute auf morgen alle Impfwünsche erfüllen. Deswegen sage ich ja: Es muss ein Plan her. Und der fehlt erneut.

Hans-Michael Mühlenfeld
Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbandes

Im Herbst und Winter stehen für die Hausärzte nicht nur die Erst- und Zweitimpfungen gegen Corona an, sondern auch die Grippeimpfungen. Für gewöhnlich stiegen in den kalten Wintermonaten auch die Infektionszahlen an.

Bremer Gesundheitsressort: Wir stehen im Austausch mit der Kassenärztlichen Vereinigung

Die Bremer Gesundheitsbehörde sagt dazu, man stehe gerade im Austausch mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Am Montag seien weitere Gespräche geführt worden.

Wir stehen im fortlaufenden Austausch mit der KV, die uns zugesichert hat, dass die Impfungen durch den niedergelassenen Bereich abgedeckt werden können.

Lukas Fuhrmann im Interview
Lukas Fuhrmann, Sprecher der Bremer Gesundheitssenatorin

Das Ressort verweist auf den Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz Anfang August. Darin steht, dass die Auffrischungen "sowohl im Regelsystem der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte als auch mit (mobilen) Teams der Impfstellen erfolgen" können. Menschen mit Immunschwächen, Höchstbetagte und Pflegebedürftige, die zu Hause leben, sollen vom eigenen Arzt geimpft werden. Menschen in den Bremer Einrichtungen werden von mobilen Teams erreicht, so das Gesundheitsressort. In den kommenden Tagen werde man mit den Auffrischimpfungen in den ersten Pflegeeinrichtungen beginnen.

Wir haben bereits mit allen Einrichtungen Kontakt aufgenommen und koordinieren die Einsätze der mobilen Teams.

Der Sprecher des Gesundheitsressorts Bremen, Lukas Fuhrmann, steht vor dem Gebäude der Gesundheitssenatorin.
Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitssenatorin

Der Magistrat in Bremerhaven teilte auf Nachfrage mit, man sei von der Regelung auf Landesebene abhängig.

Auffrischung für Geimpfte mit Vektorimpfstoffen nicht vor November

Zudem sollten laut Beschluss ab September alle vollständig Geimpften mit Vektorimpfstoffen (Astrazeneca oder Johnson & Johnson) eine Auffrischungsimpfung angeboten bekommen. Dies könne sowohl in den Impfzentren als auch bei den eigenen Arzt oder Betriebsarzt erfolgen. In Bremen wird dies aber nicht vor November der Fall sein.

Dritte Impfung: Für wen und unter welchen Bedingungen?

Eine Drittimpfung sei nach den aktuellen Daten vor allem für Patienten der damaligen Priorisierungsgruppe I sinnvoll: Menschen über 80 Jahre, Heimbewohner, Pflegebedürftige und Menschen mit Immunschwächen. Für die anderen fehlten noch Daten, so Mühlenfeld. Die Voraussetzung ist, dass mindestens sechs Monate nach der letzten Impfung vergangen sind.

Für Menschen, die mit Vektorimpfstoffen immunisiert wurden – Astrazeneca und Johnson & Johnson – bestehen bei Kreuzimpfungen keine Bedenken. "Die Sicherheit ist dort auch ziemlich gut belegt", sagt der Hausarzt. Das hänge auch mit den Vorteilen der Impfung zusammen, die für diese Gruppe besonders hoch sind.

Bremen startet mit Corona-Auffrischungsimpfungen Anfang September

Video vom 17. August 2021
Eine Seniorin wird geimpft.
Bild: Imago | Andia
Bild: Imago | Andia

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Autorin

  • Serena Bilanceri Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17 August 2021, 19:30 Uhr