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Bremerin Andrea versöhnt sich nach Corona-Streit mit ihrer Schwester

Andrea war erschüttert. Eine Auseinandersetzung um Corona mit ihrer Schwester belastete die Beziehung lange. Doch sie gingen wieder aufeinander zu.

Andrea
Andrea hat der Streit mit ihrer Schwester mitgenommen, sie ist froh, dass sie sich wieder versöhnt haben. Bild: Andrea

"Nach unserem Konflikt kam ich nach Hause und war zutiefst erschüttert. Ich konnte auch nicht schlafen. Für mich war klar: Ich will da nicht wieder hin. Ich kann mit denen nicht mehr reden."

Die Bremerin Andrea war auf Besuch bei ihrer Schwester im Umland. Es gab eine Auseinandersetzung, Corona war der Auslöser: "Das war so vielfältig. Von Freiheiten, die beschränkt werden, Kontrolle, die erlangt werden soll", erinnert sich die 51-Jährige. "Und ja, ich versuche auch, nicht nur die Mainstream-Nachrichten zu schauen, sondern auch andere – aber dass es in Bergamo viele Tote gegeben hat, coronabedingt, dass kann man nicht komplett ausblenden." Aber in erster Linie sei sie auch erschüttert gewesen, weil sie dachte: "Wir sind doch eigentlich ähnlicher. Oder haben wir uns voneinander entfernt? Oder wie wenig wissen wir voneinander?" Und ihre Schwester sei auch erschüttert über sie gewesen, "weil ich Impfen eigentlich kritisch sehe – grundsätzlich. Und ich war auch erschüttert darüber, was für eine Macht dieses Thema über uns Menschen hat, so polarisierend."

Andrea sprach mit Freunden, wollte Klarheit bekommen. Monatelang hatte sie keinen Kontakt zu ihrer Schwester. "Ich habe das wirklich gezogen, eine verdammt lange Zeit." Ihre Schwester gratulierte ihr zum Hochzeitstag, "sehr sachlich". Eine Annäherung schien schwierig. Nach dem Streit hatte Andrea Angst, sie würde ihre Schwester verlieren, weil die Positionen so grundverschieden schienen. "Ich habe gedacht, da kann ich nicht drüber hinwegsehen. Ich dachte, das müssen wir schnell klären, sonst geht unsere Beziehung kaputt. Sie hat das wohl anders wahrgenommen."

Annäherung

Es war nicht schön, keinen Kontakt zu haben, wie Andrea sagt. Und trotzdem: Erst nach einem halben Jahr sprang sie selbst über ihren Schatten und wünschte schöne Weihnachten. "Es tat gut, dass getan zu haben. Ich habe gemerkt, dass meine Schwester sich darüber gefreut hat und ich habe mich gefreut, ihre Stimme zu hören. Danach war es anders, hoffnungsvoll." Ein nächster Schritt zwei Monate später: "Sie hat im Februar Geburtstag und wir haben auch länger telefoniert, und wir haben nicht nur Floskeln ausgetauscht, das fühlte sich schön an."

Im Frühjahr wieder ein persönliches Treffen. Aber auch da sprachen sie nicht über den Streit selbst, bis heute nicht. "Wir waren neulich da, mit meinem Mann. Wir haben über Corona gesprochen, wie das unser Leben verändert. Aber nicht: 'Was war da los, wie habe ich Dich verstanden?'" Sie würde es schon gerne noch einmal ansprechen. "Aber da muss der Rahmen auch passen. Ich möchte sie nicht verletzen."

Andrea beschreibt ihre Schwester als sehr liebenswert, sie sorge und kümmere sich immer um andere. "Deshalb möchte ich sie in meinem Leben haben." Welches Gefühl dahinter steckt? "Ja, es ist Liebe. Natürlich."

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Eine Grafik die zur Navigation dient. In Kreisen sind die einzelnen Zitatgeber bzw. Symbolbilder dargestellt. Versöhnung mit der Schwester Corona-Streit: Pit vermisst seinen Freund Wir schreibenwieder Briefe Ich bin isoliert Man muss sich auch mal trennen können Ich breche keine Kontakte ab Ich verstehe die Diskussionskultur nicht Meine Schwiegermutter driftet ab Die Beziehung zu den Eltern ist stärker Manchmal muss es einfach mal krachen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Birgit Reichardt Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Mai 2021, 19:30 Uhr