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Konrad: "Schwiegermutter ist in die Querdenker-Richtung abgedriftet"

Konrad weiß nicht, was er machen soll, wie er sagt. Er will den Kontakt zu seiner Schwiegermutter nicht abreißen lassen, hat aber auch keine Lust mehr, ihn zu pflegen.

Konrad A. Giesa sitzt auf einer Bank
Glaubt nicht, dass sich seine Schwiegermutter vom Saulus zum Paulus wandeln wird: Konrad. Bild: Konrad A. Giesa

Kurz vor den Herbstferien habe der Ärger mit der Schwiegermutter angefangen, erzählt Konrad. Zu dieser Zeit baute sich gerade die zweite Welle der Corona-Pandemie auf. Die Schwiegermutter aus Leipzig wollte mit ihrem Lebensgefährten ihre Tochter, ihre drei Enkelkinder und Schwiegersohn Konrad Giesa in Bremen besuchen. "Natürlich könnt Ihr kommen. Aber wir wollen uns nicht in einem geschlossenen Raum treffen, sondern im Garten, haben wir dann gesagt", blickt Konrad zurück. Dabei hätten seine Frau und er an das Ansteckungsrisiko durch Aerosole gedacht.

Die Konsequenz: Seine Schwiegermutter und ihr Lebensgefährte sagten ihren Besuch in Bremen ab, erzählt Konrad weiter. Unter diesen Umständen wollten sie auf ein Treffen verzichten, hätten sie gesagt. Abgerissen aber sei der Kontakt seiner Familie nach Leipzig deswegen nicht. Insbesondere seine Frau Susanne habe weiterhin immer wieder mit ihrer Mutter telefoniert. Erbaulich seien diese Gespräche allerdings nicht gewesen.

"Das allererste Thema war immer Corona, und dass wir bloß nicht glauben sollten, was immer so über Corona berichtet würde." Die Presse und die Rundfunkanstalten seien alle gelenkt, gleichgeschaltet, würden alles dramatisieren, eine Seuche herbeireden, die es gar nicht gebe, habe seine Schwiegermutter beispielsweise immer wieder gesagt. Zwar seien seine Frau und er gar nicht darauf eingegangen. "Dafür hat meine Schwiegermutter nur noch darüber gesprochen, richtig missionarisch", erinnert sich der 40-Jährige.

Rechtspopulistische Bücher zum Fest

"Sie ist in die Querdenker-Richtung abgedriftet und teilt das Narrativ der Rechten", fasst er zusammen. "Sie hat uns lauter Links zu entsprechenden Videos geschickt, auch zu Seiten von rechtspopulistischen Gruppierungen und zum Kopp Verlag." Zu Weihnachten und zu Ostern habe seine Familie obendrein rechtspopulistische Bücher aus Leipzig bekommen. Die hätten ihm gerade noch gefehlt. "Die hat ein Sendungsbewusstsein zu diesem Thema. Schrecklich ist das", sagt Konrad über seine Schwiegermutter.

Trotzdem gehe seine Frau, die üblicherweise mit ihrer Mutter spreche, immer wieder ans Telefon, wenn ein Anruf aus Leipzig kommt. "Sie hört sich dann diese Tiraden an und versucht, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken", beschreibt der Bremer den Ablauf.

So sehr er sich auch über seine Schwiegermutter ärgert, findet er es doch richtig, dass insbesondere seine Frau versucht, den Kontakt irgendwie aufrecht zu erhalten. Auch im Sinne der Kinder. Das wolle er auch künftig unterstützten. "Aber Lust habe ich nicht dazu", räumt er ein. "Ich erwarte nicht, dass sie sich vom Saulus zum Paulus entwickelt." Da mache er sich keine Illusionen.

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Eine Grafik die zur Navigation dient. In Kreisen sind die einzelnen Zitatgeber bzw. Symbolbilder dargestellt. Versöhnung mit der Schwester Corona-Streit: Pit vermisst seinen Freund Wir schreibenwieder Briefe Ich bin isoliert Man muss sich auch mal trennen können Ich breche keine Kontakte ab Ich verstehe die Diskussionskultur nicht Meine Schwiegermutter driftet ab Die Beziehung zu den Eltern ist stärker Manchmal muss es einfach mal krachen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Mai 2021, 19.30 Uhr