So erlebt ein Bremer Pfleger die Corona-Lage auf der Intensivstation

Die Infektionszahlen steigen und die Betten auf den Intensivstationen werden wieder knapp. Was bedeutet das für den Alltag auf den Stationen? Ein Pfleger berichtet.

Eine Pflegerin zieht ein Beatmungsgerät durch einen Flur einer Intensivstation, in der Coronapatienten behandelt werden (Archivbild)
Intensivpfleger Marcus Mitwollen beschreibt, wie es ihm und vielen seiner Kollegen im Pandemie-Alltag geht (Symbolbild). Bild: DPA | Christophe Gateau

Die bereits dritte Welle der Corona-Pandemie führt nicht nur zu Lockdowns. Infolge der steigenden Infektionszahlen werden auch die Betten auf den Intensivstationen wieder knapp. Aktuell sind laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin im Land Bremen noch 16 Betten frei und jeder vierte Patient auf den Intensivstationen leidet demnach an einer Covid-19-Erkrankung.

Was bedeuten diese Zahlen für die Lage auf den Intensivstationen? Darüber hat buten un binnen mit dem Bremer Intensivpfleger Marcus Mitwollen gesprochen. Er arbeitet im Klinikum Ost. Die Lage auf der dortigen Intensivstation sei angespannt, erzählt der Pfleger. Das liegt aber nach Einschätzung von Mitwollen nicht nur an den fünf Covid-19-Patienten, die momentan auf der Station liegen, sondern auch an vielen anderen Begleitumständen.

Auch der Fachkräftemangel sorgt für Anspannung

Zum einen sorge der seit langem bekannte Fachkräftemangel immer noch für eine Mehrbelastung und zum anderen mache dem Personal, zumindest im Klinikum Ost auch die Hygienemaßnahmen zu schaffen. Fast acht Stunden durchgängig am Tag die Masken tragen, immer unter Vollschutz in isolierten Zimmern zu arbeiten – hinzu kommt die stetige Angst, etwas vergessen zu haben und sich vielleicht anzustecken. Das bereitet Mitwollen Sorge, denn er kennt die Krankheitsverläufe und möglichen Folgen einer Covid-19-Erkrankung aus seinem Berufsalltag.

Viele Infizierte haben Angst

Momentan haben sich alle Covid-19-Patienten auf der Intensivstation im Klinikum Ost mit der britischen Variante angesteckt. Die Patienten sind im Vergleich zu den ersten beiden Wellen deutlich jünger und die Verläufe sind auch heftiger. Was aber gleich geblieben ist, sei die Angst der Infizierten, berichtet Mitwollen.

Die spielen mir manchmal vor, dass sie gut Luft bekommen. Aber ich sehe, dass das nicht so ist und die Werte katastrophal sind. Viele wollen einfach die Intubation vermeiden, weil sie Angst davor haben und sich fragen: 'Werde ich da wieder wach, komme ich da wieder raus?'.

Marcus Mitwollen, Pfleger Klinikum Ost

Nicht nur auf den Intensivstationen ist die Lage angespannt

Marcus Mitwollen Intensivpfleger (Portraitaufnahme)
Marcus Mitwollen arbeitet als Intensivpfleger im Klinikum Ost. Bild: Marcus Mitwollen

Und die Belastung wird nicht weniger: Die Zahlen steigen wieder und viele Intensivmediziner gehen davon aus, dass bald auch die Intensivstationen an die Belastungsgrenzen kommen. Marcus Mitwollen ist frustriert, dass die Politik nicht sofort handelt und sich offenbar Zeit lässt mit einer Reaktion auf die aktuelle Entwicklung. Er wäre für einen bundeseinheitlichen und harten Lockdown, bei dem auch die großen Wirtschaftsunternehmen schließen müssten, um die Welle zu brechen. Was ihn aber besonders stört: Die Medien und auch die Politik würden momentan nur auf die Lage in den Intensivstationen schauen. Das hält Mitwollen für verlogen. Er macht darauf aufmerksam, dass auch auf anderen Stationen Corona-Patienten behandelt werden. Auch dort gebe es nicht genügend Personal und auch dort hätten Pfleger die gleichen Ängste, wie die auf der Intensivstation.

Rückblick: Zahl der Corona-Intensivpatienten im Land Bremen steigen

Video vom 7. April 2021
Ein Intensivbett mit divers technischen Geräten in Klinikum Bremen-Mitte.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Fabian Metzner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 14. April 2021, 15:10 Uhr