Warum Lkw-Abbiegeassistenten in Bremen immer noch keine Pflicht sind

Video vom 16. Juni 2021
Ein Radfahrer neben einem LKW.
Bild: DPA | Klaus-Dietmar Gabbert
Bild: DPA | Klaus-Dietmar Gabbert

Der Bremer ADFC und Mobilitätssenatorin Maike Schaefer sind sich einig: Abbiegeassistenten für Lkw können Leben retten. Pflicht werden sie aber erst 2024. Warum?

Auch in Bremen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen zwischen abbiegenden Lkw und Menschen, die zu Fuß oder per Rad unterwegs sind. Zuletzt wurde Anfang Mai 2021 in Bremen-Hemelingen ein Mann schwer verletzt, der von einem Lkw beim Abbiegen übersehen und überrollt wurde. Im April 2018 endete ein ähnlicher Unfall für eine Radfahrerin tödlich: An der Kreuzung am Brill wurde die Frau von einem abbiegenden Lkw überrollt und starb noch am Unfallort.

In beiden Fällen hatten die Fahrzeuge keinen elektronischen Abbiegeassistenten, der die Fahrerinnen und Fahrer warnt, wenn sie beim Abbiegen eine Person übersehen. Das müsse sich ändern, sagt Frauke Maack vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub – kurz ADFC. Denn die vorgeschriebenen Lkw-Rückspiegel würden längst nicht ausreichen, findet Maack.

Auch ein Lkw-Fahrer ist halt nur ein Mensch. Und das heißt, sieben Spiegel in einer Situation wie einer Abbiegesituation im Blick zu behalten, ist nahezu unmöglich. Und wenn es einfach, wie in fast jedem Pkw mittlerweile einen Warnton gibt oder ein Piepsen, auch für Lkw-Fahrer, wäre das schon sehr sinnvoll.

Frauke Maack vom ADFC im Interview
Frauke Maack, ADFC Bremen

Lkw ohne Abbiegeassistenten nicht gern gesehen

Trotz zahlreicher Unfälle sind Abbiegeassistenten bis heute nicht vorgeschrieben, die meisten Lkw dürften nach wie vor ohne das Sicherheitssystem unterwegs sein. Verlässliche Zahlen gibt es dazu allerdings nicht – ein Zustand, der auch die Bremer Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) nicht zufrieden stellt. Gerne würde sie Lkw ohne Abbiegeassistenten aus Bremen verbannen, ihr fehle jedoch die rechtliche Handhabe. "Zumindest da, wo viele Lkw fahren und Fahrradfahrende und Fußgänger aufeinandertreffen, da ist das absolut richtig", sagt Schaefer.

Doch warum besteht bislang immer noch keine Pflicht für Abbiegeassistenen? Zuständig ist das Bundesverkehrsministerium in Berlin. Die CSU-geführte Behörde könnte eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes vorbereiten, die es Kommunen ermöglicht, Lkw ohne Abbiegeassistenten aus ihren Innenstädten zu verbannen. Passiert ist bisher nichts. Eine gezielte Anfrage von buten un binnen blieb unbeantwortet.

Dass es auch auf Bundesebene nicht weitergegangen ist, das ist unbefriedigend. Das muss ich ganz klar sagen. Wir haben auch schon hier in Bremen tödliche Unfälle gehabt, weil ein Abbiegeassistent gefehlt hat. Jeder Tote ist einer zu viel.

Maike Schaefer
Maike Schaefer (Grüne), Mobilitätssenatorin

Bremen ergreift die Initiative

In der Zwischenzeit ist Bremen in einigen Bereichen selbst aktiv geworden und hat städtische Lkw mit Abbiegeassistenten ausgerüstet, wie zum Beispiel bei der Bremer Stadtreinigung. Bei der BSAG verfüge rund ein Drittel der Busse über ein derartiges Warnsystem – Tendenz steigend, so ein Pressesprecher. In allen anderen Fällen kann Bremen nur an die Verantwortung der Firmen appellieren, eine rechtliche Handhabe gibt es nicht.

Der ADFC fordert aus diesem Grund ein innerstädtisches Fahrverbot für Lkw ohne Abbiegeassistenten. "Wenn das nicht bald kommt, und wenn da nicht bald Änderungen geschaffen werden, kommen wir nicht näher an eine Vision Zero heran", sagt Maack. Das verhindere die Sicherheit all derjenigen Verkehrsteilnehmenden, die nicht in Autos unterwegs sind, so Maack. Nach einem EU-Gesetz müssen erst in drei Jahren neue Lastwagen serienmäßig mit Abbiegeassistenten ausgerüstet werden. Das Nachrüsten älterer Modelle ist dabei nicht vorgesehen.

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Autor

  • Uwe Wichert Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Juni 2021, 19:30 Uhr