Hafenarbeit war immer reine Männersache? Nicht in Bremen!

Eine Frau arbeitet mit Schutzkleidung und Schweißgerät.
Schweisserin in Schutzkleidung. - Foto, USA, 1957.
Bild: DPA | akg-images

Auf Werften im Land Bremen haben Arbeiterinnen bereits früh eine Rolle gespielt. Bekannt ist darüber wenig – warum, untersucht nun ein Bremerhavener Forschungsprojekt.

Kennen Sie "Rosie the Riveter", also: Rosie, die Nieterin? Klar kennen Sie die: Die junge Frau vom "We can do it"-Poster aus den 1940er Jahren – um den Kopf ein rot-weiß getupftes Tuch geschlungen, den Ärmel ihres Jeans-Overalls hat sie hochgekrempelt und zeigt stolz ihren Bizeps.

Wie "Rosie" in den USA, so haben auch in Deutschland Frauen in der Industrie gearbeitet – auch auf den Werften und nicht nur, wenn im oder nach einem Krieg Arbeitskräfte fehlten. Wenig ist bisher über sie bekannt. Eine junge Wissenschaftlerin am Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven erforscht, warum das so ist.

Eine Frau auf einem Poster zeigt ihren Bizeps.
Frauenpower: US-Industriearbeiterin "Rosie the Riveter". Bild: DPA | Everett Collection

Deike Reddig sitzt in ihrem Büro in Bremerhaven und gibt ihrer Masterarbeit den letzten Schliff. Ein paar hundert Meter Luftlinie von ihrem Schreibtisch war früher die Schichau-Seebeck-Werft. Ein typischer Arbeitsplatz für Frauen? Das sicher nicht, aber: "Die gab es. Wenige, aber sie gab es", sagt Reddig. "Auf den Bremer Großwerften wie AG Weser und Bremer Vulkan, aber auch auf den Bremerhavener Werften, Schichau, die Seebeck-Werft. Es waren wenige, aber es gab Frauen, die da gearbeitet haben, ja."

Frauen arbeiteten früh als Schweißerin oder Kranführerin

In ihrer Arbeit hat die Wissenschaftlerin die Zeit ab den 1960er Jahren untersucht, als durch den Konjunkturaufschwung die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg und man sich auf die Frauen zurückbesann – wie schon während des Krieges.

Die haben auch ordentlich geknufft, teilweise viele Schichten und Überstunden geschoben, genauso wie ihre männlichen Kollegen im Akkord gearbeitet.

Deike Reddig, Wissenschaftlerin
Eine junge Frau sitzt vor einem Computer an einem Schreibtisch.
Deike Reddig untersucht für ihre Masterarbeit die Vergangenheit von Frauen als Werftarbeiterinnen. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Und das nicht nur in der Verwaltung, sondern durchaus in den als typisch männlich angesehenen Jobs: "Die Frauen, die in dem Bereich arbeiteten, haben meist als ungelernte Hilfskräfte angefangen", sagt Reddig. Sie hätten dann wie ihre männlichen Kollegen die entsprechenden Lehrgänge gemacht – als Schweißerin, Brennschneiderin oder Kranfahrerin. Ausschlaggebend dürfte für die Frauen wohl der gute Lohn gewesen sein: Es gab den gleichen wie für die Männer.

Schiffbau gilt bis heute als männlich dominiert

Als Vorkämpferinnen für die Gleichberechtigung sahen sie sich vermutlich weniger. Viele Worte wurden damals über sie nicht gemacht. Ausstellungen und Publikationen zum Thema bestimmt das Bild vom harten, rauen Werftarbeiter, sagt Reddig. Einer von vielen möglichen Gründen könnte sein, dass der Schiffbau bis heute als männlich dominierter Bereich gilt.

Es gibt inzwischen sehr gut belegte Theorien, warum wir in unserer Gesellschaft Frauen und Technik nicht so gut zusammenbringen. Das muss man bis auf die Zeit der Aufklärung zurückziehen, weil da einfach Gesellschaftsbilder und Auffassungen entstanden sind, die sich natürlich bis heute auswirken.

Deike Reddig, Wissenschaftlerin

Der Wissenschaftlerin geht es nicht darum, Frauen auf ein Podest zu stellen, sagt sie. Das würde der historischen Wirklichkeit nicht gerecht, denn sie waren nur eine kleine Minderheit. Aber: Auch die Frauen sollten bei dem Thema vorkommen.

Man könnte sie zum Beispiel in Ausstellungen einfach mal zu Wort kommen lassen. Dabei denkt Reddig zum Beispiel an Interviews mit ehemaligen Arbeiterinnen. Gefragt würden aber stets Männer.

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Autorin

  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Das Wochenende aus Bremerhaven, 6. März 2022, 12:40 Uhr