Warum vor 75 Jahren in Bremen keine Brücke mehr über die Weser führte

Eisgang auf der Weser, Memorial-Bridge, am Tag nach dem Einsturz, 19.03.1947
Bild: Staatsarchiv Bremen

Wer heute in Bremen von Süd nach Nord möchte, geht über eine der Weserbrücken. Im bitterkalten Winter 1947 aber war die Stadt geteilt – Eismassen hatten die Brücken zertrümmert.

Es war bereits der zweite Hungerwinter nach dem Krieg. Noch immer gab es zu wenig zu essen, viele Flüchtlinge mussten versorgt werden, und seit Januar hatte polarer Frost die Hansestadt fest im Griff. Er ließ sogar die Weser komplett zufrieren. Ilse Kaisen, Tochter des damaligen Bremer Bürgermeisters Wilhelm Kaisen, erinnert sich an die bittere Kälte und wie ihr Vater die Bevölkerung dazu aufrief, Obdachlose über Nacht aufzunehmen, damit sie draußen nicht erfroren.

Da machte es Mut, dass die Wettervorhersage Tauwetter ankündigte. Doch das brachte auch sehr viel Tauwasser mit sich: Am Montag, dem Vorabend des 18. März, stiegt der Pegel der Mittelweser in Bremen-Hastedt in nur 30 Minuten um zwei Meter. Wer im Parzellengebiet auf dem Stadtwerder wohnte, musste sich in Sicherheit bringen.

Bald trieben dicke Eisschollen auf der Weser, über die sich früher zwei große, befahrbare Brücken schwangen. Sie waren jedoch in den letzten Kriegswochen gesprengt worden. Die amerikanische Militärverwaltung hatte deshalb Notbehelfe aus Holz errichtet: die Memorial-Brücke und die Truman-Brücke. Außerdem war die Eisenbahnbrücke gerade wiederhergestellt worden.

Eisschollen auf der Weser 1947.
Riesige Eisschollen türmten sich in der Weser. Bild: Staatsarchiv Bremen | US Army Signal Corps

Am Dienstag um 10:20 Uhr drückte der heftige Eisgang die Memorial-Brücke einfach weg. Die Amerikaner versuchten, mit Panzerschüssen die Eisschollen und losgerissenen Boote abzuwehren. Doch ohne Erfolg: Am späten Nachmittag zertrümmerte ein riesiger Eisblock auch die Truman-Brücke. Zwei Stunden später rammten losgerissene Kähne einige Gerüste, die eigentlich für den Neubau einer Brücke gedacht waren. Stattdessen trieben sie nun in Richtung Eisenbahnübergang und rissen zuletzt auch noch diesen ein.

Die weitgehend zertrümmerten Stadtteile links und rechts der Weser waren nun wieder voneinander getrennt, genau wie nach Kriegsende. Nur noch mit Ruderbooten kamen die Menschen über das Wasser – oder über eilends errichtete Notübergänge für Fußgänger.

Tage nach diesen Ereignissen verbindet hier an der Eisenbahnbrücke ein Fußgängersteg beide Stadtteile miteinander. Denn was sollten die 70.000 Menschen, die drüben in der Neustadt leben, ohne die Verbindung mit der Altstadt machen.

Radio-Bremen-Reporter
Wilhelm Kaisen im November 1947 bei der Wiedereröffnung der Großen Weserbrücke.
Wilhelm Kaisen (rechts) bei der Wiedereröffnung der Großen Weserbrücke. Bild: Wilhelm-und-Helene-Kaisen-Stiftung

Ein halbes Jahr lang führt keine feste Straßenverbindung über die Weser. Dann, am 29. November 1947, kann Bürgermeister Wilhelm Kaisen die neu errichtete "Große Weserbrücke" feierlich wiedereröffnen.
Der 18. März 1947 aber ging als Katastrophentag in die Bremer Geschichte ein.

Vor 75 Jahren: Der Tag an dem alle 5 Weserbrücken zerstört wurden

Bild: Staatsarchiv Bremen

Rückblick auf den 22.12.1960:

Autorinnen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. März 2022, 19:30 Uhr