Warum die Digitalisierung im Bremer Umland immer noch hakt

Glasfaserkabel für schnelles Internet wird von einem Techniker angeschlossen (Symbolbild)

Warum in Bremen und umzu immer noch Funklöcher klaffen

Bild: DPA | Rupert Oberhäuser

Die Bundesnetzagentur will bis Ende 2022 98 Prozent der Haushalte mit mindestens 100 Mbit pro Sekunde versorgen. Doch auf dem Land ist davon mitunter wenig zu spüren.

Fix ein Foto per Handy verschicken, schnell Konzert-Tickets kaufen – heutzutage ganz normal, sollte man meinen. Nicht überall: Es gibt immer noch zahlreiche Ecken im Nordwesten mit schlechtem Handy-Netz und bestenfalls wackeliger Internet-Verbindung. Das Problem ist durch Homeoffice und Lockdown in den letzten anderthalb Jahren noch drängender geworden.

Im Bremer Stadtgebiet ist die Netzabdeckung weitgehend gut – im Gegensatz zu Teilen des Bremer Umlands. Bei Britta Naujokat in Otterstedt in der Gemeinde Ottersberg gibt es zum Beispiel keinen Handyempfang – und damit auch kein mobiles Internet. "Wir haben Glasfaser, wir haben stabiles Internet – Gott sei Dank. Dafür haben wir schlechten Handyempfang", so Naujokat.

Ländliche Gemeinden auf sich selbst gestellt

Aber Glasfaser hat Otterstedt nicht, weil die großen Internet-Anbieter dort welches verlegt hätten. Die Gemeinde hat das Digitalisierungs-Zepter selbst in die Hand genommen. 2011 hat Ottersberg einfach einen eigenen Anbieter gegründet. Die Breitband Innovation Nord GmbH ist zu 100 Prozent kommunal. Das bedeutet, dass auch alle Ausbau-Entscheidungen kommunal getroffen werden. Digitalisierungsausbau angetrieben durch Gemeinden und Kommunen: Vielleicht auch ein Trend oder Vorbild für andere Regionen?

Als einen Trend würde ich das nicht bezeichnen – sondern eher eine Art Hilfe zur Selbsthilfe.

Katharina Harder, Prokuristin bei der Breitband Innovation Nord GmbH

Katharina Harder ist Prokuristin bei der Breitband Innovation Nord GmbH. Zumindest im Flecken Ottersberg wurde das Breitbandnetz so in Eigeninitiative ausgebaut.

Weiße Flecken rund um Bremen

Aber mit dem schlechten Handyempfang ist Otterstedt nicht alleine. Von der Bundesnetzagentur gibt es eine sogenannte Funkloch-Karte, auf der man sich anschauen kann, wo es überall mit dem Handy-Empfang hakt und weiße Flecken gibt – unter anderem im Blockland, in Fischerhude und im Stadland bei Bremerhaven.

Die Aufgabe der Netzbetreiber ist es zwar für schnelles Internet zu sorgen, ihnen wird aber nicht vorgeschrieben, wo genau. Ein Problem für die Menschen auf dem Land, denn dort wohnen nicht so viele. Dementsprechend lohnt es sich finanziell nicht für die Netzbetreiber. "Gerade im ländlichen Bereich ist es häufig schwierig, bei den großen Anbietern in Richtung Glasfaser beziehungsweise Breitband- Netze etwas zu erreichen, weil es sich häufig kostentechnisch einfach nicht lohnt", sagt Katharina Harder und spricht dabei aus eigener Erfahrung.

Ich muss im ländlichen Raum mehr Kabel vergraben, längere Strecken in Kauf nehmen und habe auf diesen Strecken eben weniger Kunden als im städtischen, wo alles geballt ist. Und damit hängt das bis heute zusammen.

Peer Bayersdorff, Breitbandzentrum Niedersachsen/Bremen

Peer Beyersdorff arbeitet beim Breitbandzentrum Niedersachsen/Bremen und berät Kommunen beim Breitband- und Mobilfunk-Ausbau. Das gleiche Problem gebe es ihm zufolge auch bei den Funkmasten für den Handy-Empfang.

Große Pläne – aber keine Breitbandinfrastruktur

In Sachen Digitalisierung hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft große Pläne. Ein digitales Ökosystem ist geplant – eine Art Marktplatz für digitale Anwendungen, die fehlende Infrastruktur auf dem Land ersetzen beziehungsweise unterstützen sollen.

Ein Beispiel: Die häufig mangelnde ärztliche Versorgung auf dem Land wird so durch eine App ersetzt. Digitale Akutversorgung – gibt es übrigens schon heute vereinzelt, aber "es braucht zunächst mal auf jeden Fall eine Verbesserung der Breitbandinfrastruktur, als Basis-Infrastruktur für alle internetbasierten Technologien, die genutzt werden sollen", betont Jutta Günther, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Uni Bremen. Sie beschäftigt sich mit Themen des Strukturwandels.

 Fachkräftemangel führt zu Verzögerungen im Ausbau

Die Bundesnetzagentur hat die Mobilfunknetzbetreiber dazu verpflichtet, bis Ende nächsten Jahres 98 Prozent der Haushalte mit mindestens 100 Mbit pro Sekunde zu versorgen. Damit können mehrere Leute problemlos gleichzeitig im Internet surfen und Fotos, Videos, Musik schnell runtergeladen werden.

Dazu unterstützen Bund, Länder und die Kommunen das Ganze mit Fördermitteln. Aber es gibt ein großes Problem: "Die Industrie ist nicht so weit, dass sie an jeder Stelle genug Kapazitäten zur Verfügung stellen kann um diese Projekte schnellstmöglich umzusetzen. Zum Beispiel was den Tiefbau anbelangt. Da haben wir tatsächlich einen Fachkräftemangel, der dazu führt, dass diese Projekte länger dauern als gedacht", sagt Beyersdorff.

Ein weiteres Problem ist, dass die Mobilfunkindustrie Probleme mit langen Genehmigungsverfahren hat. Es kann bis zu zwei Jahre dauern bis ein neuer Funkmast auch wirklich steht. Auf dem Land müssen sich die Menschen also noch länger gedulden – oder aber sich selbst organisieren, wie der Flecken Ottersberg.

So lebt es sich im Funkloch bei Worpswede

Bild: Radio Bremen

Autorinnen und Autoren

  • Carolin Helm
  • Hannah Bräuer

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Bremen Next am Morgen, 8. November 2021, 7:20 Uhr