Bremer Kammerensemble Konsonanz gibt dem Klimawandel einen Klang

Bremer Kammerensemble: Hier wird der Klimawandel hörbar

Bild: Claudia Beißwanger

Das Streichorchester hat zum UN-Klimagipfel Vivaldis "Vier Jahreszeiten" abgewandelt. Zu hören sind jetzt Bremens Jahreszeiten im Jahr 2050 – und das auch als Stream.

Auf der UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow ringen derzeit Politiker, Forscher und Umweltschützer darum, die Erderwärmung zu bremsen. Bis 2050 soll dies gelingen. Doch Ziel und Zeitraum wirken für viele abstrakt und wenig fassbar. Vierzehn Orchester rund um den Globus wollen das ändern und haben sich daher die Frage gestellt: Wie klingt eigentlich der Klimawandel?

Unter ihnen ist auch das Bremer Kammerensemble Konsonanz. Das 2014 gegründete Streichorchester hat sich dazu eines der weltweit berühmtesten Konzerte vorgenommen: "Die vier Jahreszeiten" des venezianischen Barockkomponisten Antonio Vivaldi. 1725, als Vivaldi Frühling, Sommer, Herbst und Winter auf Notenblättern einfing, war vom Klimawandel noch keine Spur. Das wird sich den Klimaprognosen zufolge jedoch bis 2050 deutlich ändern. Weshalb die Bremer Musiker nicht die ursprüngliche Fassung des Konzerts eingespielt haben, sondern eine mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage von Klimavorhersagen veränderte Partitur.

Bremer Version von Vivaldis "Vier Jahreszeiten"

Eine Person spielt auf einer Geige die Partitur "The [Uncertain] Winter" der Bremer Kammerensembles Konsonanz.
Die von einer künstlichen Intelligenz veränderte Partitur "The [Uncertain] Winter" basiert auf Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Bild: Claudia Beißwanger

Note für Note hat sich so die ursprüngliche Variante Vivaldis zu einer Bremer Zukunftsversion der "Vier Jahreszeiten" verwandelt. "Beim Frühling zum Beispiel hört man schon am Anfang, dass das fröhliche Thema, das man kennt, dieses Bambambambam Badading, in Moll neu komponiert wurde", sagt David Cisternas, Geiger des Ensembles. Er ist einer der 21 Musikerinnen und Musiker, die am Stück beteiligt sind – neben zahlreichen Streichern und einem Cembalo hat die künstliche Intelligenz in der Bremer Variante des Konzerts auch zwei Percussionspieler vorgesehen, die im Original fehlen. "Die sorgen an gewissen Stellen für den nötigen Wumms", sagt Ensemble-Managerin Claudia Beißwanger.

Auch die anderen Jahreszeiten klingen intensiver, aber auch bedrohlicher. Der Herbst klingt beispielsweise wärmer als heute – aber auch stürmischer, durchzogen von Starkregen und Überschwemmungen. Und so heißt das internationale Projekt der Musiker auch nicht "The Four Seasons", sondern "The (Uncertain) Four Seasons", also die unsicheren vier Jahreszeiten, mit denen viele vom Klimawandel betroffene Menschen schon heute konfrontiert sind.

Konzerte auch in Sydney, Venedig und anderen Städten

Dass Bremen neben weltweit dreizehn Städten wie Sydney, Venedig, Nairobi oder São Paulo für das Projekt ausgewählt worden ist, ist kein Zufall. "Wir haben unsere Hand schon relativ früh, nämlich im Februar dieses Jahres, gehoben", sagt Beißwanger. Direkt nachdem das Projekt verkündet worden war. "So haben wir uns den Slot für Deutschland gesichert."

Das Konzert, das ab diesem Freitag im Stream verfügbar ist, wurde Mitte Oktober im Klimahaus Bremerhaven vor Publikum aufgeführt – coronabedingt allerdings nur vor 70 Gästen. "Wir hoffen allerdings, dass wir es sehr bald an anderen Orten nochmal aufführen dürfen", sagt Beißwanger.

Wir wollen das definitiv nochmal spielen.

Claudia Beißwanger, Kammerensemble Konsonanz

"Wir hoffen auch, mit dem Projekt die Herzen und Köpfe unseres Publikums zu erreichen und sie zu mehr Klimaschutz zu motivieren", sagt Beißwanger. Ob das mit Streichinstrumentalisten aus 17 Nationen besetzte Ensemble den richtigen Ton getroffen hat, um zumindest einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der aktuellen UN-Konferenz zu erreichen, wird sich zeigen.

Was erhofft sich die Wissenschaft von der UN-Klimakonferenz?

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. November 2021, 19:30 Uhr